Der Knoten

Disclaimer: Die beschriebenen Geschehnisse sind ein Jahr her. Januar 2020. Das letzte Jahr verging rasend schnell und zog sich ewig lang und ich bin immer noch da, bin immer noch ich, bin immer noch viel mehr als „Der Knoten“ und das, was damit zusammen hängt.

Ich wache morgens auf und plötzlich ist er da. Na ja, das ist dichterische Freiheit. Vermutlich war er vorher schon da, aber an diesem Morgen spüre ich ihn. Davor nicht und danach auch nur, wenn ich bewusst auf die Stelle drücke. Ein Knoten in meiner Brust, im Gewebe unter der Achselhöhle. Die Haut juckt und spannt, wie bei einem Mückenstich. Nein, ein bisschen anders – wie ein abschwellender Bienenstich vielleicht. 

Auch das macht die Haut danach nicht mehr und davor auch nicht. Warum ausgerechnet an diesem Tag weiß ich nicht. 

Weil es sich so plötzlich anfühlt, denke ich nicht an Krebs, denke nicht an einen Tumor in meiner Brust. Ich denke: Ein angeschwollener Lymphknoten? In der Achselhöhle? 

Wenn ich erkältet bin, habe ich manchmal geschwollene Lymphknoten am Hals. Ich gebe also in die Suchmaschine ein: “geschwollener Lymphknoten in der Achselhöhle”. Ich finde: “Entzündung nach Rasur der Achselhaare” oder “geschwollen nach Katzenbiss”. 

Ich bin kurz beruhigt, schließlich rasiere ich mich regelmäßig unter den Armen und habe Katzen, auch kleine, die ab und zu im Spiel beißen. Aber die Stelle mit dem Knoten passt nicht ganz in den Definitionsbereich von “Achselhöhle”. Es ist etwas weiter unten, da wo Menschen mit großen Brüsten manchmal beherzt zugreifen, um alles in den BH zu stopfen, was sonst seitlich herausgucken würde. 

Ich denke: Geh ich heute zum Arzt? Lasse ich mich auslachen für einen entzündeten Mitesser oder für Rasurbrand? Bei meinem alten Gynäkologen war ich zuletzt vor vielleicht drei, vier Jahren und die Ärztin, bei der ich danach war, fand ich zum Kotzen. Such ich mir jetzt noch wen ganz Neues, hier, am neuen Wohnort?

Ich rufe in der Praxisgemeinschaft meines alten Arztes an. Ich könne zur Notfallsprechstunde am Mittag kommen, “mein” Arzt sei aber nicht im Hause. Mir doch egal. Nerviger ist, dass ich über eine Stunde Bus fahren und mich für heute krankmelden muss. 

Ich gehe trotzdem. Sicher ist sicher. Entzündung nach dem Rasieren. Wäre etwas peinlich aber na ja. 

In der Notfallsprechstunde muss man lange warten. Wie immer im Wartezimmer beim Gynäkologen frage ich mich, welche Geschichten die andern Wartenden erzählen würden. Gedankensprechblasen über jedem Gesicht. “Juhu, ich bin schwanger”, “Oh Gott, ich bin schwanger”, “Mist, schon wieder ein Scheidenpilz”. 

Ich werde ins Untersuchungszimmer gerufen. “Was kann ich für Sie tun?”

Mir sagen, dass da nichts ist. Dass ich mich beim Rasieren verletzt habe und eine kleine Entzündung im Körper habe, die aber mit ein bisschen Teetrinken oder zur Not auch Antibiotika verheilt.

“Ich habe heute Morgen einen Knoten in meiner Brust getastet. Das möchte ich abklären lassen”. 

Er nickt. 

Er sagt: “Bevor ich irgendwas untersuche möchte ich sagen: Sie sind 39, auch wenn ich da nichts Besorgniserregendes entdecken werde, würde ich sie mal zu einer Mammographie schicken. Ok, dann wollen wir mal sehen”

Er tastet meine Brüste ab. Erst die rechte, dann die linke. Er findet den Knoten sofort. “Ok, dann machen wir mal einen Ultraschall.” Er sagt, man sieht was. Er sagt, ihm gefällt nicht, was er sieht. Ich bekomme eine Überweisung zur Mammographie, in der Praxis im selben Haus. Er sagt: “Der Doktor ist etwas speziell und sehr direkt, aber er macht gute Arbeit.” Ich denke, das ist ok, lieber direkt raus mit der Sprache, ist mir nur recht. Er sagt, “nach der Mammographie kommen Sie bitte noch mal rein. Haben Sie noch Fragen?”

Ich habe Fragen, aber keine, die er mir jetzt beantworten kann.

Ich gehe ein paar Etagen hoch zur Anmeldung bei der Radiologie. Als die medizinische Fachangestellte auf die Überweisung schaut, guckt sie ernst. “Wir machen grade leider Mittagspause, aber kommen Sie gern direkt danach wieder rein.”

Kein gutes Zeichen.

Ich gehe in ein Café. Esse eine Kleinigkeit. Versuche nichts zu denken. Spiele auf dem Handy rum. Sudoku. Gehe zurück zur Radiologie, gebe meinen Anmeldezettel ab, warte. Werde aufgerufen.

Es ist nicht meine erste Mammografie, sonst wär ich jetzt wohl überfordert. Meine Brust wird zusammengepresst wie ein Veggie-Patty bei Subways und zwischen zwei Glasscheiben gequetscht. Das Gerät steht wie eine Säule vor mir, ich soll mein Gesicht daran drücken. Bequem und schön ist was anderes. Ich darf mich wieder anziehen – und warten.

Ich lese eine Bunte. Vielleicht auch eine Gala. Ich denke “Gott, wer schreibt so ein Zeug”, ich denke “Gott, ich lese so ein Zeug”. Ich tauche ein in die Probleme der Promis, auch wenn das Promis sind, die ich nicht kenne, ich fühle mich alt. 

Man ruft mich auf. 

Das Zimmer, das ich jetzt betrete, sieht nicht aus, wie ein Arztzimmer und der Mensch, der da sitzt, sieht nicht aus wie ein Arzt. Sind Radiologen überhaupt Ärzte? Das Zimmer sieht aus, als hätte Andy Warhol die Zeitschriftensammlung seiner Mutter gehortet, irgendwo in diesem Chaos sitzt ein Mann und redet in ein Diktiergerät.

Ich setze mich auf einen Stuhl. Er sitzt mit Blick auf den Bildschirm und die Wand, ich mit Blick auf seinen Rücken. Er sieht aus wie Catweasel auf einer 80er Jahre Party. Pinke Lackhose und gelbe Steppweste, kein Shirt darunter. Ich denke “interessant”. Neben ihm sitzt jemand und liest Zeitung, die medizinische Fachangestellte bleibt in der Tür stehen. Der Mann, also der Radiologe, wie ich vermute, beendet sein Diktat, zeigt auf das Bild an seinem Monitor und sagt, während er sich zu mir umdreht: “das Ding muss raus”. Ich nicke. Er sagt noch mehr, nämlich dass natürlich die weiterbehandelnden Ärzte sagen werden, was zu tun ist, aber er sei sich da ziemlich sicher, dass das raus muss und da will er ganz offen sein. 

“Gab es Brustkrebs in ihrer Familie?” 

Ich sage “Ja”. Er sagt “Pechvogel”. 

Ich denke “Mit ‘speziell’ hat mein Arzt den Radiologen aber nett umschrieben”. 

Ich gehe mit einer CD in der Hand, auf der sich die Bilder meiner nackten Brust befinden, aus dem Raum und wieder runter zu meinem Gynäkologen. 

Er überweist mich zu einem Brustzentrum. “Brustzentrum” klingt vermutlich netter als Brustkrebszentrum. Da wird dann eine Biopsie von dem Knoten gemacht. Der Termin ist in einer Woche. Ich denke “Wow, eine Woche warten”. 

Ich frage “Ja und dann? Was passiert dann, wie geht es weiter? Werd ich operiert, muss ich was planen, ich hab Arbeit, ich hab Kinder?” 

Er verweist darauf, dass das von so vielen Dingen abhängt, dass man die Biopsie abwarten muss. Aber er sagt auch: “Damit werden sie wohl bis Mai beschäftigt sein, mindestens.” Es ist Mitte Januar.

Ich telefoniere mit dem Mann. Ich fahre mit der U-Bahn und dem Bus nach Hause und sehe Menschen, sehe ihre Gesichter. Ich denke: Ich sehe ganz normal aus, die sehen ganz normal aus. Wenn man mir nicht ansieht, was heute passiert ist, was ist den anderen heute passiert oder gestern oder irgendwann in ihrem Leben? 

Wovon ihre Gesichter nichts erzählen, die müde aussehen und den Blicken der anderen ausweichen. 

Ich denke nicht: “Scheiße, warum trifft es mich?” 

Ich denke: “Immerhin 12 krebsfreie Jahre mehr, als meine Mutter hatte”. 

Ich denke: “Mist, wo ich mich grade intern auf diese Stelle beworben hab”. 

Ich denke: “Jetzt brauche ich ja gar nicht mehr Diäten, vielleicht kommt das mit der Chemo von ganz alleine”. 

Ich denke: “Kann ich darüber bloggen oder versau ich mir da die Suchmaschineneinträge mit? Bekomme nie wieder woanders einen Job?” 

Ich denke nicht: “Wie sag ich es meinen Kindern?”

Ich denke: “Damit ist die Familienplanung wohl endgültig abgeschlossen. Wie praktisch für den Mann, der wollte eh kein drittes Kind mehr.” 

Ich denke: “Ich hab meine Brüste eh nie wirklich gemocht, vielleicht ist das ihre Rache. Oh, oder es ist die Quittung für das Nicht-stillen. Stillen senkt doch das Krebsrisiko, tja, haste nun davon.”

Ich denke: “Ich wollte doch eh die Heilpraktker-Ausbildungen (Medizin und Psychologie, wenn schon, denn schon) machen, dann hab ich ja jetzt meine Zielgruppe – andere Brustkrebsmenschen.”

Ich denke nicht: “Ich werde sterben.”

Ich denke: “Also ja klar werde ich sterben, aber eher nicht an Brustkrebs. Aber vielleicht bewilligt mir die Krankenkasse bis dahin eine Haushaltshilfe?”

Ich denke: “Das kann ich so nicht schreiben, die Leute denken doch, mein Glas sei nicht halb voll, sie denken, das Schnapsglas ist bei der Alten komplett übergelaufen.”

Ich denke: Denke ich das wirklich oder denk ich mir das gerade aus?

Ich stehe an der Bushaltestelle, die Kopfhörer in meinen Ohren. Aber wie so oft, hält das die Menschen nicht davon ab, mich irgendwas zu fragen, mir irgendwas zu erzählen. Vermutlich hab ich ein Sozialpädagoginnen-Gesicht. Eine ältere Frau fragt mich, ob der Bus schon abgefahren sei. Ich jongliere ein paar Wortwitze in meinem Kopf aber antworte brav, dass der eine Bus vor fünf Minuten abgefahren ist und der nächste erst in 25 Minuten kommt. Sie erzählt mir, dass sie den ganzen Tag bei diversen Ärzten war und ich glaube, sie würde mir auch gerne mehr erzählen. Alta, ich hab Brustkrebs und werde trotzdem nicht in Ruhe gelassen. Andererseits: Brustkrebs ist schlimm. Aber krank und alt und allein sein ist vermutlich schlimmer. 

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Das Gegenteil von Ohnmacht…

…ist Macht? Für mich ist das Gegenteil von Ohnmacht machen. Machen erzeugt – bei mir – das Gefühl von Selbstwirksamkeit und auch, ich weiß kein besseres Wort, von Kontrolle? Jedenfalls merke ich den Teufelskreis von Pandemieauswirkungen auf mein Nervenkostüm (konkret mit all dem Homeschooling und den Quarantäneanordnungen), Herbstblues und den sonstigen „Nebenwirkungen“ des letzten Jahres.

Ich sortiere also mal wieder meine Werte und überprüfe, ob ich auch wirklich so lebe, wie ich leben will und an welchen Schrauben ich drehen kann, um dieses diffuse Gefühl, dass zwischen Soll und Ist zu große Distanz herrscht, zu überwinden. Zugegebenermaßen ist ein Großteil aufgrund der oben genannten Gründe nicht wirklich zu verändern. Aber ein bisschen geht immer:

Im Sinne der Nachhaltigkeit hab ich am Freitag den alten Fahrradanhänger aus der Garage geholt, meine alten Tupperdosen und Marmeladengläser rein gepackt und bin den Weg zum Unverpacktladen (16km eine Strecke) geradelt. Der Mann hat mich begleitet und so hatten wir einen wundervollen Vormittag, bei bestem Wetter und haben was für Fitness und Nachhaltigkeit getan. Und Paarzeit hatten wir auch ^^.

Fahrradanhänger
Erst mal Reifen aufpumpen

Nein, ich bin nicht so naiv zu denken, dass ich damit die Welt rette. Vom Welt retten bin ich inzwischen weit entfernt (als „Ziel“). Aber ich glaube immer noch daran, dass alle ihren Anteil beitragen können. Welcher das ist muss jede:r selber wissen. Aber mir brachte der Freitag Vormittag das Gefühl zurück, einen Unterschied zu machen.

All die kleinen, weißen Punkte sind Schwäne. So viele hab ich noch nie auf einmal gesehen

Das Wochenende gestaltete sich ähnlich unspektakulär aber mit einer Menge Upcycling und DIY. Wir haben Winterreifen aufs Auto gemacht (ich hab zum zweiten Mal unter Anleitung mitgemacht, es ist wirklich keine Raketenwissenschaft, was ihr vielleicht schon wisst. Aber ich gestehe, für meine feministische Haltung bin ich bei „solchen Dingen“ sonst eher unbedarft gewesen und finde es auch hier sehr befriedigend, mir das entsprechende Wissen anzueignen).

Dann hab ich noch drei alte Hussen von den Stühlen, die wir geschenkt bekommen haben, gefärbt. Die Hussen waren weiß und nach einem Jahr in diesem Haushalt komplett fleckig. Ich hab sie in gelb-orange gefärbt und hole sie in dieser Farbe gleich aus der Waschmaschine. Das Foto mit dem Endergebnis folgt noch. 12 Euro für „neue“ Hussen. Ja, bei Kleinanzeigen gibt es manchmal ganze Stühle zu verschenken, aber keine Hussen (die dann ja auch noch passen müssen. Und quer durchs Land muss man sie sich auch nicht schicken lassen).

Muss wahrscheinlich Werbung dran stehen, weil Marke erkennbar. Unbeauftragt & selbstgekauft schreib ich dann auch dazu

Um zum Anfang des Textes zurück zu kommen: Viele „kleine“ Dinge erledigt zu haben, nachhaltige Lösungen für alltägliche Probleme zu finden und Zeit mit der Familie zu haben, lassen mich mit der Woche ein bisschen glücklicher und zufriedener abschließen.

Rosmarin aus dem Garten trocknen, für selbstgemachte Geschenke

Wie war euer Wochenende?

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Mittwoch

Hallo zurück nach kleiner Pause. Wenn man mit dem Schreiben einmal aus dem Tritt ist fällt es schwer, wieder einzusteigen.

Wir haben zweimal Quarantäne hinter uns, beziehungsweise unsere Kinder. Kind1 schon vor den Herbstferien, direkt nach den Herbstferien dann gleich beide Kinder. Beides Mal gab es keine Sorge, dass die Kids erkrankt sein könnten, aber puh, das waren zwei mal zwei Wochen Homeschooling again. Auch ohne Homeoffice bei zwei Grundschülern ein Vollzeitjob.

Am Samstag haben wir das Ende der Quarantäne mit einem letzten Grillen und Stockbrot überm Lagerfeuer gefeiert. Ein Hoch auf HausundGarten.

Sonntag haben wir ein paar Bäume gepflanzt. Der beste Freund hat uns ein kleines Wildhecken-Paket geschenkt. Klein ist dabei relativ. Im Paket waren Sanddorn, Haselnus, Wildapfel, Felsenbirne und Quitte, Schlehe und noch ein, zwei, die ich vergessen habe. Die brauchten nun einen festen Standort und ich bin so gespannt, was in den nächsten Jahren daraus wächst.

Ich hatte ja mal die Vision eines essbaren Vorgartens, bei dem vorbeischlendernde Nachbar:innen sich hier und da was pflücken können. Die Haselnuss ist also im Vorgarten gelandet und ich plane, noch ein bis zwei Hochbeete, anstelle einer Hecke dorthin zu setzen und dann etwas Pflücksalat, Erdbeeren und co zu pflanzen.

Für weitere Schritte in Sachen Share Economy, gelebter Nachbarschaft und Co habe ich uns bei Pumpipumpe registriert. Eine quasi digitale-öffentliche Tauschbörse. Man kann dort angeben, was man bereit ist zu verleihen (warum sollten im Vorort alle einen eigenen Rasenmäher besitzen, wenn man ihn nur alle paar Wochen benötigt? Oder die Heckenschere?) und natürlich suchen, was man selber mal leihen mag (von Zelt und Raclette über Brettspiele und Bücher zu Auto). Das System ist noch ausbaufähig, aber die Idee finde ich grandios.

Am Montag waren dann beide Kids wieder in der Schule. Vor Überforderung mit so viel Ruhe habe ich erst mal eine Stunde aus dem Fenster geguckt.

In meinen Mittagspausen habe ich Klavier geübt. Kind1 hat ja seit dem Sommer Unterricht und ich habe mir dann mal aus Spaß ein paar Apps angeguckt zum „Selberlernen“. Dabei bin ich auf „Simple Piano“ gestoßen (Achtung: Abo) und war total begeistert. Mit dem Tablet lernt man in kleinen überschaubaren Dosen doch recht schnell die ersten Melodien oder Begleitakkorde. Ok, ich hab schon ein Instrument gespielt und kann Noten, aber das Tempo der Fortschritte war schon enorm. Und auch die Kids sind Feuer und Flamme, auch Kind2 hat angefangen und mit seinen sechs Jahren schnell Erfolgserlebnisse gehabt. Ich kann die App nur empfehlen! Ersetzt natürlich keinen Klavierunterricht, aber für mich reicht es allemal.

Was ich noch geschrieben habe:

Und:

Ich wünsch euch quarantänefreie Tage! Bleibt gesund.

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MentalLoad und Corona im Dorf

Montag

Der Montag fängt wie so ein Montag an, mit Kindern, die lieber noch schlafen würden, Wo sind meine Hosen, Iss endlich auf du musst zur Schule und Setz deinen Fahrradhelm auf und vergiss deine Maske nicht.

Endlich sind alle vor der Tür. Ich mache Homeoffice und in der Mittagspause etwas, was ich schon länger in meinen Alltag integrieren wollte: Ich spiele Flöte. Einen Irish Reel, kennt ihr, wenn ihr mal The Corrs gehört oder in Irish Pubs gesessen habt: Drowsie Maggie. Sonst gebt den Titel bei Youtube ein. You’re Welcome. Meine Finger sind sehr langsam, aber man hört, worauf es hinaus soll.

Am Nachmittag kommen die Kinder nach Hause. Kind2 hat in der Schule seinen Milchschneidezahn verloren und ist ganz happy. Und wir erst, jetzt grinst er, wie ein echter Erstklässler!

Wir sitzen am Tisch, ich male, mit Aquarellstiften in meinem neuen Aquarellpapierbuch. Ich ‚kann‘ gar nicht malen, aber ich hab Freude daran. Erst mal testen, wie Farbe und Papier funktionieren, wie schnell es trocknet, wie gut sich die Farbe vermischen lässt. Die Kinder hören während dessen Hörbuch.

Am Nachmittag plaudere ich kurz mit der Nachbarin von Gegenüber. Anscheinend ist Corona jetzt auch in großem Umfang in unserem Dorf angekommen, nach einer Hochzeit im Nachbarort sind mehrere Personen in Quarantäne. Abends berichtet man auch im Radio davon. Spooky, sehr spooky. Und nur eine Frage der Zeit, bis die Grundschule hier zu hat.

Am späten Nachmittag stehen plötzlich Kinder vor der Tür und wollen unsere zum Spielen abholen. Nachdem in den Ferien kaum jemand auf der Straße war, kommt jetzt das, was ich mir mit dem Umzug in den Vorort erhofft habe: Kinder, die sich spontan treffen…

Dienstag

Ich spiele Mama-Taxi. Gegen Mittag kommt Kind1 nach Hause und ich fahre ihn zur Musikschule. Bisher haben die Kinder keine klassischen Hobbys gehabt, ich fand, die langen Kita- und Schultage reichen und sie haben auch keine speziellen Wünsche geäußert. Als sie kleiner waren, gab es mal Kinder-Turnen und für Kind1 eine zeitlang Bouldern. Aber kein Kind sagte „Ich will xy machen“. Aber seit eben einem knappen Jahr möchte Kind1 Keyboard lernen.

Er hat heute also seine zweite Klavierstunde (Keyboard kann er ja darauf aufbauen). Bei der ersten war ich noch mit dabei, ich mag ja auch gucken, wie die Lehrerin so ist. Ich fand sie super, das Kind soll immer zwei Töne spielen, sie spielt darüber eine Melodie – zack, Erfolgserlebnis fürs Kind. Ich selber musste auf der Querflöte damals die erste Woche nur ins Kopfteil pusten und das war schon irgendwie öde, wenn man vorher mal so richtige Flötist:innen gehört hat.

Anschließend haben wir einen Augenarzttermin. Kind1 trägt eine Brille und klagt trotzdem manchmal über Kopfschmerzen in der Schule. Bei der Anmeldung stelle ich fest: Ups, Versichertenkarte vergessen! Ich muss an all die Diskussionen um MentalLoad denken und daran, dass mich heute keine:r erinnert hat, diese mitzunehmen. Ich war schon happy, an die Anmeldung für die Musikschule zu denken und die Gitarre, die Kind1 noch als Leihinstrument hatte vom Kooperationsprojekt Schule & Musikschule aus dem letzten Jahr. Ha, alles dabei gehabt! Versichertenkarte eben nicht.

Umgekehrt hätte ich aber auch den Mann nicht an all das erinnert, wäre er zu den Terminen gefahren. Ich vergesse Dinge, der Mann vergisst manchmal Dinge, warum soll ich mir zusätzlich den MentalLoad auftragen, ihn an Sachen zu erinnern? In diesem Fall ist die Konsequenz: Ich muss irgendwann zeitnah nochmal in die Praxis um die Karte vorzulegen. Shit happens.

Mit den Augen ist alles in Ordnung. Woher die Kopfschmerzen kommen? Don’t know yet…

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Nach den Ferien

Die Hitze macht uns zu schaffen. Das geht wohl allen so. Aber…

Am Montag fährt der Mann zur Arbeit. Bei mir steht Home Office an. Den Kindern erlaube ich, dass sie soviel Fernsehen dürfen, wie sie wollen, nachdem sie ihre Kinderzimmer (halbwegs) aufgeräumt haben.

Ich versuche zu arbeiten, konzentriert ist aber nicht. Die Kinder nehmen das mit dem „soviel sie wollen“ sehr ernst und ich bekomme sie erst am frühen Abend wieder dazu, die Kiste mal auszuschalten. Das war Rekord.

Ich glaube, sie würden schon was anderes machen, wären andere Kinder da. Naja.

Gegen Lebensmittelverschwendung

Am Dienstag im Prinzip das Gleiche, Mann außer Haus, ich im Haus, die Kinder auch. Spannend, oder? 😀

Am Vormittag kommt meine erste Bestellung von Sirplus (alles, was ich in meinen Blogartikeln nenne, habe ich selbst gekauft und selbst bezahlt und schreibe ganz freiwillig und ohne Auftrag darüber…). Sirplus wurde unter anderem von Raphael Fellmer gegründet, der mal versucht hat, ohne Geld zu leben. Also ohne Geld zu verdienen oder auszugeben. Dann hat er Food Sharing mit gegründet und jetzt versucht er, mit anderen und in größerem Stil, Lebensmittel direkt an der Quelle zu ‚retten‘: Bei den Produzenten oder im Großhandel aufkaufen, Qualität checken, weiter verkaufen. Es gibt kein Leben außerhalb des Kapitalismus, Baby!

Ich hab die Veggiebox bestellt und die Bestellung war easy, die Sachen gut verpackt und es war einiges drin. Für unseren Haushalt war leider etwas zuviel Süßkram drin, aber man kann auch einzelne Produkte auswählen und bestellen, vielleicht ist das für uns besser.

Parteipolitik

Es ist erster Schultag für den Großen! Obwohl wir am Vorabend alles gepackt haben, fällt uns kurz vor dem Go noch auf, dass die Fahrradhelme weg sind (wurden im Kofferraum des Autos gefunden) und Schuhe, wo sind diese verdammten Schuhe…? Dann mit allem, was man für die Schule benötigt, Tornister, Turnbeutel (den das Kind dann doch nicht braucht, sie sollen an den Sport-Tagen fertig angezogen zur Schule kommen) und ein Handtuch, falls in der Nachmittagsbetreuung mit Wasser geplanscht wird.

Abends fahre ich zur Kreisversammlung der Grünen. Letztes Jahr bin ich dort Mitglied geworden. Mir reicht es nicht mehr, nur an meinem Konsumverhalten rumzuschrauben und da ökologisch zu optimieren. Das mache ich zwar weiterhin, aber Leute, ich hab gesehen, wie sich Eltern auf twitter gegenseitig in der Luft zerreissen, weil eine gesagt hat, sie würde ihrem Kind auch mal ein Eis von N*stlé kaufen und was da abging… und das unter Müttern, denen man ja eh schon für alles die Schuld gibt.

Es ist natürlich ehrenhaft, auf individueller Ebene anzusetzen, versuche ich ja auch, siehe oben. Aber puh, wenn ich überlege, wie viel Energie ich auf die Frage verschwendet habe, was am nachhaltigsten ist: Lebensmittel zero waste zu kaufen, saisonal/regional, gerettet oder vegan…dann denke ich abschließend, dass meine Energie woanders eine größere Durchschlagkraft hat.

Ich habe die Hoffnung, dass man gemeinsam mehr erreicht und auf politischer Ebene größere Stellschrauben drehen kann. In Bezug auf Tierhaltung, Fleischproduktion, Verpackungsmüll, Lebensmittelverschwendung etcetera etcetera bla bla.

Naja, die Versammlung zog sich ein wenig, wie jede, auf der ich bisher war. So eine Lokalpolitik basiert auf gewachsenen Strukturen, Ämtern und Netzwerken, vermutlich wird meine erste Aufgabe sein, mir hier erst einen Durchblick zu verschaffen.

Einschulung

Donnerstag ist der Tag, auf den Kind2 hier nun seit Wochen gewartet hat: Die Einschulung! Wir kommen als letzte in der Kirche an, weil natürlich noch diskutiert werden muss (macht Kind2 gerne, wenn es aufgeregt ist) – ob er wirklich ein Hemd tragen muss (wir nehmen es dann mit, falls er sich doch noch entscheidet, es anzuziehen), wer die Schultüte und den Tornister trägt (Dienstpersonal bleibt Dienstpersonal) und ob Socken angezogen werden. Die Sitzordnung sieht natürlich vor, dass wir in der ersten Reihe sitzen und – vom hinteren Eingang kommend – noch an allen vorbei müssen…

Natürlich ist wegen Corona alles anders. Wegen der Aerosole darf nicht gesungen werden (denkt dran, wenn die Fußballstadien wieder voll sind), es dürfen nur die Eltern mit und es sind auch keine anderen Schulkinder da, die sonst den Gottesdienst mitgestalten. Leider betont die Direktorin, die durch das Programm führt auch dauernd, WIE anders alles ist und was nicht alles getan würde, wäre nicht Corona. Find ich ziemlich überflüssig, den heute eingeschulten Kindern ständig unter die Nase zu reiben, was alles hätte sein können. Das ist offenbar nicht nur bei unserer Einschulung hier gewesen, auch Franzi schreibt über die „Entschuldigungsfalle„.

 

Kind2 findet das nicht schlimm, vermutlich ist es für ihn sogar angenehmer, dass wir nur so wenig Leute sind.

Natürlich weine ich, ist ja mein Baby, was da jetzt ein Schulkind ist. Ich weine aber auch ein bisschen, weil die Kinder alles – die Maskenpflicht, den Abstand – so tapfer ertragen, und weil ich finde, das Kinder in dem Alter nicht so tapfer sein müssen. Sie sollten sich vor Aufregung schubsen können, sich an die Hand nehmen um sich an jemanden, der genau so aufgeregt ist wie man selbst, festhalten zu können und naja, meistens hat mir Corona echt nichts ausgemacht, aber in dem Moment bin ich überfordert.

Nachmittags besuchen uns Tante und Großeltern und wir sitzen im Garten, die Kinder verkriechen sich ins Haus, ihr Limit an Menschen ist wohl erreicht. Wir essen Kuchen, den die Tiefkühle gebacken hat und grillen.

Freier Freitag

Beide Kinder in der Schule! Ruhe im Haus. Ich gehe erst mal spazieren und arbeite anschließend in Ruhe ein paar Sachen weg.

Am Abend ist bei uns „Filmabend“ – seit wir die Folge von der Sendung mit der Maus gesehen haben, in der Ralph Caspers eine dänische Familie besucht, die abends bei Schüsseln voller Süßigkeiten Filme guckt. So erzählen die Kinder diese Folge. Ich wähle „In einem Land vor unserer Zeit“ aus, Kind2 als Dino-Fan freut sich.

Das Wochenende war sehr anstrengend, für uns alle die Umstellung zu Präsenzschulalltag herausfordernd.

Hat bei euch die Schule schon angefangen? Habt ihr neue Erstklässler:innen oder einen Umstieg auf weiterführende Schule?

Kommt gut in die neue Woche!

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Was ist das neue Normal?

Der Urlaub in Holland fand in einer Art Parallelwelt statt. Nahezu niemand dort verwendete einen Mund-Nasen-Schutz. Es gab zwar wirklich überall Desinfektionsspender, aber auch die Abstandsregeln schienen mehr für die damit markierten Steine auf dem Boden, als für die Menschen, die darüber gingen.

Holland, meine liebe auf den zweiten Blick. Wenn man in der Nähe zur holländischen Grenze aufwächst, kann man dich schon mal unterschätzen. Dabei bist du wirklich sooo schön!

Gab es in Holland kein Corona? Es ist interessant, wie unterschiedlich Länder und Menschen damit umgehen. Und wie schnell sich der gefühlte Sicherheitsabstand ändert und wie es sich anfühlt, wenn er dauernd unterschritten wird.

Jedenfalls sind wir wieder Zuhause. Seit wir im Dorf wohnen, haben wir eigentlich perfekte Ferienbedingungen für die Kinder: Wir haben das letzte Haus im Wendehammer, dahinter großer Sportplatz, dahinter „Wald“. Der Rest Einfamilienhäuser in der 30er Zone. Ich hatte gehofft, dass die Kinder viel draußen sind in den Ferien, mit anderen Kindern. Nur – diese fehlen. Also Kinder gibt es schon. Aber entweder sind sie im Urlaub, machen Ausflüge mit der Familie, oder die Eltern finden sie zu klein, um „unbeaufsichtigt“ durch diese gezähmte Wildnis zu ziehen.

Mir liegt es fern, das zu werten, auch weil ich weiß, warum es so ist und es früher nicht alles besser war. Ich seufze nur, weil ich zwei Kinder habe, die am liebsten mit anderen Kindern spielen und kaum mit ihrem Spielzeug.

Vorbereitungen für die Einschulung von Kind2. Das Basteln der Schultüte übernimmt der Mann. Wer mich kennt, weiß warum oder hat gelesen, wie es bei Kind1 lief…

Dafür entschädigen ein wenig Abende wie neulich, als der Mann und ich abends vorm Haus saßen (ist schon ein rebellischer Akt, VOR dem Haus zu sitzen und nicht hinten im Garten). Erst kamen die einen Nachbarn dazu, dann die frisch aus dem Urlaub zurück gekehrten anderen Nachbarn. In einem großen Stuhlkreis (Abstand!) sitzen wir im Vorgarten, sechs Erwachsene, sechs tobende Kinder.

Ist das das neue Normal? Abstand, Makse wo weniger Abstand und der Rest heißt Abwarten, bis es eine Impfung gibt? Den Kindern ist es inzwischen unmöglich zu erklären, warum bestimmte Dinge erlaubt sind und andere nicht und mir fällt es auch immer schwerer, das nachzuvollziehen. Und ja, auf der Ebene versteh ich die Protestierer. Wenn so unterschiedliche Dinge unterschiedlich geregelt werden, jedes Bundesland, ja jede Stadt ihr eigenes Süppchen kocht. Ich schicke die Kinder kommende Woche in die Schule, wo sie erst im Klassenverband und anschließend – theoretisch, ich weiß noch nicht, ob ich sie in den Ganztag schicke – in anders gemischten Kleingruppen und nachmittags dann wieder mit den Nachbarskindern unterwegs sind – aber Oma und Opa dürfen nicht mit zur Einschulung in die Kirche?! Ok, man muss sich immer wieder klar machen, dass die Regelungen nicht geschaffen werden, um möglichst viele Menschenleben zu retten, sondern um das „Gesundheitssystem nicht zu überlasten“, es sollen also nicht alle gleichzeitig krank werden. Dennoch sind viele Entscheidungen absurd.

Ich sehne mich nach Homeoffice ohne Kinder und habe gleichzeitig Angst, sie in die Schule und ins Verderben zu schicken. Es ist ein Unding, dass man als Eltern mit dieser Verantwortung allein gelassen wird. Die Infos darüber, wie ‚gefährdet‘ Kinder sind tröpfeln nur langsam, was das für „Risiko“gruppen gehört, wird ausgeblendet und wenn ich daran denke, dass bei einer Schließung wegen Infektionen wieder alles an den Eltern hängen bleibt, werde ich wütend.

Aber gut, ich schaue in diese kommende Woche, mit der Einschulung von Kind2 Einer Versammlung der Grünen, an der ich teilnehmen werde und einer hoffentlich erträglichen Hitzewelle…Bleibt gesund.

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Kalenderwoche 22 – CoronaChroniken

Montag – CatMonday

Ich werde um 5.20 wach. Diesmal nicht freiwillig. Katzenfauchen und -geschrei in unserer Einfahrt. Der unkastrierte Nachbarskater hat zum wiederholten Male eine unserer Katzen in die Ecke gedrängt und attackiert. Ich verscheuche ihn und locke unser Tierchen ins Haus.

Die Katz ist ganz schön desolat, lässt mich nicht an sie ran und verzieht sich in eine Ecke. Ich verabreiche ihr etwas Schmerzmittel und rufe in der Tierarztpraxis an. Da erreiche ich den ganzen Vormittag niemanden und komme eh erst frühestens am späten Nachmittag weg, wenn der Mann wieder mit dem Auto da ist.

Ich beobachte das Tierchen, dass sich einen Platz zum Schlafen im Garten gesucht hat.

Die Praxis meldet sich, um 18.15 Uhr können wir vorbei kommen. Zu der Zeit wirkt die Katze schon wieder relativ fit. Dennoch bin ich froh, dass der Tierarzt sie sich genau ansieht. Er entdeckt nur eine kleine Schramme an der Flanke, ich bekomme etwas Schmerzmittel mit und soll mich noch mal melden, sollte sich die Wunde entzünden oder das Tierchen auch nach einigen Tagen noch humpeln.

Zu Hause gehen der Mann und ich zu dem Nachbarn, von dem wir annehmen, er sei der Besitzer des Tieres. Die Info hatte uns dessen Nachbarin gegeben, die die Mutter des besten Kumpels von Kind1 ist (ihr blickt noch durch in dieser Soap?).

Das Gespräch ist ok, wir bitten ihn, den Kater kastrieren zu lassen, das ist hier im Kreis seit Januar ja auch Pflicht und neben weniger Kampflust könnte er auch weniger Katzen schwängern…seine Frau taucht auf und sagt, so weit würde ihr Kater ja gar nicht gehen, es gebe ja noch weitere Katzen, die so ähnlich aussehen. Hin – her – ja klar lässt der seinen Kater kastrieren, is ja kein Problem.

P.S.: Am nächsten Tag fahre ich mit dem Fahrrad zum Tante Emma laden und komme bei besagten Nachbarn vorbei. Die Nachbarin ist grade draußen – ihr Kater sitzt grad in der Einfahrt. Was soll ich sagen – es ist nicht das Tier, was unsere Katzen angreift, dieser Kater hier ist dunkler und runder und hat außerdem ein Halsband mit Plakette. Peinlich peinlich. Gut, die Suche nach dem Krawallkater geht weiter.

Mittwoch – alle außer Haus. Fast

Am Mittwoch sind laut Plan alle außer Haus. Das Schulkind hat Schule, das Vorschulkind zum ersten Mal seit März Kindergarten und ich einen Termin, der eigentlich kein Vergnügen ist, aber wenn man die letzten Tage von allen Seiten angemault wird, sich wie Me-Time anfühlt.

Wie sich rausstellt, sind wir mit dem Kindergartenkind einen Tag zu früh dran. Ja nun,  nachdem unser Wochenplan wochenlang leer war, muss man sich jetzt wieder neu sortieren.

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Wochenlang war er jetzt leer, der Wochenplan

Donnerstag

Der Mann fährt arbeiten und nimmt das Kindergartenkind mit zur Kita. Diesmal am richtigen Wochentag. Das Schulkind liegt im Vorgarten in der Sonne und ich arbeite ein wenig.

Um 12.30 hole ich das Kindergartenkind mit dem Roller ab. Während ich über den Zaun noch kurz mit der Erzieherin plaudere, lässt der Kleine den Roller los der schnurstracks in die Hintertür vom Auto der Kitaleitung knallt. Schramme. Bleibende Eindrücke können wir. Das regelt wohl hoffentlich die Haftpflicht.

Zu Hause mach ich ein schnelles Mittag aus Kartoffelpü, gebratenen Zwiebeln und Kohlrabiblättern (mein zweiter Verwertungsversuch nach dem Pesto) mit Veggiegyros.

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Kleine Gartenfreuden

Dann setz ich mich noch mal an den Schreibtisch (aka Esszimmer-, Mehrfachverwendungszwecktisch) während im Vorgarten die Kinder mit den Nachbarskindern toben. Etwas anstrengend, mit einem Ohr immer darauf zu achten, ob das jetzt vergnügliches Spielegeschrei oder schon Aua-Wehweh Geschrei ist.

Um 15.30 hat der Grundschüler ein Skype-Date mit einer “Nachhilfelehrerin” oder genauer: einer Person, die ihn beim Aufgaben machen begleitet. Wir Eltern sind dafür offenbar aus Kindessicht nicht geeignet, wir gelangen alle ganz schnell ans Ende unserer Geduldsfäden und wenn ich sage, dass 3×3=9 ist, glaubt mir der Grundschüler das noch lange nicht.

Darum haben wir um 17 Uhr auch einen Termin mit seinen Lehrerinnen. Zwei Stunden lang.

Thema Homeschooling/Wochenplan. Um das Fazit vorweg zu nehmen: Wir als Eltern laufen ihm nicht mehr hinterher, bieten ihm Hilfe an, er ist aber in der Verantwortung, mit den leeren Wochenplänen in die Schule zu gehen. Geht doch. Erstmal

Freitag.

Der Mann und das Vorschulkind machen sich um kurz nach acht auf den Weg. Der Grundschüler startet gemütlich in den Tag und ich versuche etwas Papierkram wegzuarbeiten. Gegen 13 Uhr holen wir K2 (das Vorschulkind) aus dem Kindergarten und gehen zum Tante Emma Laden hier im Dorf. Die Kinder haben sich nämlich einen Fernsehabend gewünscht, wie sie ihn bei der Sendung mit der Maus über Dänemark gesehen haben: Die Familie sitzt umzingelt von Süßigkeiten vor dem Fernseher…na gut, wenn es sie glücklich macht. Nur ein Teil der Süßigkeiten hält bis zum Abend.

Da das mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner für gemeinsames Fernsehen so ne Sache ist, suchen wir uns Pippi Langstrumpf in der ZDF Mediathek. Ich sag mal so: Ich dachte, wir hätten die N-Wort Geschichte in den Büchern durch und vielleicht war es naiv zu glauben, dass man den Begriff einfach mal übersynchronisieren kann. Kann man wohl nicht. ZDF, you have a job to do!

Abends sind wir dann noch – unter Beachtung aller möglichen Hygieneregeln – zu den Nachbarn zum Grillen. Die insgesamt vier Kinder spielen ganz harmonisch (meistens) und wir haben wieder andere Erwachsene zum Reden. Ich gehe vor 22 Uhr ins Bett, da sind Mann und Kinder noch wach…

Samstag

Die Kinder schlafen dankenswerterweise bis nach neun. Zum späten Frühstück gibt es Englisch Breakfast. Der Mann und das Kindergartenkind fahren zum Blumenladen um den Vorgarten noch etwas aufzuhübschen.

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veganer Rhabarberkuchen mit Streuseln

Ich bereite einen Rhabarberkuchen vor und schicke die Kinder Holunderblüten schneiden. Um Sirup vorzubereiten. Begeistert werkeln sie an den zwei Holundersträuchen in unserem Garten. Ich darf nur nicht hinsehen, wie sie mit den Gartenscheren hantieren.

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Der Mann und das große Kind müssen noch mal in die Stadt zum Optiker. Gefühlt muss etwa einmal im Monat an der Brille was repariert werden, was nicht an der Brille liegt, sondern an deren Umgang damit.

Kind2 hilft mir beim Ansetzen des Sirups. Holunderblüten, Zitronen, Zitronensäure und Wasser in einen großen Topf. Und jetzt das, was für Kind2 das unverständlichste ist: Einfach warten. 24 Stunden. Dann zuckern…

Zum Abendessen hat der Mann Chili vorbereitet, sowohl mit Carne als auch mit Soja.

Sonntag

Ich bin – wie üblich – als erste wach. Inzwischen finde ich das ganz ok. Ich hole mir Kaffee, füttere die Katzen (die anschließend zu mir ins Bett kommen und schlafen, weil sie die ganze Nacht draußen waren) und höre Podcasts oder Hörbücher.

Die Kinder dürfen ab neun Uhr fernsehen und nach einem späten Frühstück reissen sie mit dem Mann den alten Zaun im Vorgarten ab. Das Holz ist schon ganz morsch und das Restholz gibt vielleicht noch Anzündfutter für den Kamin.

Nachmittags verputzen wir die Reste vom Rhabarberkuchen.

Die Kinder müssen noch den Keller aufräumen (also ihre Spielsachen, die sie da großzügig ausgebreitet haben) und dürfen wieder fernsehen. Der Mann macht eine Radtour.

Schon wieder eine Woche vorbei. Aber die Tage werden wieder voller mit externen Terminen. Da war so ein Blick zurück auf diese ruhige Woche ein guter Moment zum Innehalten.

Und ich brauche wohl mal neue Aliasnamen für die Kinder. Erinnert sich noch wer an Minime & Cashew? Das geht ja gar nicht mehr. K1 und K2 sind auch so lala und Grundschüler/Vorschulkind/Kindergartenkind – ich weiß nicht.

Falls ihr bis hier mitgelesen habt und euch einigermaßen unterhalten fühltet freue ich mich über eure Likes hier oder auf dem SocialMedia Kanal eurer Wahl!

Auf eine schöne neue Woche!

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Vatertag, ganz unpolitisch

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Wie immer in den letzten Tagen stehe ich schon kurz nach sechs auf. Merkwürdig, dass diese Uhrzeit, die im normalen Alltag keine Begeisterung bei mir weckt, in diesem Ausnahmezustand genau meine Zeit zu sein scheint. Aber wie gesagt: Wenn man nicht direkt mit Hektik in den Tag startet, ist es was völlig anderes.

Ich hole mir einen Kaffee und gehe ins Wohnzimmer. Vor der Tür zum Garten wartet schon eins der beiden Katzis, die die sommerliche Nacht draußen verbracht haben, auf mich. Beziehungsweise auf das Katzenfutter. Kaum hat es sich satt gegessen, legt es sich zu mir auf die Couch.

Ich untersuche den Kater – er heißt Ohnezahn, auch wenn er sehr offensichtlich mindestens einen Zahn hat, weil er schwarz ist und grüne Augen hat, wie der Lieblingsdrache von Kind 2 – nach Zecken. Eigentlich finde ich immer eine, auch wenn wir alle drei bis vier Wochen ein Spot on gegen diese Mistviecher auftragen.

Ich höre ein paar alte Folgen des Madame Moneypenny Podcasts. Und auch, wenn ich bestimmt einiges daraus mitnehme bin ich manchmal – nett gesagt – irritiert. Da fragt zum Beispiel ihre Interviewpartnerin, was sie jungen Paaren rät, die grad ein Kind bekommen und bei denen die Frau Zuhause bleibt. Naja, was vom gemeinsamen Einkommen für die Altersvorsorge für die Frau anlegen. (Soweit, so gut).

Ja, aber, wendet die Interviewpartnerin ein, was ist, wenn kein Geld da ist?

Das, so Natascha (die Person hinter Madame Moneypenny) sei ja bloß eine Frage der Prioritäten. Dann fahre man nicht zweimal im Jahr nach Thailand für den Urlaub, sondern an die Ostsee (ein Beispiel, was übrigens in fast jeder Folge irgendwo dran kommt). Äh ja. Danke für nichts.

img_0721Eigentlich wären wir gestern nach Holland gefahren, auf den Campingplatz nach De Lakens (falls ihr auf instagram seid, könnt ihr euch den Platz in meinen Instahighlights ansehen). Da unser Wohnwagen keine Toilette hat und auf den meisten Campingplätzen die sanitären Anlagen noch geschlossen sind, bleiben wir weiterhin Zuhause. Außerdem stell ich mir das etwas trostlos vor, wenn die Kinder nicht so ungezwungen wie sonst einfach mit den anderen Kindern spielen können.

ABER die Rachel vom Blog mamadenkt, die tollerweise auch meine Kollegin ist, hat sich neulich ein Stück Holland nach Hause geholt, nämlich in Form einer Poffertjespfanne. Da hab ich nicht lange überlegt und mir auch eine bestellt. Wenn du nicht nach Holland kannst, hole ein Stück Holland zu dir…

ABER: das beigefügte Rezept war scheußlich, die Poffertjes schmeckten einfach nach Mehlschlotze und waren nur mit viel Puderzucker und Schokocreme genießbar.

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Nach dem Frühstück machte ich eine kleine Runde zu unserer Bienenwiese. Hier das erste Bild von vor zwei Wochen, das zweite Bild von heute Morgen:

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Nach dem Frühstück wollen Mann und Kinder zu einem Ausflug aufbrechen.

Ich weiss nicht, ob wir eine chaotische Familie sind, aber bis Mann & Kinder wirklich los konnten mussten wir 1 Std nach Fahrradhelm von K2 und Fahrradschloss für K1 & nach tragbaren Schuhen für beide suchen. K2 hat dann Schuhe von K1 genommen, einen Fahrradhelm ausm Keller der mindestens eine Nummer zu klein ist und da das Fahrradschloss von K1 verschwunden blieb haben sie meins mitgenommen.
Aber dann hatte ich Ruhe. Und genoss das Wetter und die Stille.

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Ich hab viel Zeit in das Thema Zero Waste, bzw Less Waste investiert. Und da hab ich definitiv noch Luft nach oben. Aber inzwischen wundere ich mich nicht über den Plastikmüll, sondern den Biomüll. Wir haben zwar jetzt einen Kompost im Garten, aber der kann nicht so viel Lebensmittel aufnehmen. Das ist nahezu lächerlich, ein Kompost besteht hauptsächlich aus Gartenabfällen. Naja, jedes Mal, wenn beim Gemüseschnibbeln Reste bleiben (oder überhaupt in der Küche), recherchiere ich, was man damit machen könnte. Heute: Kohlrabiblätter.

Ich hab es mit einem Pesto probiert. Kohlrabiblätter, geröstete Sonnenblumenkerne, etwas Öl und ein paar Blätter Basilikum. Ich habs noch nicht probiert 🙂

Am frühen Abend kommen Mann und Kinder nach Hause, wir essen Abend. Die Kinder gucken eine Folge logo, der Mann fährt zur Arbeit und ich schaue im ZDF „Astrid“, ein Film über Astrid Lindgren. Ich hab schon ihre Kriegstagebücher gelesen, sie hat für den schwedischen Nachrichtendienst im zweiten Weltkrieg aus dem Deutschen übersetzt.

Zwischendurch höre ich etwas runterfallen. „Ist da etwa noch ein Kind?“ ruf ich. „Nein!“ antwortet der Fünfjährige. Dann ist ja gut.

Einen schönen Abend euch.

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#CoronaElternrechnenab -Von der Beförderung zur Kündigung

Liebes Kultusministerium NRW,

am 16.03.2020, ein Montag, wachte ich morgens mit einem komischen Gefühl auf. Erst dachte ich, es läge daran, dass mein Sohn Geburtstag hat. Seinen neunten. Aber nein, Geburtstage kannte ich, dieses Gefühl hier war neu. Irgendwann dämmerte es mir:

ICH WURDE BEFÖRDERT!

Stimmt. Ab da war ich Lehrerin und Beamtin auf Zeit. So muss es sein, denn die Mail der Grundschullehrerin meines Sohnes beinhaltete einen ordentlichen Anhang mit vielen vielen Aufgaben, schön auf Papier, zum Ausdrucken.

Jeden Tag drei Stunden sollen sich die Kinder mit dem Material beschäftigen, bei Fragen stünde man zur Verfügung, tschüss, bleibt gesund!

Bäm, Homeschooling. Das hab ich mir, ehrlich gesagt, anders vorgestellt. Mit Unschooling und Freilernen habe ich mich mal beschäftigt. Als Plan B, weil ich Angst vor der Schulzeit meiner Kinder hatte. Das Unschooling und Freilernen sieht aber komplett anders aus. In etwa so, wie das, was meine Kinder in ihrer Freizeit tun. Irgendwelche Physikershows, Mausvideos und wasweißich auf youtube gucken und dann Experimente nachstellen. Was ist was über Fliegen oder Augen gucken und dann fängt ein Kind hier an, aus Klopapierrollen Fliegenaugen zu basteln.

Das Bearbeiten von Arbeitsblättern mit Plus und Minusaufgaben war da nicht so präsent. Aber gut. wo war ich?

Drei Stunden täglich also. Macht 15 Stunden die Woche. Was verdiene ich da so als Lehrerin? Laut Übersichtstabelle* macht das 1768 brutto pro Monat. Nicht schlecht. Dazu rechne ich 15 Stunden als Erzieherin, denn parallel zum Homeschooling des Grundschülers habe ich ein Vorschulkind. Das macht 1381 brutto pro Monat. Wir Erwachsenen teilen uns die Aufgaben und somit auch das Geld. Gemeinsame Kasse und so.

Homeschooling und Homekita-ing kosten:

Drucker, Tintenpatrone, erhöhter Stromverbrauch – ich hab heut nen Großzügigen und rechne das irgendwo bei der Steuererklärung mit ab.

Macht für aktuell zwei Monate: 6298,00 Euro Brutto

Ich weiß, andere kommen auf beeindruckendere Zahlen, aber ich wäre mit dieser Summe schon ganz zufrieden – für 15 Wochenstunden kann man nicht meckern.

Die Rechnung, liebes Kultusministerium, folgt.

Worum es eigentlich geht:

„Aber das ist doch keine Arbeit!“ – Schließlich sind es die eigenen Kinder und die liebt man doch und überhaupt. Das kann man ja gar nicht in Geld beziffern! Vermutlich denken sowas Leute, die ihre Lohnarbeit als sehr schrecklich erleben und das damit verbundene Gehalt als Schmerzensgeld betrachten. Vielleicht.

Und ganz ehrlich, ich würde das alles auch umsonst tun. Also genau genommen mache ich das auch, das mit der Beförderung war wohl nur ein Traum.

Ich würde es sogar gerne umsonst tun, wenn

  • sich der Wert eines Menschen nicht an seiner Lohnarbeit bemessen würde. Ist aber so und finanzielle Unterstützung – gleich ob Elterngeld, Arbeitslosengeld, Krankengeld, Rente…you name it – bemisst sich immer am Gehalt. Das Gehalt gibt es nur für Lohnarbeit, nicht für Carearbeit. Finanzielle Absicherung wird mir nicht zuteil, weil ich mich um Kinder oder kranke Angehörige kümmer, sondern weil ich. mich um den Erfolg eines Unternehmens kümmere.
  • die Gesellschaft nicht dauernd betonen würde, dass sie Steuer- und Rentenzahler’innen braucht. Nun, zwei davon liefer ich. Aber bis die wirklcih mal zu Steuer- oder Rentenzahlern werden werde ich mit ihrer Versorgung allein gelassen.
  • der Staat mir nicht eine Schulpflicht aufgebrummt hätte, sich aber nicht darum kümmert, wie das von ihm bestellte Personal auch in dieser Zeit sinnvoll mit den Schüler_innen umgehen kann. Was hier grade passiert, hat mit Schule nichts zu tun.
  • diese Gesellschaft Familie und Kinder genau so wertschätzen würde wie Fußball, Spargel und Autos
  • man nicht der Lufthansa ein Rettungspaket schicken würde, sondern Arbeitgeber auffordern würde, allen Sorge-arbeitenden in ihrer Firma 10 Wochenstunden zu erlassen, und den finanziellen Ausgleich dafür zu übernimmt.
  • es ein Gesundheitssystem gäbe, das nicht wirtschaftlich, sondern sinnvoll funktionieren müsste.

Den Wert von Carearbeit in Euro zu beziffern ist nur ein Teil dessen, was nötig ist um die Bedürfnisse und die Arbeit von Carearbeitenden sichtbar zu machen. Um die Brücke zur Wirtschaft zu schlagen. Was fehlt, sind die Kosten die entstehen, wenn immer mehr Carearbeitende, meistens Mütter, der Wirtschaft nicht mehr zur Verfügung stehen, weil sie aufgrund dieser Arbeit ihre Lohnarbeit kündigen müssen. Weil sie ohne Kinderbetreuung dieser nicht mehr nachgehen können.

Was sich nicht niederschlägt ist die Erschöpfung, die viele schon jetzt spüren. Die nicht wieder aufgefangen wird. Und die sich auch nicht mit einer Mutter-Kind-Kur „behandeln“ lässt.

Was sich nicht niederschlägt, ist ein Familienbild, dass Ein-Eltern-Familien immer und immer wieder übersieht.

Aber das können andere Aktionen übernehmen. Corona ist noch nicht vorbei. Coronaeltern arbeiten, auch nachdem andere schon lange Feierabend haben.

Ein Familienministerium und ein Gesundheitsministerium, die am Muttertag mit einem billigen Social Media Post genau am Thema vorbei liegen, sind ein Armutszeugnis – für diese Gesellschaft.

P.S.: Liebes Kultusministerium, vielen Dank für die Beförderung, aber ich lehne ab!

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Auf diese Aktion aufmerksam gemacht hat mich Sonja von mama-notes, nachdem ich am Muttertag auf instagram meine Genervtheit kund getan habe. Zusammen mit Rona und Karin hat sie diese Aktion ins Leben gerufen. Unter #Coronaelternrechnenab findet ihr mehr auf twitter, facebook und instagram.

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Kein Corona Tagebuch

2019 hab ich gedacht: Ach, das sind die guten Jahre, so kann es bleiben. In meinem Entwurfsordner aus dem Jahr steht noch ein Post „Ode an mein langweiliges Leben“. Also, langweilig im besten Sinne. Mal keine Achterbahn, statt dessen ein bisschen Flow. Leben in der Komfortzone. Weil es ein Luxus ist, eine zu haben, in der man bleiben kann. Komfortzone verlassen – diesen Aufruf fand ich schon immer anmaßend. Verlassen kann man sie ja erst, wenn man einen hat. Und wo ich grad eine gefunden habe, würde ich da gern ein bisschen bleiben wollen.

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Ein Highlight kurz vor Corona: Wir fällen einen Baum

2020 dachte sich dann: HAHA. Im Januar begann mein persönlicher Ausnahmezustand. Im März kam Corona dazu. Seitdem hat sich bei allen viel geändert.

Bis zu Beginn dieser Woche waren wir alle vier jeden Tag von morgens bis abends zusammen. Uffz. Hätte man mir das vorher angedro…angekündigt, ich hätte gesagt, dass überstehen wir nicht.

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Irgendwo liegt immer eine unserer drei Katzen. Das ist schön und beruhigend

Wir haben es aber bisher ganz gut überstanden. Bisher. Und fest gestellt, wie gut es uns geht. Ein Haus mit Garten ist in dieser Situation die halbe Miete*. Und dann dieses Glück mit dem Wetter, auch wenn das Glück, klimawandeltechnisch, ja eher nicht so schön ist.

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Das Kind klagt über zu wenig ! Fernsehzeit und will sich neue Eltern suchen. Wir Bratkartoffeln leiden.

Ein Rhythmus hat sich eingependelt, fast jeder Tag sieht gleich aus. Ich werde als Erste wach, meist vor oder gegen sechs Uhr früh. Mit meiner Decke und einem Kaffee ziehe ich auf die Couch, die den Blick in den Garten bietet. Ich höre Podcasts, meistens was mit Finanzen oder Gesellschaftsthemen. Ein, zwei Stunden später kommt Kind2, kuschelt sich zu mir unter die Decke und wir plaudern ein bisschen.

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Während „Homeschooling“ bei Kind1 scheitert, hat sich Kind2 als Freilerner qualifiziert. Er bastelt sich Fliegenaugen aus Klopapierrollen

Am Wochenende backen wir beide dann morgens schon Kekse. Das ganze Haus riecht nach Lecker. Irgendwann lässt sich Kind1 blicken, beide setzten sich mit lustigen Taschenbüchern auf die Couch oder verschwinden noch mal auf ihre Zimmer um Lego zu spielen. Ehrlich gesagt: Oft wird schon gestritten, manchmal ist es aber auch schön.

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Nicht, dass der Rasensprenger einen nass macht.

Homeschooling ist bei uns das größte Streitthema. Ich hab mir vorgenommen, am Wochenende alle Lokal- und Bundespolitiker*innen anzuschreiben, die ich recherchieren kann. Ich werde nämlich streiken, so lange es für den Grundschüler kein durchdachtes „Fernlern“konzept gibt. Meine Meinung: Es ist verdammt nicht unsere Aufgabe, hier Unterricht zu machen. Zumal sich hier jemand nicht unterrichten lassen will und ich in dieser Zeit, wo wir nun einfach mal 24/7 aufeinander hocken, nicht den Familienfrieden wegen sowas aufgeben will.

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Wenn ich alt bin, will ich auch so renitent sein

Ich versuche es mit stundenweise Homeoffice, während die Kinder vorm Fernseher sitzen. So sieht es aus. Der Mann ist wieder an einigen Tagen außer Haus tätig. Am Nachmittag schick ich die Kinder raus. Ihre Energie entladen sie auf dem Trampolin oder beim Wasserplanschen. An anderen Tagen macht der Mann mit ihnen eine Fahrradtour.

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Ein Gepard

Neulich habe ich mit Erstaunen fest gestellt, dass hier keine Kleinkinder mehr wohnen. Mit neun und fast sechs Jahren sind es richtig große Kinder. Beide „feiern“ ihre aktuellen Geburtstage in dieser seltsamen Zeit. Dass sie „groß“ sind hat mich auch das Abendritual ändern lassen. Weil abends einfach der Akku bei uns Erwachsenen sowas von leer ist, schicken wir sie nach dem Abendessen auf ihre Zimmer, wo sie noch spielen können, wo wir ihnen Gute Nacht sagen, aber kein „Programm“ mehr bieten. Keine Gute Nacht Geschichte, Hörspiel müssen sie sich selber anmachen, ihre Schlafenszeit bestimmen sie selbst. Was aus purer Notwendigkeit (für die Seelenhygiene der Erwachsenen) eingeführt wurde, klappt erstaunlich gut. Toll, so große Kinder…

Ich wünsche euch Geduld und Kraft in dieser seltsamen Zeit. Ich hoffe, es geht euch gut?

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Zur Einweihungsparty letztes Jahr gab es ein Apfelbäumchen. So viel Schönheit und Hoffnung in einer so kleinen Pflanze.

* Ich werfe 1 Euro in die Schlechte-Wortwitze-Kasse

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