Wochenende

Samstag

Nach einer Woche Ferien schaffe ich es endlich mal, in die zweite Tiefschlafphase am Morgen zu gleiten und wache verdutzt um kurz vor acht auf. Die Kids haben im Wohnwagen vorm Haus geschlafen und sind noch nicht wach. Ich setze mich ins Wohnzimmer und genieße die paar Minuten Ruhe. Ich lese in dem Jugend-Krimi, den ich mir letzte Woche ausgeliehen habe. Sehr spannend geschrieben, dabei gar nicht dramatisch oder spektakulär. Aber liest sich fast in einem durch.

Jugendbücher mag ich immer noch sehr. Dieses ist sehr spannend

Am Vormittag fahre ich ins Einkaufscenter, weil ich ein paar Sachen für unsere Hochzeit kommende Woche brauche. Shoppen war noch nie ein Vergnügen für mich, um so schlimmer, wenn ich mit bestimmten Vorstellungen in diese Malls mit ihren 08 15 Ladenketten muss. An diesem Feriensamstag bin ich nicht die Einzige, die ans einkaufen denkt und es wird mir ganz schön warm bei den Menschenmassen.

Angezogen in Jeans, T-Shirt, mit den blauen Haaren und einer Maske duzt mich der Kassierer – vielleicht gehört es auch zur Geschäftspolitik, alle zu duzen. Aber als er „dann wünsch ich dir ein schönes Wochenende“ sagt und ich mit „Danke! Ich dir auch!“ antworte guckt er zu verdutzt, als dass ich an die Geschäftspolitik glaube.

Zuhause nähe ich die restlichen, kaputten Jeans der Kinder um, sodass sie nun wirklich ausreichend kurze Hosen haben. Der Mann muss arbeiten und die Kinder sind so quengelig, dass ich vermute, das Mittagessen wurde vergessen, als ich weg war und sie sind hangry. Ich mache das Chili vom Vortag warm, und nach dem Essen ist die Stimmung tatsächlich etwas ausgeglichener.

Die Kinder spielen noch mit den Nachbarskindern draußen auf dem Fußballplatz. Am Abend schauen sie mit mir die dritte Staffel Virgin River – keineswegs eine kindertaugliche Serie, aber ich hab keine Energie, sie ins Bett zu schicken und abgesehen von den vielen Fragen, die sie stellen, ist es für uns alle bequemer so.

Sonntag

Ich lese morgens den Krimi weiter, die Kinder spielen nach der Medienzeit draußen und die Katze kommt tatsächlich mit zwei klitzekleinen Nacktschnecken im Fell zu mir ins Bett. Ich mein, WTF, Nacktschnecken??? Ich mein Zecken hat sie auch dabei, die find ich grundsätzlich viel ekliger. In diesem Fall ist sogar auf der einen, toten Zecke (hab die Katzen neulich mit Antizecken-Spot On eingedeckt) eine kleine, sehr lebendig rumkrabbelnde…brrr…Hat mich auch niemand drauf vorbereitet, beim Leben mit Freigänger Katzen.

Bücher, die ICH für die Kinder ausleihe vs…
…Bücher, die die KINDER für sich ausleihen

Den Nachmittag verbringen wir mit Aufräumen und Hausputz, die Kinder sind abwechselnd draußen zum spielen und die andere Hälfte drinnen und „mir ist so laaangweilig“ rufend.

Jetzt hat die zweite Hälfte des EM-Finales begonnen, ein Kind ist dabei eingeschlafen und ich stricke noch ein paar Reihen an dem Schal für den Mann.

Habt eine schöne Woche und wenn ihr verreist: schöne Ferien!

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Königin of Boring Life Club

Die Nacht wird um halb vier jäh unterbrochen durch einen lautstarken Catfight auf der Straße. Ich mache die Tür auf und pfeife nach unseren Katzen, aber keine kommt. Vielleicht waren es ja andere Katzen aus der Nachbarschaft. Ich gehe durchs Haus zur Gartentür und probiere es da noch mal – eine Katze kommt sofort angerannt. Die zweite finde ich oben bei den Kindern im Zimmer. Die dritte bleibt verschollen (sie kommt zum Frühstück ziemlich gesund wirkend zurück).

Kind2 fragt jetzt schon, wie viele Tage Ferien schon rum sind

Um sechs wiederum klingelt irgendein Wecker – haben die Kinder vermutlich angestellt. Ferien können sooo schön sein. Kind2 ist davon wach geworden und kommt zu uns ins Bett.

Kurze Zeit später steht der Mann auf und muss zur Arbeit. Die Kinder schlafen bis acht weiter, ich schmiere ihnen Brötchen und bereite mein Mittagessen vor – Fenchelgemüse aus dem Ofen. Dann setze ich mich an den Schreibtisch. Noch ist Arbeit angesagt. Ich arbeite Mails und Anfragen ab und gebe Feedback zu einem Angebot.

Um 12 beginnen virtuelle Meetings und die Kinder haben Medienzeit.

Um drei ist Feierabend und ich mache uns was zu Essen. Mit Kind2 fahr ich ins Nachbardorf, ich hab bei Vinted Sandalen für die Kids erstattet und die werden an einen Paketshop geliefert.

Kurz danach ist der Mann zu Hause. Ich streiche die Wand im Flur, die voller Patschehände ist. Die Farbe ist ein sehr helles grün, ich zeig es, wenn die Farbe getrocknet ist.

Wand voller Kinderhändeabdrücke

Die Kinder spielen draußen und planen eine Übernachtung im Wohnwagen vor der Tür. Ferienfeelings! Ein Paket von Opa kommt an, der den Kids den Wunsch nach Fussball-Trikots erfüllt hat:

Finale von Lupin – Feierabend. Willkommen in meinem Boring Life Club – hier bin ich Königin.

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Ferienbeginn

Freitag

Freitag und somit der letzte Grundschultag für Kind1. Die Kinder frühstücken mit den Lehrerinnen in der Klasse. Um viertel vor zehn kommen wir Eltern zum „Rauswurf“ dazu: Die Kinder werden symbolisch mit einem Sprung übers Trampolin verabschiedet.

Rauswurf – sie landen weich, noch

Anschließend gibt es einen gemeinsamen Abschiedsgottesdienst, ein letztes Foto vor der Kirche und dann heißt es: Adieu, Grundschule! Also zumindest für das große Kind. Und für dieses Kind sind wir eher erleichtert, als wehmütig, dass diese Phase vorbei ist…

Es ist noch nicht ganz Mittag, ich fahre mit dem Fahrrad zur Physiotherapie, wo Mann und Kinder mich eine Stunde später treffen und wir den Ferienbeginn mit einem Eis feiern. Wir radeln nach Hause.

Am Nachmittag fahren wir alle ins Einkaufszentrum. Der Mann macht den Einkauf fürs Wochenende, ich begleite die Kids ins Kaufhaus, wo sie ihr Erspartes ausgeben: Elektrische Fahrzeuge. Ich kaufe noch ein paar Kleinigkeiten in der Kurzwarenabteilung und wir fahren zurück.

Wir sehen, dass die Nachbarn immer noch daran arbeiten, schweres Holz vom Vorgarten hinters Haus zu schleppen und nach dem Motto „viele Hände, schnelles Ende“ helfen wir mit. Als wir wieder in unserem Garten sitzen ist es schon abends. Eigentlich wollten wir noch ins Bergische zu einer Verabredung. Aber die Kinder wollen nur noch mit ihren neu erworbenen Spielsachen spielen und danach ihren Filmabend (unser Freitagsritual). „Hände hoch, Wochenende“ wie Kind2 immer sagt.

Popcorn in the making

Wir machen Popcorn und schauen uns auf Netflix „Der Wunschdrache“ an.

Samstag

Die normale Routine am Wochenende sieht vor, dass die Kinder ab neun Uhr fernseh gucken und zocken dürfen, bis wir ausgeschlafen bzw. fit für das Frühstück sind. Warum erst AB neun? Nun ja, bevor wir diese Zeitmarke gesetzt hatten, saß auch schon mal ein Kind um 5 Uhr morgens vor dem Fernseher, um – nachdem wir ihn ausgemacht haben – einen Mittagsschlaf zu machen. Also müssen sie bis 9 warten.

Jedenfalls setzen wir dieses Wochenende diese Routine außer Kraft. Wir beginnen den Morgen damit, die Kinderzimmer aufzuräumen. Anschließend gibt es Frühstück und die Kinder und ich fahren in die Bücherei, um für die Ferien ein bisschen Lesestoff zu sammeln.

Für mich gibt es auch was zu Lesen

Zurück zu Hause genießen die Kids ihre Fernsehzeit und ich lese auf der Gartencouch.

Nachmittags kommen Nachbarn zum Grillen vorbei, das Wetter hält sich grade so bis wir gegessen haben.

Abends schauen der Mann und ich weiter „Lupin“.

Sonntag

Heute haben wir eine Überraschung für die Kids geplant, auch wenn wir schon ein paar Hinweise an die Kinder weiter gegeben haben und sie eine Ahnung haben: ich habe am Freitag für uns alle Tickets fürs frisch eröffnete Schwimmbad gebucht. Der Mann und ich sind schon durchgeimpft, die Kinder wurden regelmäßig getestet, es gibt ein Zeitfenster, zu dem man erscheinen muss und begrenzte Besucher:innenzahl. Pünktlich zur gebuchten Zeit stehen wir also im Schwimmbad. „Testnachweis?“ „Äh nein, aber wir sind geimpft und die Kinder in der Schule…“ „Wir brauchen einen Nachweis, geimpft, getestet oder genesen“. Ups. Ich hab am Freitag noch einen digitalen Impfausweis für mich organisiert, aber der Mann hat seinen Impfausweis nicht dabei und die Testergebnisse aus der Schule haben wir nie mitgenommen.

Also „dürfen“ wir ins nächste Testzentrum fahren (15 Minuten), uns dort online anmelden, auf unsere gebuchten Termine warten, nach dem Test noch 20 Minuten warten – und somit wird unser Besuchsfenster hat sich um eine Stunde verkürzt. Ich ärger mich kurz über all das, aber letzten Endes ist es ja gut, dass sie drauf bestehen (nur die Informationen in die Buchungsmail zu packen wäre echt cool gewesen) und die Kinder freuen sich wie lange nicht mehr.

Zu Hause werkeln wir ein wenig im Haushalt, ich hole die Nähmaschine raus und schnappe mir das Dutzend zerschlissener Jeanshosen der Kinder, aus denen ich kurze Sommerhosen mache. Einfach Beine abschneiden, umnähen, fertig. Fünf Stück schaff ich, der Rest kommt nächste Woche dran.

Aus lang mach kurz.

Der Mann macht Pizza und beim Essen schauen wir zwei Sendungen mit der Maus. Danach gehen die Kinder fast ohne Murren ins Bett.

Wie war euer Wochenende so?

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Fast Ferien

Mittwoch

Nachdem die Kinder aus dem Haus sind, versuche ich mal dieses Ausruhen, denn eigentlich bin ich seit letzter Woche krankgeschrieben (kein Krebs ^^). Ich schaue also youtube, erst Handwerksvideos (es soll ein Klappbett für Kind1 her und ein Ik*a-Hack-Bett für Kind2), dann suche ich in Richtung „putzen mit System ohne viel Aufwand“, weil trotz zweier Personen hier im Haushalt, die sich Mühe geben, mir ein System fehlt, um am Ball zu bleiben. Bisher wird groß geputzt, wenn Besuch kommt; gesaugt und gewischt wenn es dreckig ist und alle paar Wochen krieg ich einen Aufräum-/Ausmistfimmel, den ich hochmotiviert starte, nach zwei Stunden irgendwo in der Garage beende, nachdem ich Babykleidung aus dem Flohmarktstapel in den „reparieren“ Stapel kippe, die zerbrochenen Blumentöpfe in die Mülltonne kippe und beim reinkommen in die Wohnung denke: Moment, eigentlich wollte ich doch…

Morgens im Garten

Tatsächlich finde ich dieses Video in dem das FlyLady Prinzip vorgestellt wurde. Kanntet ihr das alle schon? Klang für mich alles gleich gut nachvollziehbar, vor allem die Babyschritte und das Thema Routinen. Mein Hirn will Strukturen für solch langweiligen Aufgaben, in kleinen Häppchen. (Mein Hirn hasst gleichzeitig Routinen. Ach ich weiß doch auch nicht). Jedenfalls bin ich gleich nach dem Video aufgestanden und hab die Küchenspüle aufgeräumt (Fly Lady ist auch unter „die magische Küchenspüle“ bekannt) und anschließend gleich den Rest der Küche. Wenn ich das nächste Mal zum Ausruhen komme, erstelle ich mir aus den Prinzipien der FlyLady abgeleitet einen Putzplan.

Tadaaa – aufgeräumt

Ich setze mich noch ans Keyboard. Das war eines dieser „Corona-Projekte“, nachdem Kind1 ja Unterricht hat, habe ich mir eine App mit Abo runtergeladen. Da ich jahrelang Flöte gespielt hab, kann ich Notenlesen und wollte es auf diesem Wege ausprobieren, ein neues Instrument auszuprobieren. Am Keyboard/Klavier muss man ja auch keine Seiten stimmen oder darauf achten, den Ton zu treffen. Simple Piano ist dafür eine super App (selbstbezahlt/unbeauftragt, blabla), man hat schnelle Lernerfolge, dank Begleitrhythmus klingt es schnell nach „richtiger“ Musik und die Songs sind aktuell, bzw. bei Klassik zumindest bekannt.

Die Kids sind Zuhause, spielen draußen mit den Nachbarskindern, ich plauder mit den anderen Nachbarsmüttern, abends gibt es Kartoffeln mit Quark und ziemlich rumhampelnde Kinder.

Donnerstag

Die Nacht war ziemlich kurz, darum will ich mich, nachdem die Kids aus dem Haus sind, noch mal hinlegen. Liegen klappt gut, aber noch mal einschlafen leider nicht. Das tagsüber schlafen hab ich komplett verlernt, keine Ahnung, wieso.

Ich mache statt dessen etwas Sport (auch per App, erzähl ich ein andern Mal). Anschließend hol ich das erste Mal seit Jahren die Nähmaschine raus. Mein großes Projekt sind neue Vorhänge für den Wohnwagen, die aus einem alten Bettbezug nähen will. Aber da ich das letzte Mal – und da auch nicht besonders gut – im Textilunterricht in der Schule mit einer Nähmaschine gearbeitet habe, probiere ich es erst mal mit kleineren Dingen: aus einem alten Trockentuch wird ein Spüllappen und an einem T-Shirt ist die Naht an der Schulter aufgegangen, die will ich auch zunähen. Das Einfädeln der Garne klappt sogar noch aus der Erinnerung, für den Rest muss ich mal in die Bedienungsanleitung gucken und bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden.

Eine Aldi-Singer
Mit Stichweite und -länge spielen

Beim nächsten Mal geht es mit den Vorhängen weiter.

Am Nachmittag fahren wir mit den Kids zur alten Grundschule von Kind1, dort wird heute auch Abschluss gefeiert und wir haben die Lehrerin gefragt, ob wir auch dazu kommen dürfen. Wir dürfen und so plaudern wir mit alten Bekannten und die Kids toben eine Runde über den Schulhof. Auch wenn wir nicht allzu lange bleiben – Kind1 kann somit mit seiner Grundschulzeit abschließen, morgen der letzte Schultag in der aktuellen Grundschule und dann ist diese Zeit auch vorbei. Ich wünsche mir für ihn, dass er in der weiterführenden ebenso schnell Anschluss findet, wie in der alten Grundschule.

Der alte Baum auf dem Schulhof: wie viele Kinder hat er schon spielen gesehen? Und wie viele Generationen?

Auf einer Skala von eins bis zehn: wie ferienreif seid ihr?

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Back to whatever

Montag

Der letzte Artikel ist ewig her und hatte natürlich ein Thema mit, äh…Gewicht. Nun versuche ich mal wieder zum Alltag zurückzukehren, jedenfalls hier.

Montag Morgen, letzte Schulwoche. Die Kinder sind vorfreudig (auf die Ferien, nicht den Schultag) und relativ gut drauf. Wie an vielen Morgenden beginnen wir den Tag gut in der Zeit liegend um dann kurz vor Schluss (=Kinder müssen los) in Hektik zu geraten. Keine kurze Hose mehr im Schrank, ohne Mundschutz los, das übliche Chaos.

Der Mann fährt mich zu Krankengymnastik & Lymphdrainage, das gehört seit Anfang des Jahres zu meinem Alltag. Zwei mal die Woche.

Anschließend bringe ich den Mann zur Firma, damit er von dort mit dem Firmenwagen weiter kann. Er ist über Nacht beruflich unterwegs und so habe ich das Auto, mit dem Kind1 am Dienstag in die Musikschule muss.

Zu Hause mach ich mir noch was zu essen und dann kommt auch schon das erste Kind nach Hause. Es möchte zum Spiele-Bus auf dem Dorfplatz und zieht los.

Ich hole Kind2 ab, der gern länger in der Nachmittagsbetreuung bleibt. Die alte Katze begleitet mich wieder, sie mag es nicht, allein Zuhause zu sein. Auf dem Weg zur Schule verplaudere ich mich bei einer Nachbarin, so dass Kind2 mir schon entgegen kommt. Eigentlich möchte er nur abgeholt werden, damit ich seinen Tornister trage, aber gut.

Kind2 will nicht zum Spiele-Bus, sondern Fernsehen. Dino Dana ist hoch im Kurs (eigentlich würden die Kids nur youtube gucken – Leuten beim Gamen zuschauen. Dürfen sie, aber nur am Wochenende).

Nach einer Stunde macht Kind2 den Fernseher aus (haha, nein natürlich nicht freiwillig), Kind1 ist auch wieder da und ich frage, ob wir zusammen Inlineskaten wollen. Meine Kinder können Langeweile nicht gut aushalten und meistens ist es für mich anstrengender, wenn ich denke, sie müssen auch mal Langeweile aushalten lernen, als wenn ich mir was überlege. Dann wird es nämlich meist so wie heute:

Kind2 hat gerade die Inliner angezogen und mich eine Runde um den Wendehammer gejagt, als der beste Freund von Kind1 vorbei kommt. Zu dritt spielen sie Fußball und ich hab – Ruhe. Wetten, wenn ich gesagt hätte „Langeweile ist nicht schlimm, da entstehen die tollsten Dinge“ hätte ich mich den ganzen Tag „Mama!n“ lassen müssen?

Später kommt auch noch ein Kumpel von Kind2 vorbei. Ich falte den Wäscheberg zusammen, mache Nudeln zum Abendessen (mit Pesto für Kind1, Ketchup für Kind2) und nach dem Essen hören sie noch „Eragon“ als Gute-Nacht-Geschichte (ich finds eigentlich zu brutal für die Kinder in dem Alter, aber was soll ich sagen – meine Kinder haben eigene Definitionen von brutal. Äh, also nicht, dass sie total abgestumpft wären. Aber ihnen machen andere Dinge Angst als Gewalt in Hörbüchern oder Filmen.)

Dienstag

Den Morgen bestreite ich alleine mit den Kindern. Ich wecke sie recht früh und wir hören eine Folge „Kakadu“ Podcast vom Deutschlandfunk. Die Folgen behandeln so wichtige Kinderfragen wie „Pupsen Kühe durch die Hörner?“, „Sind Kinder mit Brille schlauer?“ oder „Schadet Baden den Tieren?“. Dabei frühstücken sie Brote und nach dem üblichen „ich find keine kurze Hose mehr“ und „Finn muss aber nie Zähne putzen!“ schaffen es die Kids pünktlich vor die Tür.

Der Mann kommt nach Hause, als ich grade los will um Kind1 von der Schule abzuholen und zur Musikschule zu fahren. Während Kind1 linke und rechte Hand koordiniert schwitze ich im Auto.

Wieder Zuhause übernimmt der Mann das Auto und Kind1, schnappt Kind2 aus der Nachmittagsbetreuung und fährt einkaufen. Und ich – sitze einfach im Garten. Passiert um diese Uhrzeit eher selten.

Der Mann backt Muffins, ich nehme mir das Beet im Garten vor und befreie es vom weißen Senf. Nach unserem Einzug hier vor zwei Jahren habe ich eine Saatmischung für Bienen darauf verteilt, aber schon letztes Jahr hat sich nur der weiße Senf durchgesetzt. Der wird schnell riesig groß und nimmt damit allen anderen Platz und Licht. Außerdem ist er bei den letzten Regengüssen einfach umgeknickt und jetzt sieht es, auf gut Deutsch, einfach sch**e aus. Also fott damit. Jetzt bekommen auch die Bohnen und Tomaten wieder Sonne.

Zum Abendbrot gibt es gebratene Nudeln (Reste von gestern) für Mann und Kids, ich hab noch einen Rest Käse-Kohl-Suppe (ja genau, wie Käse-Lauch-Suppe, nur mit Kohl statt Lauch). Dabei schauen wir das Fussballspiel Deutschland gg. England. Fussball gucken mit Kindern ist schon…speziell. „Wie lange können die rennen, ohne zu trinken? Warum hat der Torwart eine andere Farbe? Und der Schiedsrichter? Warum haben die die Nummern, die sie haben?“ Ich hab keine Ahnung! Ich schaue ja nur für die Kinder! Ich bin schon stolz, dass ich nicht mehr Olli Kahn im Tor erwarte sondern den Namen Neuer schon mal gehört habe.

Die Kinder sind natürlich enttäuscht, dass „ihre“ Mannschaft verliert, zumal Kind2 grade in den Fußballverein wollte. Ich bin mal gespannt, ob sie das in der Schule mit ihren Kumpels diskutieren oder schon wieder vergessen haben.

So weit, so langweilig. Bis demnächst!

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Der Knoten

Disclaimer: Die beschriebenen Geschehnisse sind ein Jahr her. Januar 2020. Das letzte Jahr verging rasend schnell und zog sich ewig lang und ich bin immer noch da, bin immer noch ich, bin immer noch viel mehr als „Der Knoten“ und das, was damit zusammen hängt.

Ich wache morgens auf und plötzlich ist er da. Na ja, das ist dichterische Freiheit. Vermutlich war er vorher schon da, aber an diesem Morgen spüre ich ihn. Davor nicht und danach auch nur, wenn ich bewusst auf die Stelle drücke. Ein Knoten in meiner Brust, im Gewebe unter der Achselhöhle. Die Haut juckt und spannt, wie bei einem Mückenstich. Nein, ein bisschen anders – wie ein abschwellender Bienenstich vielleicht. 

Auch das macht die Haut danach nicht mehr und davor auch nicht. Warum ausgerechnet an diesem Tag weiß ich nicht. 

Weil es sich so plötzlich anfühlt, denke ich nicht an Krebs, denke nicht an einen Tumor in meiner Brust. Ich denke: Ein angeschwollener Lymphknoten? In der Achselhöhle? 

Wenn ich erkältet bin, habe ich manchmal geschwollene Lymphknoten am Hals. Ich gebe also in die Suchmaschine ein: “geschwollener Lymphknoten in der Achselhöhle”. Ich finde: “Entzündung nach Rasur der Achselhaare” oder “geschwollen nach Katzenbiss”. 

Ich bin kurz beruhigt, schließlich rasiere ich mich regelmäßig unter den Armen und habe Katzen, auch kleine, die ab und zu im Spiel beißen. Aber die Stelle mit dem Knoten passt nicht ganz in den Definitionsbereich von “Achselhöhle”. Es ist etwas weiter unten, da wo Menschen mit großen Brüsten manchmal beherzt zugreifen, um alles in den BH zu stopfen, was sonst seitlich herausgucken würde. 

Ich denke: Geh ich heute zum Arzt? Lasse ich mich auslachen für einen entzündeten Mitesser oder für Rasurbrand? Bei meinem alten Gynäkologen war ich zuletzt vor vielleicht drei, vier Jahren und die Ärztin, bei der ich danach war, fand ich zum Kotzen. Such ich mir jetzt noch wen ganz Neues, hier, am neuen Wohnort?

Ich rufe in der Praxisgemeinschaft meines alten Arztes an. Ich könne zur Notfallsprechstunde am Mittag kommen, “mein” Arzt sei aber nicht im Hause. Mir doch egal. Nerviger ist, dass ich über eine Stunde Bus fahren und mich für heute krankmelden muss. 

Ich gehe trotzdem. Sicher ist sicher. Entzündung nach dem Rasieren. Wäre etwas peinlich aber na ja. 

In der Notfallsprechstunde muss man lange warten. Wie immer im Wartezimmer beim Gynäkologen frage ich mich, welche Geschichten die andern Wartenden erzählen würden. Gedankensprechblasen über jedem Gesicht. “Juhu, ich bin schwanger”, “Oh Gott, ich bin schwanger”, “Mist, schon wieder ein Scheidenpilz”. 

Ich werde ins Untersuchungszimmer gerufen. “Was kann ich für Sie tun?”

Mir sagen, dass da nichts ist. Dass ich mich beim Rasieren verletzt habe und eine kleine Entzündung im Körper habe, die aber mit ein bisschen Teetrinken oder zur Not auch Antibiotika verheilt.

“Ich habe heute Morgen einen Knoten in meiner Brust getastet. Das möchte ich abklären lassen”. 

Er nickt. 

Er sagt: “Bevor ich irgendwas untersuche möchte ich sagen: Sie sind 39, auch wenn ich da nichts Besorgniserregendes entdecken werde, würde ich sie mal zu einer Mammographie schicken. Ok, dann wollen wir mal sehen”

Er tastet meine Brüste ab. Erst die rechte, dann die linke. Er findet den Knoten sofort. “Ok, dann machen wir mal einen Ultraschall.” Er sagt, man sieht was. Er sagt, ihm gefällt nicht, was er sieht. Ich bekomme eine Überweisung zur Mammographie, in der Praxis im selben Haus. Er sagt: “Der Doktor ist etwas speziell und sehr direkt, aber er macht gute Arbeit.” Ich denke, das ist ok, lieber direkt raus mit der Sprache, ist mir nur recht. Er sagt, “nach der Mammographie kommen Sie bitte noch mal rein. Haben Sie noch Fragen?”

Ich habe Fragen, aber keine, die er mir jetzt beantworten kann.

Ich gehe ein paar Etagen hoch zur Anmeldung bei der Radiologie. Als die medizinische Fachangestellte auf die Überweisung schaut, guckt sie ernst. “Wir machen grade leider Mittagspause, aber kommen Sie gern direkt danach wieder rein.”

Kein gutes Zeichen.

Ich gehe in ein Café. Esse eine Kleinigkeit. Versuche nichts zu denken. Spiele auf dem Handy rum. Sudoku. Gehe zurück zur Radiologie, gebe meinen Anmeldezettel ab, warte. Werde aufgerufen.

Es ist nicht meine erste Mammografie, sonst wär ich jetzt wohl überfordert. Meine Brust wird zusammengepresst wie ein Veggie-Patty bei Subways und zwischen zwei Glasscheiben gequetscht. Das Gerät steht wie eine Säule vor mir, ich soll mein Gesicht daran drücken. Bequem und schön ist was anderes. Ich darf mich wieder anziehen – und warten.

Ich lese eine Bunte. Vielleicht auch eine Gala. Ich denke “Gott, wer schreibt so ein Zeug”, ich denke “Gott, ich lese so ein Zeug”. Ich tauche ein in die Probleme der Promis, auch wenn das Promis sind, die ich nicht kenne, ich fühle mich alt. 

Man ruft mich auf. 

Das Zimmer, das ich jetzt betrete, sieht nicht aus, wie ein Arztzimmer und der Mensch, der da sitzt, sieht nicht aus wie ein Arzt. Sind Radiologen überhaupt Ärzte? Das Zimmer sieht aus, als hätte Andy Warhol die Zeitschriftensammlung seiner Mutter gehortet, irgendwo in diesem Chaos sitzt ein Mann und redet in ein Diktiergerät.

Ich setze mich auf einen Stuhl. Er sitzt mit Blick auf den Bildschirm und die Wand, ich mit Blick auf seinen Rücken. Er sieht aus wie Catweasel auf einer 80er Jahre Party. Pinke Lackhose und gelbe Steppweste, kein Shirt darunter. Ich denke “interessant”. Neben ihm sitzt jemand und liest Zeitung, die medizinische Fachangestellte bleibt in der Tür stehen. Der Mann, also der Radiologe, wie ich vermute, beendet sein Diktat, zeigt auf das Bild an seinem Monitor und sagt, während er sich zu mir umdreht: “das Ding muss raus”. Ich nicke. Er sagt noch mehr, nämlich dass natürlich die weiterbehandelnden Ärzte sagen werden, was zu tun ist, aber er sei sich da ziemlich sicher, dass das raus muss und da will er ganz offen sein. 

“Gab es Brustkrebs in ihrer Familie?” 

Ich sage “Ja”. Er sagt “Pechvogel”. 

Ich denke “Mit ‘speziell’ hat mein Arzt den Radiologen aber nett umschrieben”. 

Ich gehe mit einer CD in der Hand, auf der sich die Bilder meiner nackten Brust befinden, aus dem Raum und wieder runter zu meinem Gynäkologen. 

Er überweist mich zu einem Brustzentrum. “Brustzentrum” klingt vermutlich netter als Brustkrebszentrum. Da wird dann eine Biopsie von dem Knoten gemacht. Der Termin ist in einer Woche. Ich denke “Wow, eine Woche warten”. 

Ich frage “Ja und dann? Was passiert dann, wie geht es weiter? Werd ich operiert, muss ich was planen, ich hab Arbeit, ich hab Kinder?” 

Er verweist darauf, dass das von so vielen Dingen abhängt, dass man die Biopsie abwarten muss. Aber er sagt auch: “Damit werden sie wohl bis Mai beschäftigt sein, mindestens.” Es ist Mitte Januar.

Ich telefoniere mit dem Mann. Ich fahre mit der U-Bahn und dem Bus nach Hause und sehe Menschen, sehe ihre Gesichter. Ich denke: Ich sehe ganz normal aus, die sehen ganz normal aus. Wenn man mir nicht ansieht, was heute passiert ist, was ist den anderen heute passiert oder gestern oder irgendwann in ihrem Leben? 

Wovon ihre Gesichter nichts erzählen, die müde aussehen und den Blicken der anderen ausweichen. 

Ich denke nicht: “Scheiße, warum trifft es mich?” 

Ich denke: “Immerhin 12 krebsfreie Jahre mehr, als meine Mutter hatte”. 

Ich denke: “Mist, wo ich mich grade intern auf diese Stelle beworben hab”. 

Ich denke: “Jetzt brauche ich ja gar nicht mehr Diäten, vielleicht kommt das mit der Chemo von ganz alleine”. 

Ich denke: “Kann ich darüber bloggen oder versau ich mir da die Suchmaschineneinträge mit? Bekomme nie wieder woanders einen Job?” 

Ich denke nicht: “Wie sag ich es meinen Kindern?”

Ich denke: “Damit ist die Familienplanung wohl endgültig abgeschlossen. Wie praktisch für den Mann, der wollte eh kein drittes Kind mehr.” 

Ich denke: “Ich hab meine Brüste eh nie wirklich gemocht, vielleicht ist das ihre Rache. Oh, oder es ist die Quittung für das Nicht-stillen. Stillen senkt doch das Krebsrisiko, tja, haste nun davon.”

Ich denke: “Ich wollte doch eh die Heilpraktker-Ausbildungen (Medizin und Psychologie, wenn schon, denn schon) machen, dann hab ich ja jetzt meine Zielgruppe – andere Brustkrebsmenschen.”

Ich denke nicht: “Ich werde sterben.”

Ich denke: “Also ja klar werde ich sterben, aber eher nicht an Brustkrebs. Aber vielleicht bewilligt mir die Krankenkasse bis dahin eine Haushaltshilfe?”

Ich denke: “Das kann ich so nicht schreiben, die Leute denken doch, mein Glas sei nicht halb voll, sie denken, das Schnapsglas ist bei der Alten komplett übergelaufen.”

Ich denke: Denke ich das wirklich oder denk ich mir das gerade aus?

Ich stehe an der Bushaltestelle, die Kopfhörer in meinen Ohren. Aber wie so oft, hält das die Menschen nicht davon ab, mich irgendwas zu fragen, mir irgendwas zu erzählen. Vermutlich hab ich ein Sozialpädagoginnen-Gesicht. Eine ältere Frau fragt mich, ob der Bus schon abgefahren sei. Ich jongliere ein paar Wortwitze in meinem Kopf aber antworte brav, dass der eine Bus vor fünf Minuten abgefahren ist und der nächste erst in 25 Minuten kommt. Sie erzählt mir, dass sie den ganzen Tag bei diversen Ärzten war und ich glaube, sie würde mir auch gerne mehr erzählen. Alta, ich hab Brustkrebs und werde trotzdem nicht in Ruhe gelassen. Andererseits: Brustkrebs ist schlimm. Aber krank und alt und allein sein ist vermutlich schlimmer. 

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Das Gegenteil von Ohnmacht…

…ist Macht? Für mich ist das Gegenteil von Ohnmacht machen. Machen erzeugt – bei mir – das Gefühl von Selbstwirksamkeit und auch, ich weiß kein besseres Wort, von Kontrolle? Jedenfalls merke ich den Teufelskreis von Pandemieauswirkungen auf mein Nervenkostüm (konkret mit all dem Homeschooling und den Quarantäneanordnungen), Herbstblues und den sonstigen „Nebenwirkungen“ des letzten Jahres.

Ich sortiere also mal wieder meine Werte und überprüfe, ob ich auch wirklich so lebe, wie ich leben will und an welchen Schrauben ich drehen kann, um dieses diffuse Gefühl, dass zwischen Soll und Ist zu große Distanz herrscht, zu überwinden. Zugegebenermaßen ist ein Großteil aufgrund der oben genannten Gründe nicht wirklich zu verändern. Aber ein bisschen geht immer:

Im Sinne der Nachhaltigkeit hab ich am Freitag den alten Fahrradanhänger aus der Garage geholt, meine alten Tupperdosen und Marmeladengläser rein gepackt und bin den Weg zum Unverpacktladen (16km eine Strecke) geradelt. Der Mann hat mich begleitet und so hatten wir einen wundervollen Vormittag, bei bestem Wetter und haben was für Fitness und Nachhaltigkeit getan. Und Paarzeit hatten wir auch ^^.

Fahrradanhänger
Erst mal Reifen aufpumpen

Nein, ich bin nicht so naiv zu denken, dass ich damit die Welt rette. Vom Welt retten bin ich inzwischen weit entfernt (als „Ziel“). Aber ich glaube immer noch daran, dass alle ihren Anteil beitragen können. Welcher das ist muss jede:r selber wissen. Aber mir brachte der Freitag Vormittag das Gefühl zurück, einen Unterschied zu machen.

All die kleinen, weißen Punkte sind Schwäne. So viele hab ich noch nie auf einmal gesehen

Das Wochenende gestaltete sich ähnlich unspektakulär aber mit einer Menge Upcycling und DIY. Wir haben Winterreifen aufs Auto gemacht (ich hab zum zweiten Mal unter Anleitung mitgemacht, es ist wirklich keine Raketenwissenschaft, was ihr vielleicht schon wisst. Aber ich gestehe, für meine feministische Haltung bin ich bei „solchen Dingen“ sonst eher unbedarft gewesen und finde es auch hier sehr befriedigend, mir das entsprechende Wissen anzueignen).

Dann hab ich noch drei alte Hussen von den Stühlen, die wir geschenkt bekommen haben, gefärbt. Die Hussen waren weiß und nach einem Jahr in diesem Haushalt komplett fleckig. Ich hab sie in gelb-orange gefärbt und hole sie in dieser Farbe gleich aus der Waschmaschine. Das Foto mit dem Endergebnis folgt noch. 12 Euro für „neue“ Hussen. Ja, bei Kleinanzeigen gibt es manchmal ganze Stühle zu verschenken, aber keine Hussen (die dann ja auch noch passen müssen. Und quer durchs Land muss man sie sich auch nicht schicken lassen).

Muss wahrscheinlich Werbung dran stehen, weil Marke erkennbar. Unbeauftragt & selbstgekauft schreib ich dann auch dazu

Um zum Anfang des Textes zurück zu kommen: Viele „kleine“ Dinge erledigt zu haben, nachhaltige Lösungen für alltägliche Probleme zu finden und Zeit mit der Familie zu haben, lassen mich mit der Woche ein bisschen glücklicher und zufriedener abschließen.

Rosmarin aus dem Garten trocknen, für selbstgemachte Geschenke

Wie war euer Wochenende?

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Eingeordnet unter Nachhaltiges Familienleben, Philosophie am Wickeltisch

Mittwoch

Hallo zurück nach kleiner Pause. Wenn man mit dem Schreiben einmal aus dem Tritt ist fällt es schwer, wieder einzusteigen.

Wir haben zweimal Quarantäne hinter uns, beziehungsweise unsere Kinder. Kind1 schon vor den Herbstferien, direkt nach den Herbstferien dann gleich beide Kinder. Beides Mal gab es keine Sorge, dass die Kids erkrankt sein könnten, aber puh, das waren zwei mal zwei Wochen Homeschooling again. Auch ohne Homeoffice bei zwei Grundschülern ein Vollzeitjob.

Am Samstag haben wir das Ende der Quarantäne mit einem letzten Grillen und Stockbrot überm Lagerfeuer gefeiert. Ein Hoch auf HausundGarten.

Sonntag haben wir ein paar Bäume gepflanzt. Der beste Freund hat uns ein kleines Wildhecken-Paket geschenkt. Klein ist dabei relativ. Im Paket waren Sanddorn, Haselnus, Wildapfel, Felsenbirne und Quitte, Schlehe und noch ein, zwei, die ich vergessen habe. Die brauchten nun einen festen Standort und ich bin so gespannt, was in den nächsten Jahren daraus wächst.

Ich hatte ja mal die Vision eines essbaren Vorgartens, bei dem vorbeischlendernde Nachbar:innen sich hier und da was pflücken können. Die Haselnuss ist also im Vorgarten gelandet und ich plane, noch ein bis zwei Hochbeete, anstelle einer Hecke dorthin zu setzen und dann etwas Pflücksalat, Erdbeeren und co zu pflanzen.

Für weitere Schritte in Sachen Share Economy, gelebter Nachbarschaft und Co habe ich uns bei Pumpipumpe registriert. Eine quasi digitale-öffentliche Tauschbörse. Man kann dort angeben, was man bereit ist zu verleihen (warum sollten im Vorort alle einen eigenen Rasenmäher besitzen, wenn man ihn nur alle paar Wochen benötigt? Oder die Heckenschere?) und natürlich suchen, was man selber mal leihen mag (von Zelt und Raclette über Brettspiele und Bücher zu Auto). Das System ist noch ausbaufähig, aber die Idee finde ich grandios.

Am Montag waren dann beide Kids wieder in der Schule. Vor Überforderung mit so viel Ruhe habe ich erst mal eine Stunde aus dem Fenster geguckt.

In meinen Mittagspausen habe ich Klavier geübt. Kind1 hat ja seit dem Sommer Unterricht und ich habe mir dann mal aus Spaß ein paar Apps angeguckt zum „Selberlernen“. Dabei bin ich auf „Simple Piano“ gestoßen (Achtung: Abo) und war total begeistert. Mit dem Tablet lernt man in kleinen überschaubaren Dosen doch recht schnell die ersten Melodien oder Begleitakkorde. Ok, ich hab schon ein Instrument gespielt und kann Noten, aber das Tempo der Fortschritte war schon enorm. Und auch die Kids sind Feuer und Flamme, auch Kind2 hat angefangen und mit seinen sechs Jahren schnell Erfolgserlebnisse gehabt. Ich kann die App nur empfehlen! Ersetzt natürlich keinen Klavierunterricht, aber für mich reicht es allemal.

Was ich noch geschrieben habe:

Und:

Ich wünsch euch quarantänefreie Tage! Bleibt gesund.

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MentalLoad und Corona im Dorf

Montag

Der Montag fängt wie so ein Montag an, mit Kindern, die lieber noch schlafen würden, Wo sind meine Hosen, Iss endlich auf du musst zur Schule und Setz deinen Fahrradhelm auf und vergiss deine Maske nicht.

Endlich sind alle vor der Tür. Ich mache Homeoffice und in der Mittagspause etwas, was ich schon länger in meinen Alltag integrieren wollte: Ich spiele Flöte. Einen Irish Reel, kennt ihr, wenn ihr mal The Corrs gehört oder in Irish Pubs gesessen habt: Drowsie Maggie. Sonst gebt den Titel bei Youtube ein. You’re Welcome. Meine Finger sind sehr langsam, aber man hört, worauf es hinaus soll.

Am Nachmittag kommen die Kinder nach Hause. Kind2 hat in der Schule seinen Milchschneidezahn verloren und ist ganz happy. Und wir erst, jetzt grinst er, wie ein echter Erstklässler!

Wir sitzen am Tisch, ich male, mit Aquarellstiften in meinem neuen Aquarellpapierbuch. Ich ‚kann‘ gar nicht malen, aber ich hab Freude daran. Erst mal testen, wie Farbe und Papier funktionieren, wie schnell es trocknet, wie gut sich die Farbe vermischen lässt. Die Kinder hören während dessen Hörbuch.

Am Nachmittag plaudere ich kurz mit der Nachbarin von Gegenüber. Anscheinend ist Corona jetzt auch in großem Umfang in unserem Dorf angekommen, nach einer Hochzeit im Nachbarort sind mehrere Personen in Quarantäne. Abends berichtet man auch im Radio davon. Spooky, sehr spooky. Und nur eine Frage der Zeit, bis die Grundschule hier zu hat.

Am späten Nachmittag stehen plötzlich Kinder vor der Tür und wollen unsere zum Spielen abholen. Nachdem in den Ferien kaum jemand auf der Straße war, kommt jetzt das, was ich mir mit dem Umzug in den Vorort erhofft habe: Kinder, die sich spontan treffen…

Dienstag

Ich spiele Mama-Taxi. Gegen Mittag kommt Kind1 nach Hause und ich fahre ihn zur Musikschule. Bisher haben die Kinder keine klassischen Hobbys gehabt, ich fand, die langen Kita- und Schultage reichen und sie haben auch keine speziellen Wünsche geäußert. Als sie kleiner waren, gab es mal Kinder-Turnen und für Kind1 eine zeitlang Bouldern. Aber kein Kind sagte „Ich will xy machen“. Aber seit eben einem knappen Jahr möchte Kind1 Keyboard lernen.

Er hat heute also seine zweite Klavierstunde (Keyboard kann er ja darauf aufbauen). Bei der ersten war ich noch mit dabei, ich mag ja auch gucken, wie die Lehrerin so ist. Ich fand sie super, das Kind soll immer zwei Töne spielen, sie spielt darüber eine Melodie – zack, Erfolgserlebnis fürs Kind. Ich selber musste auf der Querflöte damals die erste Woche nur ins Kopfteil pusten und das war schon irgendwie öde, wenn man vorher mal so richtige Flötist:innen gehört hat.

Anschließend haben wir einen Augenarzttermin. Kind1 trägt eine Brille und klagt trotzdem manchmal über Kopfschmerzen in der Schule. Bei der Anmeldung stelle ich fest: Ups, Versichertenkarte vergessen! Ich muss an all die Diskussionen um MentalLoad denken und daran, dass mich heute keine:r erinnert hat, diese mitzunehmen. Ich war schon happy, an die Anmeldung für die Musikschule zu denken und die Gitarre, die Kind1 noch als Leihinstrument hatte vom Kooperationsprojekt Schule & Musikschule aus dem letzten Jahr. Ha, alles dabei gehabt! Versichertenkarte eben nicht.

Umgekehrt hätte ich aber auch den Mann nicht an all das erinnert, wäre er zu den Terminen gefahren. Ich vergesse Dinge, der Mann vergisst manchmal Dinge, warum soll ich mir zusätzlich den MentalLoad auftragen, ihn an Sachen zu erinnern? In diesem Fall ist die Konsequenz: Ich muss irgendwann zeitnah nochmal in die Praxis um die Karte vorzulegen. Shit happens.

Mit den Augen ist alles in Ordnung. Woher die Kopfschmerzen kommen? Don’t know yet…

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Nach den Ferien

Die Hitze macht uns zu schaffen. Das geht wohl allen so. Aber…

Am Montag fährt der Mann zur Arbeit. Bei mir steht Home Office an. Den Kindern erlaube ich, dass sie soviel Fernsehen dürfen, wie sie wollen, nachdem sie ihre Kinderzimmer (halbwegs) aufgeräumt haben.

Ich versuche zu arbeiten, konzentriert ist aber nicht. Die Kinder nehmen das mit dem „soviel sie wollen“ sehr ernst und ich bekomme sie erst am frühen Abend wieder dazu, die Kiste mal auszuschalten. Das war Rekord.

Ich glaube, sie würden schon was anderes machen, wären andere Kinder da. Naja.

Gegen Lebensmittelverschwendung

Am Dienstag im Prinzip das Gleiche, Mann außer Haus, ich im Haus, die Kinder auch. Spannend, oder? 😀

Am Vormittag kommt meine erste Bestellung von Sirplus (alles, was ich in meinen Blogartikeln nenne, habe ich selbst gekauft und selbst bezahlt und schreibe ganz freiwillig und ohne Auftrag darüber…). Sirplus wurde unter anderem von Raphael Fellmer gegründet, der mal versucht hat, ohne Geld zu leben. Also ohne Geld zu verdienen oder auszugeben. Dann hat er Food Sharing mit gegründet und jetzt versucht er, mit anderen und in größerem Stil, Lebensmittel direkt an der Quelle zu ‚retten‘: Bei den Produzenten oder im Großhandel aufkaufen, Qualität checken, weiter verkaufen. Es gibt kein Leben außerhalb des Kapitalismus, Baby!

Ich hab die Veggiebox bestellt und die Bestellung war easy, die Sachen gut verpackt und es war einiges drin. Für unseren Haushalt war leider etwas zuviel Süßkram drin, aber man kann auch einzelne Produkte auswählen und bestellen, vielleicht ist das für uns besser.

Parteipolitik

Es ist erster Schultag für den Großen! Obwohl wir am Vorabend alles gepackt haben, fällt uns kurz vor dem Go noch auf, dass die Fahrradhelme weg sind (wurden im Kofferraum des Autos gefunden) und Schuhe, wo sind diese verdammten Schuhe…? Dann mit allem, was man für die Schule benötigt, Tornister, Turnbeutel (den das Kind dann doch nicht braucht, sie sollen an den Sport-Tagen fertig angezogen zur Schule kommen) und ein Handtuch, falls in der Nachmittagsbetreuung mit Wasser geplanscht wird.

Abends fahre ich zur Kreisversammlung der Grünen. Letztes Jahr bin ich dort Mitglied geworden. Mir reicht es nicht mehr, nur an meinem Konsumverhalten rumzuschrauben und da ökologisch zu optimieren. Das mache ich zwar weiterhin, aber Leute, ich hab gesehen, wie sich Eltern auf twitter gegenseitig in der Luft zerreissen, weil eine gesagt hat, sie würde ihrem Kind auch mal ein Eis von N*stlé kaufen und was da abging… und das unter Müttern, denen man ja eh schon für alles die Schuld gibt.

Es ist natürlich ehrenhaft, auf individueller Ebene anzusetzen, versuche ich ja auch, siehe oben. Aber puh, wenn ich überlege, wie viel Energie ich auf die Frage verschwendet habe, was am nachhaltigsten ist: Lebensmittel zero waste zu kaufen, saisonal/regional, gerettet oder vegan…dann denke ich abschließend, dass meine Energie woanders eine größere Durchschlagkraft hat.

Ich habe die Hoffnung, dass man gemeinsam mehr erreicht und auf politischer Ebene größere Stellschrauben drehen kann. In Bezug auf Tierhaltung, Fleischproduktion, Verpackungsmüll, Lebensmittelverschwendung etcetera etcetera bla bla.

Naja, die Versammlung zog sich ein wenig, wie jede, auf der ich bisher war. So eine Lokalpolitik basiert auf gewachsenen Strukturen, Ämtern und Netzwerken, vermutlich wird meine erste Aufgabe sein, mir hier erst einen Durchblick zu verschaffen.

Einschulung

Donnerstag ist der Tag, auf den Kind2 hier nun seit Wochen gewartet hat: Die Einschulung! Wir kommen als letzte in der Kirche an, weil natürlich noch diskutiert werden muss (macht Kind2 gerne, wenn es aufgeregt ist) – ob er wirklich ein Hemd tragen muss (wir nehmen es dann mit, falls er sich doch noch entscheidet, es anzuziehen), wer die Schultüte und den Tornister trägt (Dienstpersonal bleibt Dienstpersonal) und ob Socken angezogen werden. Die Sitzordnung sieht natürlich vor, dass wir in der ersten Reihe sitzen und – vom hinteren Eingang kommend – noch an allen vorbei müssen…

Natürlich ist wegen Corona alles anders. Wegen der Aerosole darf nicht gesungen werden (denkt dran, wenn die Fußballstadien wieder voll sind), es dürfen nur die Eltern mit und es sind auch keine anderen Schulkinder da, die sonst den Gottesdienst mitgestalten. Leider betont die Direktorin, die durch das Programm führt auch dauernd, WIE anders alles ist und was nicht alles getan würde, wäre nicht Corona. Find ich ziemlich überflüssig, den heute eingeschulten Kindern ständig unter die Nase zu reiben, was alles hätte sein können. Das ist offenbar nicht nur bei unserer Einschulung hier gewesen, auch Franzi schreibt über die „Entschuldigungsfalle„.

 

Kind2 findet das nicht schlimm, vermutlich ist es für ihn sogar angenehmer, dass wir nur so wenig Leute sind.

Natürlich weine ich, ist ja mein Baby, was da jetzt ein Schulkind ist. Ich weine aber auch ein bisschen, weil die Kinder alles – die Maskenpflicht, den Abstand – so tapfer ertragen, und weil ich finde, das Kinder in dem Alter nicht so tapfer sein müssen. Sie sollten sich vor Aufregung schubsen können, sich an die Hand nehmen um sich an jemanden, der genau so aufgeregt ist wie man selbst, festhalten zu können und naja, meistens hat mir Corona echt nichts ausgemacht, aber in dem Moment bin ich überfordert.

Nachmittags besuchen uns Tante und Großeltern und wir sitzen im Garten, die Kinder verkriechen sich ins Haus, ihr Limit an Menschen ist wohl erreicht. Wir essen Kuchen, den die Tiefkühle gebacken hat und grillen.

Freier Freitag

Beide Kinder in der Schule! Ruhe im Haus. Ich gehe erst mal spazieren und arbeite anschließend in Ruhe ein paar Sachen weg.

Am Abend ist bei uns „Filmabend“ – seit wir die Folge von der Sendung mit der Maus gesehen haben, in der Ralph Caspers eine dänische Familie besucht, die abends bei Schüsseln voller Süßigkeiten Filme guckt. So erzählen die Kinder diese Folge. Ich wähle „In einem Land vor unserer Zeit“ aus, Kind2 als Dino-Fan freut sich.

Das Wochenende war sehr anstrengend, für uns alle die Umstellung zu Präsenzschulalltag herausfordernd.

Hat bei euch die Schule schon angefangen? Habt ihr neue Erstklässler:innen oder einen Umstieg auf weiterführende Schule?

Kommt gut in die neue Woche!

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