Energie.Haushalt.Ansprüche.

ihr habt total recht, wenn ihr glaubt, ich jammere auf hohem niveau. respekt vor all den berufstätigen mehrfacheltern und alleinerzieher_innen undundund. manchmal glaube ich euch nicht, dass ihr das alles wumpt. ihr habt bestimmt superkräfte, personal und ghostwriter.

mir fehlt leider jeglicher ehrgeiz, um alles gleichzeitig gleich gut zu machen: job, familie, freizeit. obwohl ich oft auch den anspruch, oder sogar lust dazu habe. aber mein energiehaushalt ist vielleicht begrenzter als der von anderen. oder ich achte nur sehr gut darauf. auf jeden fall sind jetzt, mit prekärem job, baby, doktorarbeit und dem bedürfnis nach erholung meine grenzen viel schneller erreicht.

ich mache mir bewusst – wenn überhaupt – nur sehr kurze to-do-listen. da stehen dann z.b. drei dinge drauf, von denen ich denke: wenn du heute das geschafft hast, war es ein guter tag. und dann schaff ich sie doch nicht alle, weil irgendwas dazwischen kommt: ein anderer arbeitsauftrag, ein fieberndes kind, eine zu kurze nacht oder kaffee in meinem rechner (jaja, sagt nix).

und gegen meinen biorhythmus arbeiten, das habe ich ganz schnell aufgegeben. ich war noch nie ein fan von diesen die-nacht-durcharbeiten-um-die-seminarbeit-fertig-zu-machen leuten. referate, ok, aber was schriftliches und wichtiges? never. meine masterarbeit habe ich trotz begrenzter zeit nach folgendem schema geschrieben: vormittags von 9 bis zwei, dann zweistündige fernseh-/nickerchenpause und anschließend noch mal zwei stunden. obwohl ich abends zum beispiel noch ganz gut auch (fach-)literatur lesen kann, habe ich das auch bald aufgegeben. denn da klingelt das telefon, man verabredet sich (also vor minime) oder macht sport.

manchmal denke ich somit, ich bin nicht geeignet für überhaupt einen job, der sowas wie karriere beinhaltet. wo man immer beschäftigt, voll auf zack ist, ein haken auf der todo-liste nach der anderen macht undundund. oder an der uni, wo man alles wissen muss, dementsprechend dauernd lesen, denken, schreiben.

also schraub ich meine ansprüche runter, versuche mich durch den tag zu mogeln wurschteln und am ende kein schlechtes gewissen zu haben, weil wieder mal viel liegen geblieben ist, ich wieder nicht beim sport war, meine besten freunde zu wenig sehe oder mich nicht mit schnupfen ins büro schleppe.

und das, ohne mich zu rechtfertigen. diesen inneren (und manchmal unsubtil von außen vernehmbaren) vorwurf, das kind diene als entschuldigung für alles, was man nicht – mehr – schafft ignorieren. ICH schaffe einfach nicht alles. und das zu akzeptieren, ist wohl das schwerste…

34 Kommentare

Eingeordnet unter familie

34 Antworten zu “Energie.Haushalt.Ansprüche.

  1. Nörd

    da können wir gleich eine gleichgesinnten-gruppe aufmachen… du bist da also nicht allein

  2. Danke, dass du das aufgeschrieben hast. Das alles hätte ich fast genauso auch schreiben können. Und Du hast recht, man kann ud muss nicht immer alles schaffen können.

    • und muss es auch hoffentlich nicht wollen. ich freu mich immer zu hören und zu lesen, dass ich nicht ‚alleine‘ bin. und gratuliere (nachträglich) zu deiner tochter, habe endlich auch mal festgestellt, dass dein anderer blog inaktiv ist. der ’neue‘ (englische) ist jetzt abonniert…

  3. Keine Sorge, geht allen so. Ich sitze seit dem quasi Wiedereinstieg in den Job auch oft bis abends spät am Rechner und habe das Gefühl nichts und niemandem mehr gerecht zu werden – am allerwenigsten mir selbst. Ich sag jetzt mal: Man wird da mit etwas Übung bestimmt besser drin! ;o)

  4. ich kann dir aus sicherer quelle sagen: die Leute, die „arbeiten“, arbeiten auch nicht mehr als du! im büro vertrödelt man so viel zeit, mit leuten zu schwätzen, im internet zu surfen, nachrichten oder emails zu lesen usw. und die leute mit „karriere“ sind auch nicht unbedingt die fleißigsten, die können vieles delegieren und machen nicht so viel selbst. der chef trifft eigentlich nur die entscheidungen, ansonsten kann er däumchen drehen.

  5. Au man, was soll ich da sagen? Ich arbeite noch nicht und komme so oft an meine Grenzen… und das nur bei einem lieben baby und Mann.

  6. NA, glücklichscheitern, in die Gruppe will ich auch mit rein…. denn ich denke auch immer dass mein Energiehaushalt kleiner ist als der anderer (auch anderer Mütter). V.a. wenn einige beste Freundinnen sogar mit zwei Kindern Superjobs ausfüllen, leitend tätig sind UND noch die FAmilie wuppen. Wie machen die das bitte? Ich krepel hier auf meinen 8 Stunden rum, hab n Kind und n Buch am Hals (von der Idee, damit der Promotion doch noch näher zu kommen mal ganz zu schweigen) und den Vorsatz, Sport zu machen, schaffe ich nur 2mal im Monat, trotz aller guten Vorsätze.
    Oh Mann…. liebe Grüße Mama007

  7. way_up_north

    Nun hab ich ja noch bis Ende Januar Gnadenfrist (also Elternzeit), kann also (noch) nicht wirklich mitreden…aber diese Woche hat schon einen kleinen Vorgeschmack gegeben, wie es so werden könnte, denn ich musste ein wenig „vorarbeiten“ (Kursprogramm, Vorlesungsbeschreibungen & Literaturlisten erstellen für meine Veranstaltungen im nächsten Semester, welches hier im Februar beginnt) und der Mann hat gerade auch viel zu tun. Und was soll ich sagen, es ging eindeutig auf Kosten von Sozialkontakten und Haushalt.
    (Naja, wenn eh kein Besuch kommt, muss die Bude auch nicht toll aussehen 😉 so gesehen passt es dann auch wieder)

    • ja, die sozialkontakte. wir geben uns mühe, auch außerhalb der arbeit oder elternkontakte beziehungen zu pflegen. mal geht es gut, mal weniger. momentan schlägt auch die jahreszeit auf mein gemüt, und dagegen kann man ja nun wirklcih nix machen 😉

      • way_up_north

        ja die jahreszeit! für mich ein echter energieräuber, speziell in diesen nordischen gefilden hier. irgendwie geht das besser, wenn ich arbeiten muss – es ist immer ziemlich viel zu tun vor weihnachten plus diese wikinger halten immer tausende arbeitsbezogene weihnachtsfeierlichkeiten. wahrscheinlich ist diese kultur durch die lange erfahrung mit der dunkelheit enstanden. 😉

  8. Käthe

    Das man es aber versucht und nicht vor den Herausforderungen kapituliert, darauf kommt es an. (Habe ich mal als mein Mantra gewählt)

    • ich überlege auch grade ein mantra. so ala ’schritt für schritt‘ oder so. auch wenn es nur ganz kleine schritte sind. ich bin ein ziemlicher bauchmensch und kann es einfach schlecht ertragen, wenn ich ungute gefühle habe, weil ich die immer nur schwer analysieren kann. und dafür am liebsten in blinden aktionismus verfalle, damit es besser wird. mit kind nicht mehr ganz so die geeignete strategie

  9. Käthe

    Das man es aber versucht und nicht vor den Herausforderungen kapituliert, darauf kommt es an. (Habe ich mal als mein Mantra gewählt)

    • ich überlege auch grade ein mantra. so ala ’schritt für schritt‘ oder so. auch wenn es nur ganz kleine schritte sind. ich bin ein ziemlicher bauchmensch und kann es einfach schlecht ertragen, wenn ich ungute gefühle habe, weil ich die immer nur schwer analysieren kann. und dafür am liebsten in blinden aktionismus verfalle, damit es besser wird. mit kind nicht mehr ganz so die geeignete strategie

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  12. Meine Strategie: Kinder zuerst. Ist eines von den beiden krank (letzten Winter von Oktober bis April 20 Wochen, immer schön abwechselnd, 1. KiTa-Jahr), dann ist es eben so und ich bin tagsüber nur für sie da. Ein Unzufriedenheitspunkt weg (schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber weil abgelenkt usw. — sie sind erst 2 und 3 1/2, da kann man einfach nichts „nebenher machen“, das lasse ich mir nicht mehr erzählen).
    Danach kommen wirklich wichtige Dinge wie Aufträge, die Geld bringen (Fachlektorat und Drucksatzerstellung in Heimarbeit). Schaffe ich zur Not auch abends, zumal wenn ich Mittagsschlaf mit den Kleinen gemacht habe.
    Danach kommen Uni-Kurse. Ähem. Da bekleckere ich mich wirklich nicht mit Ruhm, weil ich meine Hausaufgaben grundsätzlich nur noch im Bus erledige (1 h Fahrzeit, das reicht um die gröbsten Peinlichkeiten zu umschiffen).
    Den Haushalt mache ich so dann und wann. Muß reichen.
    Nach glücklich scheitern klingt das deshalb nicht, weil ich nicht das Gefühl habe zu scheitern. Die Kinder gehen vor, basta, oder, wie eine Sachbearbeiterin vom BaFöG-Amt mal meinte: „Das Gehetze im Job und im Studium, das dankt Ihnen keiner. Ihre Kinder aber, die brauchen Sie jetzt!“

    • wie wahr, wie wahr. nur, ich bin berufstätig, der mann auch – und nicht immer flexibel. noch ist alles easy, weil der mann ja in elternzeit ist, aber sobald der kleine in die kita oder zu einer tagespflegeperson kommt, seh ich uns schon die wochen/tage aufteilen, wann wer zu hause bleiben muss.

  13. Meine Strategie: Kinder zuerst. Ist eines von den beiden krank (letzten Winter von Oktober bis April 20 Wochen, immer schön abwechselnd, 1. KiTa-Jahr), dann ist es eben so und ich bin tagsüber nur für sie da. Ein Unzufriedenheitspunkt weg (schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber weil abgelenkt usw. — sie sind erst 2 und 3 1/2, da kann man einfach nichts „nebenher machen“, das lasse ich mir nicht mehr erzählen).
    Danach kommen wirklich wichtige Dinge wie Aufträge, die Geld bringen (Fachlektorat und Drucksatzerstellung in Heimarbeit). Schaffe ich zur Not auch abends, zumal wenn ich Mittagsschlaf mit den Kleinen gemacht habe.
    Danach kommen Uni-Kurse. Ähem. Da bekleckere ich mich wirklich nicht mit Ruhm, weil ich meine Hausaufgaben grundsätzlich nur noch im Bus erledige (1 h Fahrzeit, das reicht um die gröbsten Peinlichkeiten zu umschiffen).
    Den Haushalt mache ich so dann und wann. Muß reichen.
    Nach glücklich scheitern klingt das deshalb nicht, weil ich nicht das Gefühl habe zu scheitern. Die Kinder gehen vor, basta, oder, wie eine Sachbearbeiterin vom BaFöG-Amt mal meinte: „Das Gehetze im Job und im Studium, das dankt Ihnen keiner. Ihre Kinder aber, die brauchen Sie jetzt!“

    • wie wahr, wie wahr. nur, ich bin berufstätig, der mann auch – und nicht immer flexibel. noch ist alles easy, weil der mann ja in elternzeit ist, aber sobald der kleine in die kita oder zu einer tagespflegeperson kommt, seh ich uns schon die wochen/tage aufteilen, wann wer zu hause bleiben muss.

  14. Oh je, mir geht es auch immer so… Allerdings versuche ich deshalb, alles südländischer und gelassener zu sehen- sich selbst zum Fleiß zu verurteilen ist eine typisch deutsche Krankheit . Notfalls hilft es mir immer, einfach mal Termine oder die To Do Liste durchzustreichen.

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