Kein Corona Tagebuch

2019 hab ich gedacht: Ach, das sind die guten Jahre, so kann es bleiben. In meinem Entwurfsordner aus dem Jahr steht noch ein Post „Ode an mein langweiliges Leben“. Also, langweilig im besten Sinne. Mal keine Achterbahn, statt dessen ein bisschen Flow. Leben in der Komfortzone. Weil es ein Luxus ist, eine zu haben, in der man bleiben kann. Komfortzone verlassen – diesen Aufruf fand ich schon immer anmaßend. Verlassen kann man sie ja erst, wenn man einen hat. Und wo ich grad eine gefunden habe, würde ich da gern ein bisschen bleiben wollen.

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Ein Highlight kurz vor Corona: Wir fällen einen Baum

2020 dachte sich dann: HAHA. Im Januar begann mein persönlicher Ausnahmezustand. Im März kam Corona dazu. Seitdem hat sich bei allen viel geändert.

Bis zu Beginn dieser Woche waren wir alle vier jeden Tag von morgens bis abends zusammen. Uffz. Hätte man mir das vorher angedro…angekündigt, ich hätte gesagt, dass überstehen wir nicht.

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Irgendwo liegt immer eine unserer drei Katzen. Das ist schön und beruhigend

Wir haben es aber bisher ganz gut überstanden. Bisher. Und fest gestellt, wie gut es uns geht. Ein Haus mit Garten ist in dieser Situation die halbe Miete*. Und dann dieses Glück mit dem Wetter, auch wenn das Glück, klimawandeltechnisch, ja eher nicht so schön ist.

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Das Kind klagt über zu wenig ! Fernsehzeit und will sich neue Eltern suchen. Wir Bratkartoffeln leiden.

Ein Rhythmus hat sich eingependelt, fast jeder Tag sieht gleich aus. Ich werde als Erste wach, meist vor oder gegen sechs Uhr früh. Mit meiner Decke und einem Kaffee ziehe ich auf die Couch, die den Blick in den Garten bietet. Ich höre Podcasts, meistens was mit Finanzen oder Gesellschaftsthemen. Ein, zwei Stunden später kommt Kind2, kuschelt sich zu mir unter die Decke und wir plaudern ein bisschen.

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Während „Homeschooling“ bei Kind1 scheitert, hat sich Kind2 als Freilerner qualifiziert. Er bastelt sich Fliegenaugen aus Klopapierrollen

Am Wochenende backen wir beide dann morgens schon Kekse. Das ganze Haus riecht nach Lecker. Irgendwann lässt sich Kind1 blicken, beide setzten sich mit lustigen Taschenbüchern auf die Couch oder verschwinden noch mal auf ihre Zimmer um Lego zu spielen. Ehrlich gesagt: Oft wird schon gestritten, manchmal ist es aber auch schön.

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Nicht, dass der Rasensprenger einen nass macht.

Homeschooling ist bei uns das größte Streitthema. Ich hab mir vorgenommen, am Wochenende alle Lokal- und Bundespolitiker*innen anzuschreiben, die ich recherchieren kann. Ich werde nämlich streiken, so lange es für den Grundschüler kein durchdachtes „Fernlern“konzept gibt. Meine Meinung: Es ist verdammt nicht unsere Aufgabe, hier Unterricht zu machen. Zumal sich hier jemand nicht unterrichten lassen will und ich in dieser Zeit, wo wir nun einfach mal 24/7 aufeinander hocken, nicht den Familienfrieden wegen sowas aufgeben will.

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Wenn ich alt bin, will ich auch so renitent sein

Ich versuche es mit stundenweise Homeoffice, während die Kinder vorm Fernseher sitzen. So sieht es aus. Der Mann ist wieder an einigen Tagen außer Haus tätig. Am Nachmittag schick ich die Kinder raus. Ihre Energie entladen sie auf dem Trampolin oder beim Wasserplanschen. An anderen Tagen macht der Mann mit ihnen eine Fahrradtour.

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Ein Gepard

Neulich habe ich mit Erstaunen fest gestellt, dass hier keine Kleinkinder mehr wohnen. Mit neun und fast sechs Jahren sind es richtig große Kinder. Beide „feiern“ ihre aktuellen Geburtstage in dieser seltsamen Zeit. Dass sie „groß“ sind hat mich auch das Abendritual ändern lassen. Weil abends einfach der Akku bei uns Erwachsenen sowas von leer ist, schicken wir sie nach dem Abendessen auf ihre Zimmer, wo sie noch spielen können, wo wir ihnen Gute Nacht sagen, aber kein „Programm“ mehr bieten. Keine Gute Nacht Geschichte, Hörspiel müssen sie sich selber anmachen, ihre Schlafenszeit bestimmen sie selbst. Was aus purer Notwendigkeit (für die Seelenhygiene der Erwachsenen) eingeführt wurde, klappt erstaunlich gut. Toll, so große Kinder…

Ich wünsche euch Geduld und Kraft in dieser seltsamen Zeit. Ich hoffe, es geht euch gut?

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Zur Einweihungsparty letztes Jahr gab es ein Apfelbäumchen. So viel Schönheit und Hoffnung in einer so kleinen Pflanze.

* Ich werfe 1 Euro in die Schlechte-Wortwitze-Kasse

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