Was ist das neue Normal?

Der Urlaub in Holland fand in einer Art Parallelwelt statt. Nahezu niemand dort verwendete einen Mund-Nasen-Schutz. Es gab zwar wirklich überall Desinfektionsspender, aber auch die Abstandsregeln schienen mehr für die damit markierten Steine auf dem Boden, als für die Menschen, die darüber gingen.

Holland, meine liebe auf den zweiten Blick. Wenn man in der Nähe zur holländischen Grenze aufwächst, kann man dich schon mal unterschätzen. Dabei bist du wirklich sooo schön!

Gab es in Holland kein Corona? Es ist interessant, wie unterschiedlich Länder und Menschen damit umgehen. Und wie schnell sich der gefühlte Sicherheitsabstand ändert und wie es sich anfühlt, wenn er dauernd unterschritten wird.

Jedenfalls sind wir wieder Zuhause. Seit wir im Dorf wohnen, haben wir eigentlich perfekte Ferienbedingungen für die Kinder: Wir haben das letzte Haus im Wendehammer, dahinter großer Sportplatz, dahinter „Wald“. Der Rest Einfamilienhäuser in der 30er Zone. Ich hatte gehofft, dass die Kinder viel draußen sind in den Ferien, mit anderen Kindern. Nur – diese fehlen. Also Kinder gibt es schon. Aber entweder sind sie im Urlaub, machen Ausflüge mit der Familie, oder die Eltern finden sie zu klein, um „unbeaufsichtigt“ durch diese gezähmte Wildnis zu ziehen.

Mir liegt es fern, das zu werten, auch weil ich weiß, warum es so ist und es früher nicht alles besser war. Ich seufze nur, weil ich zwei Kinder habe, die am liebsten mit anderen Kindern spielen und kaum mit ihrem Spielzeug.

Vorbereitungen für die Einschulung von Kind2. Das Basteln der Schultüte übernimmt der Mann. Wer mich kennt, weiß warum oder hat gelesen, wie es bei Kind1 lief…

Dafür entschädigen ein wenig Abende wie neulich, als der Mann und ich abends vorm Haus saßen (ist schon ein rebellischer Akt, VOR dem Haus zu sitzen und nicht hinten im Garten). Erst kamen die einen Nachbarn dazu, dann die frisch aus dem Urlaub zurück gekehrten anderen Nachbarn. In einem großen Stuhlkreis (Abstand!) sitzen wir im Vorgarten, sechs Erwachsene, sechs tobende Kinder.

Ist das das neue Normal? Abstand, Makse wo weniger Abstand und der Rest heißt Abwarten, bis es eine Impfung gibt? Den Kindern ist es inzwischen unmöglich zu erklären, warum bestimmte Dinge erlaubt sind und andere nicht und mir fällt es auch immer schwerer, das nachzuvollziehen. Und ja, auf der Ebene versteh ich die Protestierer. Wenn so unterschiedliche Dinge unterschiedlich geregelt werden, jedes Bundesland, ja jede Stadt ihr eigenes Süppchen kocht. Ich schicke die Kinder kommende Woche in die Schule, wo sie erst im Klassenverband und anschließend – theoretisch, ich weiß noch nicht, ob ich sie in den Ganztag schicke – in anders gemischten Kleingruppen und nachmittags dann wieder mit den Nachbarskindern unterwegs sind – aber Oma und Opa dürfen nicht mit zur Einschulung in die Kirche?! Ok, man muss sich immer wieder klar machen, dass die Regelungen nicht geschaffen werden, um möglichst viele Menschenleben zu retten, sondern um das „Gesundheitssystem nicht zu überlasten“, es sollen also nicht alle gleichzeitig krank werden. Dennoch sind viele Entscheidungen absurd.

Ich sehne mich nach Homeoffice ohne Kinder und habe gleichzeitig Angst, sie in die Schule und ins Verderben zu schicken. Es ist ein Unding, dass man als Eltern mit dieser Verantwortung allein gelassen wird. Die Infos darüber, wie ‚gefährdet‘ Kinder sind tröpfeln nur langsam, was das für „Risiko“gruppen gehört, wird ausgeblendet und wenn ich daran denke, dass bei einer Schließung wegen Infektionen wieder alles an den Eltern hängen bleibt, werde ich wütend.

Aber gut, ich schaue in diese kommende Woche, mit der Einschulung von Kind2 Einer Versammlung der Grünen, an der ich teilnehmen werde und einer hoffentlich erträglichen Hitzewelle…Bleibt gesund.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Philosophie am Wickeltisch

Eine Antwort zu “Was ist das neue Normal?

  1. Es ist eine Gratwanderung, zwischen wirtschaftlichen Interessen und Gesundheitsschutz.
    Das das Virus durch Aerosole übertragen wird ist wissenschaftlicher, weltweiter Fakt, das es jeden treffen kann auch.
    Denke die Demonstranten zum Beispiel in Stuttgart geht es um ihre Freiheitsrechte, da darf sich jeder fragen, wo seine Freiheiten beschnitten werden.
    Die Gefahr in einer Großstadt sich zu infizieren ist höher als auf dem Dorf, im Föderalismus entscheidet dann die Landeregierung, Stadt, Landkreis was für Maßnahmen sie für nötig halten.
    Ich denke auch für die Politiker, Behörden ist diese Situation neu und es gibt viele Dinge abzuwägen.
    Da wird man es Niemanden recht machen können, dem einen droht die berufliche Insolvenz, der Andere hat Angst um die Familie, seine Kinder.
    Andere haben Angst um die schulische Karriere ihrer Kinder etc..
    Und so ganz nebenbei führt uns das Klima vor Augen das es weitere Themen gibt die wir dringend gemeinsam angehen dürfen.
    Heute wurde in der Nachbargemeinde das Wasser sanktioniert, besser gesagt es war im Grunde erschöpft.
    Es ist eine Zeit mit vielen Herausforderungen, sie lassen sich gemeinsam meistern, wenn wir die Notwendigkeiten erkennen und mehr Eigenverantwortung für unser handeln übernehmen uns nicht nur auf die Politik und Behörden verlassen.
    Wasser sparen kann zum Beispiel jeder, oder mit wenig Investition als Hausbesitzer Regenwasser auffangen etc.
    Viel ist möglich, wir dürfen nur aktiv werden.
    Dir und Familie viel Geschick, Gesundheit und alles Gute
    Via smartes Phone

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