MentalLoad und Corona im Dorf

Montag

Der Montag fängt wie so ein Montag an, mit Kindern, die lieber noch schlafen würden, Wo sind meine Hosen, Iss endlich auf du musst zur Schule und Setz deinen Fahrradhelm auf und vergiss deine Maske nicht.

Endlich sind alle vor der Tür. Ich mache Homeoffice und in der Mittagspause etwas, was ich schon länger in meinen Alltag integrieren wollte: Ich spiele Flöte. Einen Irish Reel, kennt ihr, wenn ihr mal The Corrs gehört oder in Irish Pubs gesessen habt: Drowsie Maggie. Sonst gebt den Titel bei Youtube ein. You’re Welcome. Meine Finger sind sehr langsam, aber man hört, worauf es hinaus soll.

Am Nachmittag kommen die Kinder nach Hause. Kind2 hat in der Schule seinen Milchschneidezahn verloren und ist ganz happy. Und wir erst, jetzt grinst er, wie ein echter Erstklässler!

Wir sitzen am Tisch, ich male, mit Aquarellstiften in meinem neuen Aquarellpapierbuch. Ich ‚kann‘ gar nicht malen, aber ich hab Freude daran. Erst mal testen, wie Farbe und Papier funktionieren, wie schnell es trocknet, wie gut sich die Farbe vermischen lässt. Die Kinder hören während dessen Hörbuch.

Am Nachmittag plaudere ich kurz mit der Nachbarin von Gegenüber. Anscheinend ist Corona jetzt auch in großem Umfang in unserem Dorf angekommen, nach einer Hochzeit im Nachbarort sind mehrere Personen in Quarantäne. Abends berichtet man auch im Radio davon. Spooky, sehr spooky. Und nur eine Frage der Zeit, bis die Grundschule hier zu hat.

Am späten Nachmittag stehen plötzlich Kinder vor der Tür und wollen unsere zum Spielen abholen. Nachdem in den Ferien kaum jemand auf der Straße war, kommt jetzt das, was ich mir mit dem Umzug in den Vorort erhofft habe: Kinder, die sich spontan treffen…

Dienstag

Ich spiele Mama-Taxi. Gegen Mittag kommt Kind1 nach Hause und ich fahre ihn zur Musikschule. Bisher haben die Kinder keine klassischen Hobbys gehabt, ich fand, die langen Kita- und Schultage reichen und sie haben auch keine speziellen Wünsche geäußert. Als sie kleiner waren, gab es mal Kinder-Turnen und für Kind1 eine zeitlang Bouldern. Aber kein Kind sagte „Ich will xy machen“. Aber seit eben einem knappen Jahr möchte Kind1 Keyboard lernen.

Er hat heute also seine zweite Klavierstunde (Keyboard kann er ja darauf aufbauen). Bei der ersten war ich noch mit dabei, ich mag ja auch gucken, wie die Lehrerin so ist. Ich fand sie super, das Kind soll immer zwei Töne spielen, sie spielt darüber eine Melodie – zack, Erfolgserlebnis fürs Kind. Ich selber musste auf der Querflöte damals die erste Woche nur ins Kopfteil pusten und das war schon irgendwie öde, wenn man vorher mal so richtige Flötist:innen gehört hat.

Anschließend haben wir einen Augenarzttermin. Kind1 trägt eine Brille und klagt trotzdem manchmal über Kopfschmerzen in der Schule. Bei der Anmeldung stelle ich fest: Ups, Versichertenkarte vergessen! Ich muss an all die Diskussionen um MentalLoad denken und daran, dass mich heute keine:r erinnert hat, diese mitzunehmen. Ich war schon happy, an die Anmeldung für die Musikschule zu denken und die Gitarre, die Kind1 noch als Leihinstrument hatte vom Kooperationsprojekt Schule & Musikschule aus dem letzten Jahr. Ha, alles dabei gehabt! Versichertenkarte eben nicht.

Umgekehrt hätte ich aber auch den Mann nicht an all das erinnert, wäre er zu den Terminen gefahren. Ich vergesse Dinge, der Mann vergisst manchmal Dinge, warum soll ich mir zusätzlich den MentalLoad auftragen, ihn an Sachen zu erinnern? In diesem Fall ist die Konsequenz: Ich muss irgendwann zeitnah nochmal in die Praxis um die Karte vorzulegen. Shit happens.

Mit den Augen ist alles in Ordnung. Woher die Kopfschmerzen kommen? Don’t know yet…

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