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Feminismus und Mutterschaft 3: Wenn die eigenen Rollenbilder nicht der Mehrheit entsprechen…

ein Beitrag von parentsdont:

Ich bin Rosalie und weiß ich gar nicht recht, was Feminismus bedeutet. Würde ich meine Oma fragen, ob sie Feministin ist, sie würde mich auslachen. Sie ist jetzt Mitte 70, hat in den 60igern 2 Kinder bekommen, ein Haus gebaut, ihre kranke Mutter gepflegt und ganz nebenbei mal noch volle 45 Jahre Akkord gearbeitet um das alles zu bezahlen. Sie hat das nicht wegen einer bestimmten Gesinnung getan, sondern weil’s nötig war. Hausfrau und Mutter sein, die dem Mann abends sein Essen hinstellt und den ganzen Tag bei den Kindern ist, war nicht.

Meine Mutter bekam mich mit 18 – Mitten in der Ausbildung. Auch sie blieb nicht zu Hause, sondern machte ihren Abschluss und verdiente das Familieneinkommen. Ich war in dieser Zeit zu Hause – mit meinem Vater. Und als sie endlich einen betriebseigenen Kitaplatz für mich ergattert hatten (Anfang der 80iger ein echtes Problem), arbeiteten beide immer Vollzeit.

Dass ich offensichtlich nie mit den oftmals zitierten Rollenmustern konfrontiert wurde merkte ich ganz eklatant in der Schule. In der 12. Klasse gab es eine Diskussion über Gesellschaft und Werte. Eine Doppelstunde lang ging es darum, was wir denn wohl für besser hielten: Mit Kindern zu Hause zu bleiben, oder ohne Kinder Karriere zu machen? Ich erinnere mich sehr genau, weil ich damals den gesamten Grundkurs Deutsch gegen mich hatte. Ich war tatsächlich die Einzige, die überhaupt nicht verstand, warum es nur entweder – oder geben kann, warum man nicht mit Kind arbeiten kann, warum Frau und nicht Mann zu Hause bleibt etc. Ich kam weinend (mit damals 17 Jahren) aus dem Unterricht, weil mich meine Klassenkameraden zum Teil sehr bösartig niedergeschrienen haben.

Mir wurde dann recht schnell klar, dass ich eben nie erlebt habe, wie eine klassische Rollenverteilung geht. Ich hatte verdammtes Glück, Eltern zu haben, die immer offen und flexibel auf Situationen reagiert haben und pragmatisch deren Lösung angegangen sind. Wer grad kann, verdient Geld, wer grad nicht kann, macht was anderes. Sie taten das, weil es nötig war und für sie die beste Lösung. Aber auch sie wurden dafür heftig angefeindet. Meine Mutter litt ziemlich darunter und wurde oft Rabenmutter geschumpfen.

Dennoch, meine Eltern haben mir da so einiges auf den Weg gegeben, damit ich mein Leben gut meistern kann.

Nun habe ich (32) meine eigene Familie, meinen Mann und 2 Töchter (3 Jahre und 7 Monate). Wir lebten bis vor kurzem in der Schweiz, haben beide ein Doktoratsstudium gemacht (in Naturwissenschaften). Wir lebten in Basel und das ist für Eltern quasi das Paradies. Finanzielle und beratende Unterstützung und Kitas – alles was das Herz begehrt. Dort hatten wir es echt schön, denn es lies sich immer alles Formale ganz leicht regeln. Dort gibt es nur 14 Wochen Mutterschutz und danach keine weiteren Leistungen wie Elterngeld etc. Aber es gibt hervorragende Kitas – in denen auch Babys wunderbar aufgehoben sind.

Mitten in der Doktorarbeit haben wir also absichtlich ein Kind bekommen. Ich war die einzige in meinem Bekanntenkreis, die überhaupt ‚schon’ an Kinder gedacht hat. Und das ist für mich – in der Rückschau – Feminismus. Zu sagen: Der Mann stimmt und ich will ein Kind, also los! Der Job stimmt nie. Es sei denn man mag seine Arbeit nicht und sucht einen Grund diese aufzugeben…

Wobei, eigentlich ist das nicht Feminismus, eigentlich ist das Emanzipation. Ich habe das Recht eine Familie zu gründen und so viele Kinder zu bekommen, wie ich will. Ich habe das Recht danach zu arbeiten, oder zu Hause zu bleiben, oder Teilzeit zu arbeiten. Nicht weil ich einfach auf juristischer Ebene das Recht habe, sondern weil das mein Leben ist und ich allein bestimme, wann und wie ich ein Kind bekomme und dieses groß ziehe. Da hat mir keiner was zu sagen, es sei denn ich misshandle das Kind oder den Partner. Und mein Chef darf mir kündigen, wenn ich tatsächlich meinen Job nicht mehr gut mache. Aber nicht vorher und auch nicht auf ‚Verdacht’.

 

Generell möchte ich meinen Kindern weitergeben: Sei Eigenständig und mutig. Es gibt nichts, was man nicht versuchen kann, auch wenn es nicht so klappt, wie geplant. Und trage die Verantwortung für dein eigenes Leben immer selbst – auch wenn du Familie hast.

Dazu gehört für mich auch: Verdiene dein eigenes Geld, so viel wie möglich und/oder nötig.

Wir leben das unseren Kindern vor. Mal arbeite ich für Geld, mal mein Mann. Wenn man Kinder bekommt und in unserem Beruf gibt es keine längerfristigen Planungen, da muss jeder einspringen und die ganze Familie muss sich an veränderte Situationen anpassen können.

 

Wir leben nun seit wenigen Monaten in Heidelberg. Wir haben gemeinsam entschieden dorthin zu gehen, obwohl es beruflich noch weitere Perspektiven in anderen Städten gab. Aber Heidelberg ist relativ kinderfreundlich und hat viele und gute Kitas. Es lässt sich gut leben hier und wir haben beide berufliche Chancen in dieser Stadt. Momentan gehen beide Kinder in die Kita, ich arbeite von zu Hause aus (leider unentgeldlich) und such einen bezahlten Job. Mein Mann hat eine Forschungsstelle, aber nur bis Ende nächsten Jahres. Danach steht eine größere Umstellung an, denn so wie ich mich nun beruflich weiterorientiere, muss mein Mann das nächstes Jahr tun. Seine Stelle wird dann nicht mehr finanziert. Da werde ich dann Vollzeit arbeiten. Für mich ist das genau richtig. Jeder tut, was die Situation gerade erfordert. Keine festen Rollen, dafür leben wir eher bedürfnisorientiert. Jeder soll so gut es geht bekommen, was er will und braucht und muss dafür aber auch tun, was er kann.

 

Was Frauen mehr brauchen? Mut. Mut etwas zu ändern, wenn es nicht stimmt. Mut mit dem Partner auf Augenhöhe zu sein. Mut diese Augenhöhe auch einzufordern. Mut und Stärke für die finanzielle Verantwortung (Väter müssen im klassischen Rollenmodel seit jeher diesen Mut und diese Stärke aufbringen, denn sie tragen ja die finanzielle Verantwortung), Mut zum Teilen, Mut mal Fünfe gerade sein zu lassen und Mut Loszulassen. Das wären für mich Ziele des Feminismus.

 

Und ich würde die Frauen fragen: Wollt ihr wirklich teilen?

Und ich würde die Männer fragen: Wollt ihr wirklich teilen?

Und an beide Partner einer Gemeinschaft: Wollt ihr wirklich für einander einstehen?

Ich würde eher nicht mit Feminismus argumentieren, sondern mit Emanzipation für beide Geschlechter.

 

Mich stört zudem, dass Staat und Gesellschaft immer mehr Kontrolle ausüben wollen. Geld gibt’s, wenn du brav machst, was ich (Staat) sage. Und ich (Gesellschaft) entscheide, was richtig und falsch ist und was man machen muss. All das immer unter sofortiger Androhung von Strafen. Das entbindet von der Last eigene Entscheidungen treffen zu müssen und macht uns abhängig als Mensch, als Eltern, als Familie. Ich bin aber in der Lage selbst zu entscheiden und will das auch tun! Denn die Konsequenzen für Entscheidungen, die mein Leben betreffen, muss ich ja alleine tragen. Die nimmt mir weder Staat noch Gesellschaft ab. Dann will ich auch selber entscheiden!

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Macht mit bei meiner Interviewreihe: Feminismus und Mutterschaft

feministin und mutter – in den mainstream-medien heißt das meist: vollzeitberufstätig und karriereorientiert, nicht-stillend und kind mit 8 wochen in der krippe. mich nervt diese einseitige „berichterstattung“ (nicht der genannte lebensentwurf), ist sie doch einseitig, verzerrend und falsch. aber was heißt feminismus für mütter? oder was heißt mutterschaft für feministinnen? ich bin ziemlich sicher, wenn mensch genau hinguckt, lässt sich eine riesige vielfalt an lebensentwürfen, wünschen und vorstellungen finden.

darum möchte ich euch, liebe leser_innen gern zu dem thema „interviewen“. also eigentlich könnt ihr mir einfach schreiben, was euch dazu einfällt, egal ob ihr selber einen eigenen blog habt oder nicht (wenn ihr zu dem thema schon was geschrieben habt, könnt ihr mir auch gern den link schicken, dann trage ich das hier zusammen), die folgenden fragen verdanke ich meinen facebook-leserinnen, die ich gefragt habe, was sie zum thema interessiert. gerne dürft ihr sie als anhaltspunkte nehmen, oder ihr schreibt frei raus. schickt euren text dann an gluecklichscheitern AT gmail PUNKT COM (ihr wisst schon, mit @ und .) und dann gehts los hier! ach ja, anhand meiner blogstatistiken sehe ich, dass hier auch einige aus anderen ländern mit lesen – auch da wär ich besonders neugierig, wenn ihr berichten würdet! gerne mit ein paar hinweisen zu rahmenbedingungen…

Dein Name (egal ob klarname, pseudonym, blog…)

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

Teilst Du Dir die Sorgearbeit fürs Kind mit jemandem? Wie? Und wie wäre es Dir am Liebsten?

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst: Wie teilst Du Dir Lohn- und Sorgearbeit? Gab es dazu „Verhandlungen“? Was waren die Gründe für Eure Arbeitsteilung?

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom „guten Mutter- und Feministin-SEin“ leben zu können? 

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

 

Tja, ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr mitmacht, den Aufruf in euren blogs/freundeskreisen bekannt macht und schreibt, was euch dazu einfällt (wie gesagt, die fragen dienen zur anregung, ihr müsst euch nicht starr dran halten!) – ich freu mich! (und bin sehr dankbar, dass der blog hier dann nicht während meines mutterschutzes verwaist…)

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Der Mythos (m)einer selbstbestimmten Geburt

ich hab mir schon lange vorgenommen, etwas zum thema selbstbestimmung und geburt zu schreiben. ende der vergangenen woche kam bei twitter unter dem hashtag #selbstgeboren eine riesige welle von blogbeiträgen dazu ins rollen. ausgelöst durch ein geplantes buchprojekt einer hebamme.

„Geburt funktioniert! Es kann ganz einfach sein, wenn Frauen währenddessen die Möglichkeit haben ganz bei sich zu bleiben und zurückhaltende und bestärkende Begleitung dabei erfahren.“ schreibt diese hebamme. achwas, denk ich mir, in loriotschem ton. ihr ansinnen ist es, berichte von „selbstbestimmten“ geburten zu sammeln und frauen damit mut zu machen, dass eine geburt ohne eingriffe möglich ist. oder wie sie schreibt: „Es spielt dabei keine Rolle wo Dein/ Euer Kind zur Welt gekommen ist, oder wo Dein Arbeitsplatz ist, wenn Du Hebamme bist. Wichtig ist ein physiologischer Geburtsverlauf, frei von Manipulation oder Eingriffen von Außen. (D.h: Ohne künstlich eingeleitete Wehen, PDA, Kristellern, Dammschnitt, Saugglocke oder Kaiserschnitt.)“

dennoch bin ich nicht gleich auf den zug gesprungen, die viel berechtigte kritik an diesem projekt mit meiner perspektive zu untermauern. denn irgendwie schien oder scheint mich was anderes zu ‚triggern‘, als viele mitbloggerinnen. da wird von mommy wars gesprochen, und wer denn die bessere mutter sei bzw. das man sich durch mütter, die eine „natürliche“ geburt hatten als kaiserschnittmutter abgewert fühlt. obwohl ich einen (sekundären) kaiserschnitt hatte, fühlte ich mich nicht schlechter als die fraktion der „spontangebärerin“. aber ich fühlte mich trotzdem scheiße. und das hatte weniger mit vergleichen zu tun, als mit dem gefühl von ohnmacht und fehlender selbstbestimmung unter der geburt.

denn natürlich gehört die reflektion der eigenen geburt dazu. und die frage: wie habe ich diese erlebt, was fühlte sich selbstbestimmt an und warum, und was nicht? was ist meinem gefühl nach schief gelaufen, was lag in wessen verantwortung, und kann man in dieser situation überhaupt „verantworten“?

ich glaube, „selbstbestimmung“ in einem kontext wie dem ausnahmezustand geburt ist eine verdammt komplexe angelegenheit. ich erlebte den teil, den man wohl übergangs-/austreibungsphase nennt, in totalem ausnahmezustand, nahm nur bruchstücke dessen wahr, was um mich geschah. aber um es anschaulicher zu machen, werde ich schreiben, wie ich die geburt (und die vorbereitungen) erlebte, wo ich das gefühl hatte, das mir die „selbstbestimmung“ entglitt und für wen ich mir ein solches projekt wie das oben genannte wünsche…

DIE VORBEREITUNGEN

auch 2010 war es schon nicht einfach, eine beleghebamme zu finden. erst muss man ja auch entscheiden, wo man entbinden will. eine hausgeburt kam für mich nicht in frage. nicht weil mir das zu unmedizinisch oder unsicher erschien. aber ich wohne im 5. stock eines altbaus ohne fahrstuhl. ich konnte mir nicht vorstellen, das, sollte eine verlegung ins krankenhaus nötig sein (und ja, das kommt gar nicht sooo selten vor, ich habe mich da informiert) mich irgendwer da unter wehen runter bekommt. das geburtshaus liegt in einem anderen stadtteil und ich machte mir sorgen, dass wir in der hauptverkehrszeit vielleicht nicht rechtzeitig dort sein könnten (im nachhinein sind das gedanken einer großstädterin, sooo weit ist es nicht, aber gut). also las ich erfahrungsberichte von krankenhäusern mit entbindungsstationen. ich schaute mir mit dem mann das krankenhaus an, das mir am sympathischsten erschien, zudem um die ecke lag und sich mit einer niedrigen kaiserschnitt- und dammschnittrate rühmte.

vorab recherchierte ich trotzdem hebammen. schließlich sollte die chemie stimmen und ich wollte auch die vorsorge schon bei hebammen machen. trotzdem dauerte es eine weile, bis ich diese schritte alle erledigen konnte. erst mal dauerte es eine weile, bis ich mich überhaupt an den gedanken, ein kind zu bekommen, gewöhnt habe. nicht, dass ich das kind nicht gewollt habe, im gegenteil, aber es war zunächst trotzdem sehr abstrakt. ich hatte dann mehrfach glück mit unseren hebammen: die chemie stimmte, sie arbeiteten als beleghebammen in meinem wunschkrankenhaus und als „nachrückerin“ konnte ich sie dann auch als beleghebammen gewinnen. ich meine, wie viel zeit bleibt einer für die auswahl einer hebamme? wie viele soll/kann man sich angucken undundund? also ja, ich fand, das war glück.

zwei punkte also abgehakt auf meiner to-do-liste. hebamme und krankenhaus: check. zu den weiteren vorbereitungen gehörte das lesen von geburtsberichten. genau, in diesem internet. die einen sagen ja, besser die finger davon lassen. mir hat es sehr geholfen. das gute: es gab berichte von „glatt“ laufenden geburten und von solchen, die weniger glatt liefen. die spannweite war sehr groß und nach einer weile bekam ich ein gutes gefühl dafür, was ICH wollte, wie ich mir MEINE geburt vorstellte. ja, ich überlegte mir auch so was wie (wunsch)kaiserschnitt und pda. denn das ganze gerede von „natürlichen“ geburten war mir suspekt. ich lass mir ja auch nicht ohne betäubung die weisheitszähne ziehen, nur weil das „natürlicher“ ist. die natur hat sich sicher bei vielem was gedacht, aber warum sollte ich darunter „leiden“? ich entschied mich dann aber gegen einen wunschkaiserschnitt. zum einen war ich neugierig wie das so ist mit den wehen, zum anderen schrieben die kaiserschnittmütter vor allem davon, dass die schmerzen hinterher viel unangenehmer waren und sie sich nach möglichkeit noch mal für eine spontangeburt entscheiden würden. ok, also möglichst spontane vaginalgeburt oder wie der korrekte ausdruck ist. bei pda blieb ich neutral, bzw. wollte es situationsabhängig entscheiden. ich las von müttern, denen die pda unglaublich geholfen hat, weil sie zeit brachte um neue energie zu tanken und zu entspannen. ich las genau so von gebärenden, bei denen die pda einen teufelskreis von interventionen nach sich zog. ergo: das wollte ich nicht vorab entscheiden. auf keinen fall wollte ich einen wehentropf oder eine einleitung, da schrieben die wenigsten gutes drüber. ach, machen wir es kurz: ich „entschied“ mich für eine geburt in der wanne. wassergeburt, das klang wie das nonplusultra. natürlich las ich auch noch die üblichen infobroschüren, besuchte einen geburtsvorbereitungskurs und lieh mir aus der bibliothek dvds zum thema geburt aus. im nachhinein wundert es mich, dass ich bei der recherche nicht über hypnobirthing und co. gestoßen bin – vielleicht hätt ich einen kurs besucht. ich fühlte mich nun bestens vorbereitet.

ES GEHT LOS

ich war bei der geburtsvorbereitenden akkupunktur, lies mir noch einen termin für die kommende woche geben, weil ich das gefühl hatte, zu übertragen. zu hause legte ich mich auf die couch und schaute „Zwei bei Kallwas“. ich war enttäuscht, war mir nach 15. minuten schon klar, wie die auflösung lautet. plopp, fruchtblase geplatzt. eindeutig. hebamme angerufen, mann angerufen. die hebamme kam zu mir, untersuchte mich und wir verabredeten uns für halb neun am nächsten morgen in der entbindungsklinik. sollten sich vorher starke wehen einstellen, sollte ich sie natürlich anrufen, ansonsten hieß es erst mal: warten. spät abends machten sich die ersten wehen bemerkbar. in dem stadium, wo man sich fragt: fühlen die sich so an? dann ist ja gut…nachts gegen zwei siegte dann die müdigkeit über die aufregung und ich beschloss, mich doch noch mal ins bett zu legen. ich schlief ein, wurde zwischendurch vom ziehen im unterleib geweckt, schlief weiter. morgens klingelte der wecker, wir packten unsere sachen und gingen los. auf dem 10minütigen fußweg zur klinik verschwanden die wehen kurzzeitig. zur aufnahme war meine hebamme da, brachte uns aufs zimmer und gab mir einen kleinen wehendrink (ich glaub, rhizinusöl war der hauptbestandteil?). auf dem weg zum zimmer bat ich meine hebamme um einen einlauf (ich hatte recherchiert, bei einer geburt verliert man möglicherweise die kontrolle über den darmausgang, ergo kackt. das wollte ich nicht, hätte mir wohl nicht bei der ‚entspannung‘ geholfen…), da ich ja auch in die wanne wollte. meine hebamme antwortete etwas wie: „wir brauchen keinen einlauf, vielleicht gehen wir ja auch gar nicht in die wanne“. als nächstes verlangte ich die papiere für pda und kaiserschnitt. das wollte ich bei klarem verstand erledigen, sollten diese eingriffe notwendig sein. auch hier: das wird nicht nötig sein.

ich will eines gleich deutlich machen: ich gebe meiner hebamme nicht die „verantwortung“, dass ich mich hier übergangen fühlte. ihre botschaft war vermutlich mehr ein beruhigendes: alles wird gut, ich kümmer mich. für mich fühlte es sich aber doof an, andererseits war ich in dieser situation so aufgeregt und verwundbar, dass ich mich da auch nicht durchsetzen konnte/wollte. ich vertraute einfach darauf, dass sie schon weiß, was gut ist.

die eröffnungsphase verlief für mich super: der mann und ich waren erst auf dem zimmer und der wehenantreibende cocktail regte auch meine verdauung an. so musste ich mir darum schon mal keine gedanken mehr machen. weil das wetter schön war, gingen wir noch runter in den garten des krankenhauses. ich veratmete die wehen, wir lachten. irgendwann fühlte ich mich im hof nicht mehr ’sicher‘ und wollte zurück aufs zimmer. dort wurden die wehen stärker, ich hielt mich am bett fest und ging zum atmen in die hocke. ging noch einmal den stationsflur rauf und runter und hatte dann das gefühl, jetzt ginge es los. ich sagte also zum mann, ich wolle in den kreisssaal. wir klingelten, eine der krankenhaushebammen machte auf und brachte uns ins wehenzimmer. dort wurde ich ans ctg angeschlossen. dafür musste ich liegen, was ich ätzend fand. mal ehrlich, mehr frauen in die medizintechnik! dieses ctg sollte mich auch später noch fertig machen, aber alles schön der reihe nach. meine hebamme kam kurze zeit später und untersuchte mich. sie gratulierte mir, der muttermund war komplett offen! halleluja, dachte ich, das war ja einfach (und ich betrachte das nicht als meine leistung, ich habe da wohl eher eine gute konstitution geschenkt bekommen)! ein anderer teil meines verstandes kam aber irgendwie noch nicht hinterher, dass es jetzt „richtig“ los gehen sollte. Ich bekräftigte noch mal meinen wunsch, in die wanne zu wollen und meine hebamme ging los um wasser einzulassen. als sie wieder kam, schienen ihr aber die herztöne des babies nicht zu gefallen und sie sagte, das mit der wanne würde wohl nichts, wir müssten direkt gegenüber in den kreisssaal. ich war enttäuscht. ich kann gar nicht sagen wie enttäuscht. und was hieß das überhaupt, dass die herztöne nicht so toll sind? war das was ernstes? muss ich mir sorgen machen? jetzt kamen die wehen aber so heftig und schnell hintereinander dass ich offen gestanden nicht weiter über das baby nachdachte, sondern daran, die schmerzen zu verarbeiten. im nachhinein muss ich ein bisschen an zirkeltraining denken: erst aufs bett und am tuch hängen (ich hatte in einem video was über die rückenmuskulatur gesehen, und dass der untere teil sich gut entspannt, wenn der obere angespannt ist. ich streckte also meine arme und meinen oberen rücken und hoffte, das macht unten alles locker). dann in die tiefe hocke. das blöde wehenschreiberdings verrutschte ständig, was ich am rande mitbekam und einfach nervte. die hebamme tastete mich bei jeder wehe ab, was ich irgendwie unangenehm fand. vermutlich wollte sie schauen, wie tief das köpfchen war oder wie es im becken lagt. vielleicht hat sie es mir auch erklärt, aber ich war nicht mehr besonders aufnahmefähig. ach ja, vorher schon (bei der aufnahme?) wurde mir ein zugang gelegt. präventiv wie es hieß. ahso, präventiv zugang aber keine unterschrift für kaiserschnitt und co? aber weiter in der reihenfolge: die tiefe hocke fühlte sich ganz ok an und ich merkte einmal, wie das köpfchen endlich in den geburtskanal flutschte. offensichtlich stresste aber der druck das baby zu sehr und ich wurde zum geburtshocker gebracht. noch angenehmer, aber die wehen wurden schwächer…ich weiß nicht, wie viel zeit bereits vergangen war, aber ich wurde aufs bett gebracht und sollte mich auf die seite liegen. NEVER wollte ich so liegen. das kreißbett war für mich eine horrorvorstellung. aber ich sollte ein wenig kraft tanken und für das baby war es wohl auch besser. ich fühlte mich schlecht. weiter kann ich nicht ganz der chronologie folgen, weil alles vor mir verschwimmt, aber es ging ungefähr so weiter: die ärztin schaute rein. sie erklärte mir, sie könnte blut aus dem köpfchen des kindes abnehmen um zu gucken, ob es genug sauerstoff hatte. vermutlich sagte sie das genau so und sachlich. was ich hörte? WIR BOHREN EIN LOCH IN DEN SCHÄDEL IHRES KINDES UND HOLEN DA BLUT RAUS! und wie sollten sie das tun? durch den bauch? durch die scheide? dann müsste ich ja still auf dem rücken liegen NÄCHSTE WEHE luft holen, mann angucken….NEIN! auf keinen fall. – die ärztin hat sich sinnvoll verhalten und vermutlich wäre diese mikroblutuntersuchung hilfreich gewesen. hätte mir zu einem selbstbestimmten weiteren verlauf der geburt geholfen. hätte man mir noch mut zusprechen sollen, diese untersuchung machen zu lassen? wurde hier meine meinung und mein wunsch respektiert? oder bin ich selber schuld, dass ich diese untersuchung abgelehnt habe und es deshalb so weiter ging, wie es weiter ging? selbstbestimmung ist ein schweres wort…ich glaube, die ärztin ging noch mal und es wurde mir vorgeschlagen, einen wehentropf anzulegen. NEIN, das wollte ich doch nie! ich hatte doch wehen! stark und schnell hintereinander. man legte es mir noch mal nahe und ich stimmte zu, schließlich war mir ja klar, dass es jetzt mal langsam voran gehen musste. ironie des schicksals: alle geräte sind irgendwie auf rechtshänderinnen ausgelegt. ich wollte aber schon den zugang lieber rechts haben, da der linke arm eben mein „bewegungsarm“ ist. nein, alles musste auf die linke seite, ich fühlte mich so noch mehr in meiner bewegungsfreiheit eingeschränkt. der zugang oder der schlauch oder irgendwas fiel ständig raus, was ich selber gar nicht merkte.

offensichtlich kam die ärztin wieder. meine hebamme ging zur eingangstür und unterhielt sich mit ihr. hinterher erzählte sie mir, dass sie ihr sagte, wir probieren es noch ein paar minuten und sie würde sich dann wieder melden. die ärztin kam aber zu mir und sagte: sie sind aber auch schon ganz geschwächt, wir sollten mal über einen kaiserschnitt nachdenken. ich war fix und alle. ja, ich war erschöpft (laut geburtsbericht dauerte die austreibungsperiode nun schon drei stunden oder mehr), ich habe nur einmal gemerkt, dass das köpfchen das becken gen ausgang verlassen hat. ich hatte „schlechte herztöne“ im ohr und „blut aus dem kopf abnehmen“. ich wollte, dass das alles aufhört. der oberarzt wurde dazugerufen (ich weiß nicht, wer ihn holte), der nickte auch. ich stimmte zu. ich hätte auch zugestimmt, wenn man mir vorgeschlagen hätte, das kind mit einem löffel aus meinem bauchnabel zu schaben. hauptsache ende.

der wehentropf wurde gegen einen wehenhemmer ausgetauscht. tja, irgendwie war dafür aber ein anderes gerät notwendig, dass irgendwo verliehen war. mir musste ein neuer zugang gelegt werden und offensichtlich durfte eine ärztin im praktikum an mir genau das üben. mein arm war jedenfalls am tag danach blau und grün. meine hebamme griff dann durch und holte einen anderen arzt, der mir dann den zugang vernünftig legte. die anästhesistin kam mit ihren fragebögen und ich setzte sowas wie eine unterschrift drunter. der mann erzählte mir hinterher, er wär ihr am liebsten an die gurgel gegangen, weil sie jedesmal die augen verdrehte, wenn ich mit einer wehe beschäftigt war, statt ihr zu antworten. nun denn, hektik, fahrstuhl, op. wie gut das tat, als der schmerz nachließ. meine hebamme wurde noch mal weggeschickt (!) weil eine wehende frau mit dickem bauch und ihre beleghebamme offenbar nicht ausreichten, um dem op-team zu beweisen, dass hier ein kaiserschnitt gemacht werden sollte, sie musste die 5 etagen wieder hoch und die ‚überweisung‘ holen. naja, ab hier ging alles schnell: ruckelruckel, ein schwacher schrei. der mann geht mit hebamme und baby kurz in den nebenraum, dann wird mir das baby ins bett gelegt, wir fahren wieder hoch, kommen in den kreissaal, werden in ruhe gelassen, später gewaschen, das baby gewogen…mutter und kind „wohlauf“.

und ich war mit der frage allein: warum wurde es ein kaiserschnitt? ich hatte kein schlechtes gewissen, meinem baby gegenüber, wie so viele mütter. minime war gesund und ich behaupte, ihm war es pupsegal wie er auf die welt kam. mir aber nicht. ich fühlte mich übergangen, allein gelassen und verwundbar. in dieser situation, die ich nicht kontrollieren konnte, in der ich den körpergewalten ausgeliefert war. ich bekam auch keine eindeutige antwort auf die frage, warum der kleine nicht auf dem „natürlichen“ weg raus wollte. ja, er hatte die nabelschnur rucksackartig umwickelt. aber sooo lang ist der ausgang ja auch nicht. lag er vielleicht auf dem trockenen und konnte das köpfchen nicht mehr in den ausgang drehen? aber fruchtwasser wird ja ständig neu gebildet und einmal hat er es ja immerhin in die richtige richtung geschafft. weder mein gynäkologe noch die hebammen auf der station wollten/konnten mir sagen, warum es nicht geklappt hat. ich fühlte mich als versagerin. letzten endes waren es vielleicht die zeitparameter, die die ärztin dazu bewogen, jetzt auf nummer sicher zu gehen. in den geburtsbericht schrieb sie „patientin wünscht kaiserschnitt“. ich hasse sie dafür.

wow, ich bin dann doch ein wenig ausgeufert. worauf ich hinaus wollte: ich war „gut vorbereitet“ und hatte alle vorkehrungen für eine „natürliche, interventionsarme“ geburt geschaffen. die eröffnungsphase war für mich ein spaziergang. manche interventionen hätte ich aber gewollt (einlauf, papierkram), andere währen vielleicht sogar sinnvoll gewesen (mikroblutuntersuchung). bei den einen wurde mein wunsch nicht gehört, bei den anderen wurde mein wunsch sofort ernst genommen, obwohl es anders vielleicht sinnvoller gewesen wäre. was heißt also selbstbestimmung unter der geburt und wer trägt dafür die verantwortung? ich glaub da gibt es keine eindeutigen antworten. eine freundin sagte vor der geburt zu ihrer hebamme, sie wolle auf keinen fall eine pda. unter der geburt fragte sie mehrfach danach, aber ihre hebamme hielt sich an den zuvor geäußerten wunsch. meine freundin ist damit sehr glücklich, es „ohne“ geschafft zu haben. was aber, wenn sie diese pda wirklich „gebraucht“ hätte, wenn sie ohne pda traumatisiert gewesen wäre? was ist da selbstbestimmung?

meiner hebamme, um es noch mal deutlich zu machen, mach ich keine vorwürfe: sie war die meiste zeit an meiner seite, war damit beschäftigt, neugierige hebammenschülerinnen fern zu halten, das ctg zu überwachen und gelegentlich wieder an ort und stelle zu bringen, mir was zu trinken zu reichen, die ärztin im praktikum zu verjagen die keinen zugang legen konnte, mir gut zuzureden, sie „mogelte“ einen cm vom muttermund weg (behauptete also ggüber der ärztin, wir seien erst bei 9cm) um etwas zeit zu schinden undundund.

DIE NACHWEHEN

ich ging mit minime zur babymassage. in der ersten stunde sollten wir uns kurz vorstellen und auch erzählen, wie die geburt verlief. ich erzählte, dass minime mit kaiserschnitt geboren wurde, ich aber nicht genau wüsste, warum. darauf sagte die kursleitende hebamme „vielleicht waren sie nicht entspannt genug“. ich hätte meine sachen packen und gehen sollen. aber ich glaubte, sie hatte recht. darüber hinaus hat der kaiserschnitt zur folge, dass ich mir den nächsten geburtsort noch genauer aussuchen muss: hausgeburt bleibt wegen immer noch gleicher wohnung tabu und es gibt auch wenige hebammen, die nach einer kaiserschnitt eine hausgeburt betreuen. das geburtshaus schließt frauen mit vorangegangem kaiserschnitt als kundinnen aus. das nächste krankenhaus, dass bekannt dafür ist, den gebärenden sehr viel zeit zu lassen und kaiserschnitte nur bei medizinischer indikation (oder auf ausdrücklichen wunsch im sinne eines echten wunschkaiserschnitts) durchzuführen, und das sogar eventuell in der wanne (ja, davon träum ich immer noch) ist über 20 minuten autofahrt weg. zwar sagen viele, die zeiten von „einmal kaiserschnitt, immer kaiserschnitt“ sind vorbei, dennoch mach ich mir gedanken.

SELBSTGEBOREN

ich fühle mich nicht von dem projekt angegriffen. mir ist total klar, dass auch ich mein kind selbstgeboren habe und die geburt weder schlechter oder besser war, weil es ein kaiserschnitt wurde. aber MIR hätte so ein buch im vorfeld ganz sicher nicht geholfen. mir persönlich ging es mit dem kaiserschnitt nicht gut, ich fühlte mich ausgeliefert und verlassen. nicht in den augen anderer mütter oder solcher hebammen. aber diese biologisierung von mutterschaft und geburt, diese natürlichkeitsrhetorik und co machen nichts besser. selbstbestimmt kann auch das bestehen auf „eingriffen“ sein. und ausschließlich den gebärenden zu suggerieren, sie seien für diese selbstbestimmung verantwortlich, entweder dadurch, dass sie sich den richtigen geburtsort, die richtige hebamme aussuchen oder „entspannt“ sind, ist purer hohn und verkennt diesen ausnahmezustand. ein sinnvolles projekt, das gebärende ermutigt sollte dazu beitragen, dass die ganze spannweite von geburtsabläufen sichtbar gemacht wird, damit man ein realistisches gefühl dafür bekommt, was eine erwarten kann. dass vielerorts auch unnötige interventionen statt finden, steht da noch auf einem anderen blatt, denn darauf hat die gebärende selbst kaum einfluss. da müssen die fachleute, hebammen, gynäkolog_innen und auch diejenigen, die für die abläufe bei geburten sonst noch mitverantwortlich sind dran arbeiten. diese „bürde“ kann man nicht auch noch den frauen auflasten.

(und das bei diesem projekt frauen und menschen, die nicht „selbstgeboren“ haben und dennoch mütter/eltern sind unsichtbar gemacht werden, lass ich außen vor)

vielleicht überarbeite ich diesen text noch mal. ich habe immer noch das gefühl, viele punkte eigentlich nur umkreist zu haben. darum bin ich doppelt gespannt auf eure leseeindrücke und kommentare! vielleicht hilft mir das beim „weiterdenken“

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Väter (Mütter sind Eure beste Lobby…)

auch wenn der mann hier selten erwähnt wird und mich darum schon werbeanfragen erreichten, die mich als alleinerziehende gewinnen wollten – er ist da (achtung, es könnte sein, dass ein lobpudeliger abschnitt auf den mann an meiner seite folgt, bevor ich zum ‚eigentlichen‘ thema komme. wen sowas nervt, einfach den folgenden absatz überspringen ;-))

ich musste mit ihm nie über die dauer unserer elternzeit diskutieren. er WOLLTE bei minime die hälfte. bei nummer zwei beantrage ich ein jahr, da ich grade arbeitslos bin. ich werde aber ab dem sechsten monat nach nummer zweis geburt wieder stellen suchen, und sollte ich vor ablauf der elternzeit und bevor wir eine andere betreuungsoption gefunden haben, eine stelle finden wird der mann die betreuung übernehmen. wir streiten manchmal über bestimmte haushaltsgeschichten. aber nicht weil ER zu wenig macht, sondern weil wir unterschiedliche ’spleens‘, vorlieben und abneigungen haben und eine_r_m natürlich am anderen immer die sachen auffallen, die man selbst gern anders hätte. ergo: ich habe gern den küchentisch aufgeräumt und leer und hasse es, wenn dort zeitschriften oder die einkäufe rumliegen. dafür hat er gern den bereich neben der spüle (da wo wir brote schmieren, teig rühren, tee kochen) aufgeräumt und gewischt. naja, man hat halt unterschiedliche vorlieben. aber um es kurz zu machen: ich würde NIE auf die idee kommen, zu sagen, „er hilft mir im haushalt“. als wir bei minime noch eine betreuungslücke an einem nachmittag die woche hatten, hat er bei seinem arbeitgeber den antrag auf reduzierung seiner wochenarbeitszeit gestellt (wir haben die lücke dann anders geschlossen, aber ich find, es geht ums prinzip). ohne das wir drüber geredet, bzw. ich ihn darum gebeten habe. als ich im letzten halben jahr mit erst 30, dann 40 stunden gearbeitet habe, musste er gelegentlich einen job absagen. als mir mal ein „danke dafür“ entfuhr, schüttelte er nur mit dem kopf. sei doch logisch. als minime da war und der mann das erste mal wieder ins büro musste, war ich neidisch. für mich schien sein büro das paradies: eine autofahrt ohne kinderweinen. mit kolleg_innen kaffee trinken und ein gespräch führen! und dann schlief er nachts auch noch durch. und wenn er das nicht tat, beschwerte er sich am nächsten morgen über müdigkeit! ER! dabei bin ICH doch aufgestanden, habe die flasche gemacht, gefüttert, windel gewechselt, das baby in den schlaf geschunkelt. am wochenende stritten wir dann darüber, wer als erstes ausschlafen durfte. als wir dann nach 6 monaten die rollen tauschten wurde mir aber auch klar: ok, nachts im tiefschlaf unterbrochen zu werden ist auch nicht toll, wenn man liegen bleiben kann (auch wenn es ’nur‘ drei wochen dauerte, bis ICH die erste nacht durchschlief, morgens den mann anstrahlte und sagte: na, das war doch ne gute nacht, oder? und er mir fast an die gurgel ging…). dass im büro tatsächlich arbeit wartet, die eine_n fordert, kopfarbeit, für die man besser ausgeschlafen ist. zu hause will man dann ruhe haben, aber da warten dann ein baby und der haushalt. überraschung…ergo: es war gut und für unsere beziehung auf augenhöhe nicht unerheblich, dass wir beide beide seiten verstanden.

und das schreib ich euch nicht, um zu sagen „hey, seht her was für nen tollen typen ich erwischt habe“, sondern um deutlich zu machen, warum ich folgendes so absurd finde, warum mich diese themen so wütend machen und warum ich es total unverständlich finde, wenn ich für meine dementsprechenden tweets oder facebook-kommentare ausgerechnet von anderen müttern kritisiert werde:

neue väter. über neue väter wird seit einiger zeit in regelmäßigen abständen geschrieben, auch wenn mir immer noch nicht klar ist, was das sein soll. klar, auch männliche rollenbilder sind inzwischen vielfältiger als vor ein paar jahren. das mag also neu sein. in den letzten wochen bzw. monaten erschienen dann obskure schlagzeilen und auch von engagierten vätern geschriebene feuilletonbeiträge, die ich hier noch mal kurz auseinander nehmen möchte:

sigmar gabriel…: der möchte einmal die woche seine tochter vom kindergarten abholen. das hätte ich als nachricht noch gut verkraftet. dass das aber einerseits von ihm so dargestellt wird, dass er ja seiner frau damit unter die arme greift, die selber berufstätig ist (mit wie viel stunden und in welchem job hab ich  nicht rausgefunden) und es andererseits von den medien, aber vor allem auch: von anderen müttern als „vorbild“ abgefeiert wird, darüber komm ich nicht hinweg. zum einen: für welche und wie viele väter taugt jemand wie gabriel als „vorbild“ – wie viele jobs kann man mit seinem vergleichen? mir ist schon klar, dass jemand der an der regierung eines landes beteiligt ist, das idealerweise mit vollem einsatz tut und gewisse ereignisse, auf die er reagieren muss, sich nicht an seinen zeitplan halten. aber ist er vorbild für den finanzbeamten im mittleren management? den handwerksmeister mit eigenem betrieb? den freiberuflichen webdesigner? den fließbandarbeiter im schichtdienst? und als ich diese kritik via twitter rausließ wurde ich angefahren (wie gesagt, von anderen müttern), dass man mit dieser kritik ja schon jeden funken im keim ersticken würde, und überhaupt irgendwo müssten die väter doch anfangen. ich war verdutzt. was haben solche mütter für partner an ihrer seite? männer, die bei der kinderbetreuung helfen? (mir ist schon klar, dass 1. unsere aufteilung von elternschaft eine ausnahme ist und es in vielen elternschaften ‚traditioneller‘ zugeht, das ist auch nicht immer falsch oder anders machbar. aber so ein kleines „zugeständnis“ abzufeiern ist mir trotzdem zuwider). das waren übrigens oft die gleichen mütter, die häme über kristina schröder schütteten, weil diese erkannte, dass zwei vollzeitaufgaben in der politik (ministerin und abgeordnete) sich mit der familie nicht vereinbaren lassen und darum eine aufgabe sein ließ. für sowas hab ich total verständnis, das klingt total logisch. ich würde wenn überhaupt darüber streiten, wie der anteil ihres partners aussieht, aber da sie weiterhin einen posten hat, der vermutlich über eine 40stundenwoche hinausgeht, wäre das treten auf leute, die schon am boden liegen…

vereinbarkeit von familie und beruf ist eine lüge: ach was? dieser artikel erreichte mich in den letzten urlaubstagen via iphone und darum überlas ich erst, dass er aus vätersicht geschrieben war. ich wunderte mich darum, dass die ZEIT sich diesen „banalen“ themas überhaupt noch annahm, wo doch nichts neues drin stand! bis ich verstand: das neue war eben genau diese vätersicht. ich gähnte müde und dachte nur: na, willkommen im club! und das mein ich völlig sarkasmusfrei. engagierte elternschaft und wirtschaftliche logik passen nicht zusammen. nicht mutterschaft ist das kernproblem. was mich auf dem arbeitsmarkt zum beispiel von meinem partner unterscheidet ist nicht die gelebte elternrolle (die wir beide für gleichwertig halten), sondern die, die von uns erwartet wird: während ich mich in vorstellungsgesprächen darauf einstellen muss, mich nach kinderbetreuung fragen lassen zu müssen, danach, ob ich bereit bin, auch dienstreisen zu übernehmen und aufgrund der tatsache, ein (bald zwei) kind(er) zu haben quasi vorweg bezweifelt wird, meinen job ernsthaft erfüllen zu können, zweifelt keiner der auftraggeber meines partners daran, dass er den job, der eine woche abwesenheit im ausland erfordert, annimmt.

wenn nun väter im arbeitsleben kundtun, dass sie ihren anteil an der elternschaft mehr als „erwartet“ übernehmen wollen, stößt das in der regel auf ablehnung. das ist kacke. aber auch nicht mehr, als die tatsache, dass es müttern schon quasi vorweg so geht. mir geht es nicht darum, vätern zu untersagen, dass sie sich beschweren (hätte ich überhaupt nicht die macht zu!), sondern ich wünsch mir, dass sie sich mit müttern zusammentun, vielleicht sogar mit ihren frauen und diese unterstützen? wenn so viele väter einspruch erheben würden, wenn mütter irgendwo diskriminiert werden, wie sich mütter bei mir über meine kritik an jammernden vätern beschwert hätten – dann nehm ich an, seh die welt bald besser aus!

väter, die nicht dürfen: in der nido erschien ein artikel über „maternal gatekeeping“. kurz gesagt meint das: mütter lassen den vätern keine chance, sich an der kinderbetreuung oder am haushalt zu beteiligen. weil sie selber alles besser machen und wissen und den mann mit einem flockigen „lass mich mal machen“ auf seinen untergeordneten rang in der haushaltshierarchie wiesen. … … … bei solchen artikeln fall ich vor lachen immer fast vom stuhl. ich stelle mir dann nämlich folgendes vor: eine frau und ein mann bewerben sich um einen aufsichtsratsposten. der mann erklärt, warum er der bessere kandidat ist. irgendwann fällt die frau dann ein und sagt: „ach komm, lass mich mal machen“. und der mann duckt seinen kopf zwischen die schultern und verlässt wortlos den schauplatz. klingt unwahrscheinlich? well, wieso das zu hause dann funktionieren soll, versteh ich nicht. zugegeben, bei uns gabs das auch, als minime ein baby war und ich mehr zeit mit ihm verbrachte. wenn er weinte und der mann nachts aufstand um ihn zu beruhigen war ich auch schon mal hinterher und sagte: „ach komm, gib ihn mir…“ der mann schaute mich daraufhin mit gerunzelter stirn an, sagte: „hälst du mich für blöd? geh und leg dich wieder hin, lass mich mal machen“. und ich? hab ich ihn etwa brüsteschwengend vom wickeltisch gejagt? ihm minime aus der hand gerissen und weggejagt? (*kchkch, ich lache immer noch) ich löse auf: nein! ich war sehr dankbar und bin wieder zurück ins bett. also liebe väter, sprecht mir nach: „LASS MICH MAL MACHEN“ und übt das dreimal täglich vorm spiegel. alles andere was es zu diesem blöden artikel noch zu sagen  gibt hat das nuf aufgeschrieben.

das waren nur ein paar beispiele was es aus meiner sicht so über väter zu schreiben gibt. darin habe ich noch nicht mal aufgenommen, dass vaterschaft immerhin eine option ist. oder das man als vater eben auch mal über privilegien nachdenken könnte.

und zum weiterlesen:

alsmenschverkleidet über linke szenemackerpapis

jochen könig bei den fuckermothers über die 50/50-teilung von (heteropaar)elternschaft

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Über Körper und Schwangere

*zu beginn direkt einen disclaimer: da ich meine subjektive perspektive hier festhalte, werden nicht alle ‚körper‘ im kontext von schwangerschaft sichtbar gemacht. welche reaktionen z.b. lesbisch lebende, trans-*, partnerlose frauen oder frauen, deren körper als behindert eingeordnet werden erleben, wenn es um das thema schwangerschaft & körper geht bleibt hier außen vor, über links zu erfahrungsberichten freue ich mich. einiges zum thema, wer kann/darf überhaupt schwanger werden/sich reproduzieren findet ihr auch im letzten podcast der mädchenmannschaft über reproduktive rechte

in den letzten tagen brodelt ein thema in meiner timeline: schwangerschaft und körpererfahrung. in der süddeutschen wird berichtet, dass schwangere gar essstörungen entwickeln, bei twitter werden unter dem hashtag #alsichschwangerwar kommentare gesammelt, die schwangere (und ja: soweit ich das verfolge, auch nur eine bestimmte gruppe von schwangeren/müttern) sich über ihren körper anhören durften. ich will hier meine ganz persönliche schwangerschafts-körpergeschichte erzählen und versuchen, sie ein wenig in den gesamtgesellschaftlichen kontext zu bringen. der text fällt also in die kategorie „laut gedacht“…

„glaubst du, dein freund findet dich seit der geburt eures kindes weniger attraktiv?“ die frage überraschte mich. gleich zweimal: dass sie mir jemand stellte. und dann, weil ich sie mir noch nie gestellt habe. auf den gedanken wär ich so nicht gekommen. dazu gleich mehr. in die gleiche kerbe schlugen aussagen von (kinderlosen) freundinnen, die mir offen sagten, schwanger werden käme für sie nicht in frage (unabhängig vom kinderwunsch), die veränderungen an ihrem körper würden sie abschrecken. zunächst konnte ich solche aussagen nicht einordnen. aber letzten endes liegt es klar auf der hand: so lange weibliche körper in einer gesellschaft als objekte betrachtet werden, über die geurteilt werden kann und darf wie mensch will, wird eine frau* eben vor allem an ihrem körper und aussehen gemessen. und das schwangerschaft und geburt diesen nicht unverändert lassen, will ich überhaupt nicht leugnen.  da allgemeinplätze a la „aber dafür hast du ein kind zur welt gebracht“ als ratschläge zu verteilen find ich unangemessen.

für manche ist es wirklich empowernd, zu wissen, der eigene körper ist in der lage, ein neues lebewesen hervorzubringen. ich habe lange gebraucht, das nicht gering zu schätzen. gering zu schätzen im sinne von: „naja, das machen frauen seit beginn der menschheit, das ist ja keine ‚leistung'“. nur, weil ich bewusst keine anstrengungen unternehme. im kapitalistischen sinne. dabei doch sehr wohl merke, wie „anstrengend“ es ist, ständig müde zu sein, außer atem, den rücken grade halten undundund. und andersrum nicht in den umkehrschluss zu verfallen, körper abzuwerten, die diese „leistung“ nicht erbringen (können/wollen; und damit meine ich nicht männer).

ich konnte mit den veränderungen meines körpers relativ entspannt umgehen. zum einen, weil ich meinen „frieden“ mit meinem äußeren schon vor minimes geburt gemacht habe. frieden im sinne von: ich bin eh nicht perfekt (ohne zu leugnen, dass ich wohl das bin, was mensch als ’normschön‘ bezeichnet, weder auffallend hübsch noch das gegenteil. zumindest hat man beides noch nicht zu mir gesagt…). auch ohne schwangerschaft und geburt wird mein körper sich alters- und schwerkraftbedingt verändern, genau genommen hat er das zwischen meinem 20. und 30. lebensjahr sogar mehr, als während der 9 monate schwangerschaft. ich habe über 30 jahre gebraucht, um so was wie „meinen eigenen stil“ zu finden, herauszufinden welche farben und klamottenschnitte mir stehen und dass ich die nicht in den gängigen klamottendiscountern finde. ich habe sogar schon mal das gemacht, was man gemeinhin als schönheits-op versteht, bin also auch nicht auf der seite derer, die vehement „steh zu deinem körper, wie er ist“ vertreten. ich habe rosazea, eine chronische hautkrankheit die mit antibiotika behandelt wird, die ich in der schwangerschaft nicht nehmen darf und darum momentan aussehe, wie mit 16, als die krankheit noch akne hieß. und ob mein partner mich noch attraktiv findet? ich glaube. und sollte unsere beziehung bisher lediglich auf der straffheit meiner haut oder festigkeit meiner brüste beruht haben, war sie ja nicht viel wert. außerdem: an der schwangerschaft war er ja nicht unbeteiligt. dennoch sehe ich sehr wohl, dass sich stets das recht herausgenommen wird, über schwangere körper zu urteilen. auch ich bekam „komplimente“ wie „abgesehen vom bauch sieht man gar nicht, dass du schwanger bist“, oder „du siehst schon wieder aus wie vor der schwangerschaft“, auch ich bekam ratschläge wie „mehr als 8 kilo muss man aber wirklich nicht zunehmen“.

darum richtet sich mein appell letzen endes nicht an die schwangeren a la „entspannt euch“ oder „schaut mal, was euer körper da leistet“. in der schwangerschaft treffen die schönheitserwartungen dieser gesellschaft geballt auf eine ein, weil ein schwangerer körper noch mehr objektifiziert wird, beurteilt und bewertet werden darf, schließlich meint mans doch nur gut und weiß es besser! oder wie es im eingangs erwähnten artikel der süddeutschen steht:

„Schwangere Frauen sind ja Empfängerinnen vieler verschiedener – sich zum Teil widersprechender – Rollenanforderungen. Neben schlank bleiben gilt es ja auch, dem Nachwuchs keine wichtigen Nährstoffe zu verweigern. Sie sollen alle vier Wochen zur Vorsorge bei der Gynäkologin, zur Geburtsvorbereitung, zur Kreißsaal-Führung, zum Beckenboden-Training, sollen Bücher lesen und Zimmer herrichten, nicht ständig in Tränen ausbrechen, sollen bei der Arbeit Bescheid sagen, wann sie wieder arbeiten kommen, sollen Gelder beantragen, Krippenplätze organisieren, nicht blöde rumglucken und immer schön fickbar bleiben. Aber, ganz wichtig, das Wunder annehmen, sich auch mal fallen lassen, die Weiblichkeit umarmen und ständig in sich reinhören. Eine liebevolle Mutter werden eben“ (hervorhebungen von mir) – sich widersprechende anforderungen und erwartungen, wie so oft, wenn es um frauen geht.

die kommentare unter dem artikel springen ebenfalls hart mit den schwangeren und müttern um: „Die andere Seite, das Bemühen nach der Geburt den früheren Zustand des Körpers wiederherzustellen sollte für eine gesunde Frau kein Problem sein und sie auch nicht übermäßig beanspruchen.“ – steht da zum beispiel (geschrieben von einem reinhard). oder mütter reagieren mit zweifelhaften texten, die zwar die zunahme während der schwangerschaft rechtfertigen, aber ansonsten mit fraglichen definitionen von über- und normalgewichtig um sich werfen. oder frauen, die die schuld bei heidi klum und co. suchen, die kurz nach der geburt wieder mit schlanken körpern in die kamera lächeln. da mag ich  nicht mitmachen. für mich wird lediglich wieder mal deutlich:

der körper einer frau ist nie ihre privatsache. der einer schwangeren erst recht nicht. die schuld bei denen zu suchen, die sich diesem diktat unterwerfen (beispiel heidi klum & co, aber auch den frauen, die aus angst vor den veränderungen vor einer schwangerschaft zurückschrecken) finde ich nicht weiterführend. so gar nicht. die mechanismen, die hinter diesen anrufungen und erwartungen an (schwangere) weibliche körper stecken stets bewusst machen und sich vor augen führen, das kann helfen. gegenseitige unterstützung statt bewertung, kritik an medialen, utopischen bildern und co – das wünsch ich mir mehr.

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Mein Senf zu #aufschrei

ich habe bisher nichts zu #aufschrei getwittert und geschrieben. nicht, weil es da nicht genug zu schreiben gäbe. eher weil

– ich mich in vielem wieder gefunden habe. ich lese diese tweets und denke: check, check, check, omg gott sei dank nicht!, check, nö, check… naja. alltag eben.

– weil andere sich bei diesen tweets  nicht wiederfinden konnten. ein paar haben ihre erfahrungen dann unter #queeraufschrei zusammen gefasst.

– weil ich keine lust hatte und habe, dass meine erlebnisse von anderen, von leuten die mich kennen und von solchen, die nicht, bewertet werden. die ersten diskussionen und blogeinträge und die ganzen darstellungen in den malestreammainstream-medien haben das sehr deutlich gezeigt: ach, stell dich nicht so an! ach komm, war doch nur nett gemeint! ey, der ist doch bloß betrunken! du, der arme hatte schon lange keine freundin mehr, nimm den nicht so ernst! du bist doch sonst nicht auf den mund gefallen, warum hast du denn nichts gesagt? dich nicht gewehrt?

denn DAS finde ich das eigentlich erbärmliche an der diskussion. dass der blick auf mich/die betroffenen gelenkt wird. denn ja, oft merkte ich erst spät, dass da ein (sexueller) übergriff statt gefunden hat. das hat mich schon oft ohnmächtig gemacht. weil ich das früher nicht so benannt hätte, nicht hätte benennen können. denn ich bin jemand, der grundsätzlich ihrer wahrnehmung nicht traut. denn was habe ich schon früh gelernt? es kann nicht sein, was nicht sein darf! das ich von lauter gutmeinenden menschen umgeben bin. und womöglich meine sicht der dinge nicht stimmt.

tja, und sich wehren? klar, kann man. aber der übergriff, die erfahrung ist ja trotzdem schon passiert. das arschloch bleibt ein arschloch. neulich erzählte eine freundin, sie war an einem frauen*tag in einem autonomen zentrum. zutritt nur für frauen*. zwei typen hatten das offensichtlich nicht mitbekommen, wollten einlass. die mitarbeiterin verwehrt den typen den eintritt und kriegt von einem dieser arschlöcher eine gescheuert. sie hat sich gewehrt. ändert nix an der tatsache, dass sie geschlagen wurde. ausnahmen? einzefälle? ich denke, allein die masse der tweets zu dem thema spricht eine andere sprache. und da ich schon länger bei twitter bin und auch schon länger feministin gibt es da auch #werbrauchtfeminismus, #ichhabenichtangezeigt und #hollaback – alles seiten und hashtags die schon seit langem offen legen, wie tief sexismus in dieser gesellschaft reicht. ist ja nicht so, als sei feminismus für mich ein schönes hobby, so wie orchideen züchten oder bücher lesen. warte, wenn ich die wahl habe, mich in meiner knappen, freien zeit mit schönen dingen wie bücher lesen zu beschäftigen oder damit, mich in diesem internet und im echten leben über sexismus aufzuregen wähle ich…….?!? genau.

so, weil ihr schon drauf gewartet habt: UND WAS IST MIT DEN MÄNNERN? die sind doch gar nicht ALLE so böse? sollte man nicht GEMEINSAM nach lösungen suchen, und darf man jetzt gar nicht mehr flirten??? (ok, durchatmen, bis 23 zählen und go:)

– schon recht zu beginn, als ich mich feministisch nannte, sagten mir männliche freunde so sachen wie „ich find es aber scheiße, wenn ich nachts wo lang laufe und ne frau die straßenseite wechselt, als sei ich ein potentieller ver*ewltger“. ach, so? tja lieber, man sieht dir deine absichten nicht an. also tu der frau doch den gefallen und wechsel einfach selber die straßenseite. ist ein sehr deutliches signal für: hey, ich tu dir nichts. ich kenne keine frau, die nicht irgendwelche strategien entwickelt hat um in der öffentlichkeit zu signalisieren: komm mir nicht zu nahe, sprich micht nicht an, tu mir nichts! blickkontakt vermeiden, so tun als telefonierte mensch, für das nachhausegehen auf eine freundin warten, auch wenn das heißt, man steht ne stunde auf der party/in der kneipe rum, obwohl man längst ins bett möchte.

– männer scheinen es immer noch für ein ungeschriebenes gesetz zu halten, dass sie den ersten schritt tun müssen (als wenn es bei der sexismusdebatte um FLIRTEN ginge. aber für die merkbefreiten:) und dass das so gewollt ist. wie sollen wir denn jetzt noch flirten? hallt es überall. als wenn ich als (hetero)frau nicht auch ’signale‘ aussenden könnte, den ersten schritt tun. nur lernen frauen eben sehr früh, dass das im zweifelsfall implizit für den typen heißt, alles ist erlaubt. ich will mich nicht ansprechen lassen, auf ein ‚getränk‘ einladen lassen, darauf eingehen und mir hinterher anhören müssen, ich hätte ‚es‘ doch gewollt…

– und lieber leser, wenn du zu den ‚guten‘ gehörst, dir selber nichts vorwerfen kannst und dich jetzt fragst, was du damit machen sollst – erstens: geh einen schritt weiter! selbst wenn du dich nie sexistisch verhalten hast, ich wette, du warst oft genug zeuge davon, dass ein kumpel, kollege oder vorgesetzter sich arschig und sexistisch verhalten hat. genau, dein kumpel der in der kneipe oder im club alles angräbt, was nicht bei drei auf den bäumen ist. der kollege, der dir von den tollen brüsten der praktikantin erzählt. sag ihm, er ist ein arsch. vielen dank. und: les was über consens culture.

—-

puh, dieser artikel arbeitet seit tagen in meinem kopf vor sich hin, ich bin immer noch nicht glücklich damit. schließlich wurde bereits wahnsinnig viel geschrieben, vermutlich auch schon alles, was ich jetzt dazu noch sagen konnte.

und wem das hier grad zu wenig muddi-minime-berichterstattung ist, der komme doch hier zu meiner facebook-seite

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Liebe Frau Schröder, wir haben nicht mehr 1976!!!

putzgutscheine jetzt also, hm? mir hat’s ja die sprache verschlagen, deshalb kam ich bisher gar nicht dazu, meinen senf dazu zu geben. ich versuche ja auch immer nachsichtig zu sein, mich in andere leute hineinzuversetzen. was also könnte frau schröder und konsorten auf die idee gebracht haben, putzgutscheine könnten dabei helfen, frauen den ‚wiedereinstieg‘ zu erleichtern??? ich mein, ICH war nur ein halbes jahr in elternzeit, da find ich den begriff wiedereinstieg irgendwie unangebracht. trotzdem gab es natürlich hindernisse. und ICH bin immer davon ausgegangen, mir würden folgende punkte helfen:

1. ausreichend kinderbetreuungsplätze, wohnortnah, großzügige öffnungszeiten und mit bestens ausgebildeten und empathischen erzieher_innen (oder tagespflegemenschen).

2. arbeitgeber_innen, die nicht beim begriff „mutter“ direkt an ausfallzeiten und mangelnde flexibilität denken

3. arbeitszeiten, bei denen „flexibel“ heißt, ICH kann mir aussuchen wann ich arbeite und idealerweise gibt es dazu mehr „vollzeitnahe teilzeitstellen“ (liebe frau schröder, war auch ihre idee, oder?)

tja. putzhilfe, darauf wäre ich gar nicht gekommen. der herzensmensch und ich sind relativ gleich gleichgültig gegenüber dreck (auch wenn wir unterschiedliche lieblings- und hassaufgaben haben, so dass wir es natürlich trotzdem schaffen, uns anzumoppern). ich hab mir dann so ein heteropaar vorgestellt,  dass folgenden dialog führt:

sie: „schatz, die kinder gehen jetzt zur schule, ich habe tagsüber so ein leeres gefühl von langeweile. ich glaub, ich geh wieder arbeiten“

er: „ja schatz, das klingt nach einer guten idee. dann könntest du ein bisschen unsere urlaubskasse auffüllen. dann könnten wir mal auf die malediven, statt auf die kanaren. ABER: wehe, hier sieht es nach einiger zeit aus wie in einer studentenbude. dann verbiete ich dir, arbeiten zu gehen“

UND DANN FIEL ES MIR WIE SCHUPPEN VON DEN AUGEN: frau schröder ist in den siebzigern hängen geblieben! gut, wenn man ihre backlash-politik kennt, verwundert das eigentlich nicht. aber mir fiel wieder dieses gesetz ein, was erst 1977 abgeschafft wurde: da musste der ehemann der frau noch ERLAUBEN, dass sie arbeiten gehen darf. und ich glaub im wortlaut (den ich grad auf die schnelle nicht gegoogelt habe) stand da auch noch was von „sofern die ehefrau ihre familiären pflichten nicht vernachlässigt, also haushalt, kindererziehung und regelmäßigen geschlechtsverkehr

also liebe leute, habt nachsicht mit frau schröder und ihrer partei. die scheint seit 1976 im dornröschenschlaf zu sein. liebe piratenpartei: ich drück euch die daumen, dass das mit der zeitmaschine noch klappt. ich empfehle frau schröder als erste reisende. von der vergangenheit in die gegenwart, bitte.

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Feministin und Mutter Sein – Müssen nur wollen?

(Edit 27.03.2013: Ich freue mich, diesen Artikel noch bei der Blogparade von BerlinFreckles verlinken zu dürfen – „Jede Mutter zählt“ heißt die und weil das eben so ist mach ich mit)

Wie geht das, Feministin und Muttersein?

Das war für mich vor Minimes Geburt gar keine Frage. Was sollte sich schon ändern? Ich bin Feministin, dann werd ich eben auch noch Mutter. Gehe weiter meiner Karriere in der Wissenschaft (ich hätts ja eher Berufung genannt) nach, liebe ganz bestimmt mein Kind und werde glücklich.
Und ja, mein Bild war schon sehr eingeschränkt. Ich dachte, wer Feministin ist und Mutter, muss genau so denken – Berufstätigkeit unbedingt! Man muss nur genug wollen…
Dann kam das Kind und ich merkte: Wollen und Können sind nicht ein und dasselbe. Deshalb wundert es mich eher, dass nicht alle Mütter Feministinnen sind, oder jedenfalls mehr. Wenig legt die patriarchale Struktur dieser Gesellschaft so offen, wie das Muttersein, find ich.

Um ganz subjektiv ein paar Ereignisse zu schildern: Ich wurde schwanger als ich grade einen Arbeitsvertrag hatte, der anderthalb Jahre lief. Ich ging ein halbes Jahr in Elternzeit und erfuhr währenddessen, das mein Vertrag nicht verlängert würde. Obwohl die Stelle durchaus weiterläuft. Da der Vertrag einfach auslief, und ich nicht mal gekündigt werden musste, gab es weder aussagekräftige Gründe der Arbeitgeberin, noch die Möglichkeit, einen Personalrat einzuschalten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Mitten in der Doktorarbeit in einem anderen Projekt einsteigen? Von vorne anfangen? Dafür in eine andere Stadt, mit befristetem Vertrag? Nein Danke. Will ich also nicht genug?
Ich schrieb Bewerbungen. Wenn ich in der Bewerbung das Kind erwähnte, kam es gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch. Wurde ich zum Vorstellungsgespräch geladen und erwähnte dann mein Kind gab es unverschämte Reaktionen. Letzen Endes bekam ich eine auf vier Monate befristete Teilzeitstelle. Das Gehalt liegt unter dem, was ich an ALG I bekomme. Und so sehr ich auf die naiven Mütter mit ihren Milchmädchenrechnungen geschimpft habe – ich gestehe, dass die Gleichung in der letzten Zeit bei mir immer öfter aufging. Ich werde müde.
Ja, ich hab mich auch auf volle Stellen beworben. Die vollen, unbefristeten Stellen sind ja eher die Nadel im Heuhaufen. Und erst dann hätte es Sinn gemacht, mit meinem Partner über die Reduktion seiner Stunden zu sprechen. Was in seiner Branche immer noch nicht einfach gewesen wäre. Denn Minime wird nur in Teilzeit bei einer Tagesmutter betreut. Was Anderes war hier in Köln nicht zu finden.
Unabhängig davon: Wenn ich schon nicht in der Wissenschaft arbeite, will ich auch gar nicht Vollzeit arbeiten. Von diesem Modell des Gleichheitsfeminismus, der immer vom männlichen Normalarbeitsverhältnis ausgeht, habe ich mich längst verabschiedet.

Denn ob man als Mutter feministisch ist, hat nichts (oder meist nur sehr wenig) damit zu tun, ob man als Ehe-/Hausfrau und dreifache Mutti oder als in Vollzeit berufstätige Managerin glücklicher ist. Es hat auch nichts damit zu tun, ob man acht Wochen oder drei Jahre Elternzeit nimmt, ob und wie lange man stillt oder nicht, ob man ein Kind oder fünf Kinder hat. Sofern dies “individuelle” Entscheidungen sind. Vielmehr macht sich das “Feministin und Muttersein” in einem Bewusstsein deutlich, dass es neben individuellen Entscheidungen auch strukturelle Ungleichheiten und Notwendigkeiten gibt, die eine_n daran hindern, so zu leben, so Mutter zu sein, wie man möchte:
Die Eine hätte gerne fünf Kinder. Kann aber keine bekommen, warum auch immer, jedenfalls nicht ‘auf natürlichem Wege’. Adoption steht aber nicht jeder offen. Schon gar nicht, wenn sie Single, Lesbe, Frau mit Behinderung, arm…* ist. Eine Andere wollte nie Kinder, wird ungewollt schwanger und treibt aufgrund des gesellschaftlichen Drucks in ihrem sozialen Umfeld nicht ab.
Die eine wäre gerne Hausfrau, weil aber der Hausbau, das neue Auto, die Hobbies der Kinder oder schlichtweg die Haushaltskasse das nicht zulassen, arbeitet sie in einem unbefriedigendem Job. Die andere hätte gerne weiter ihre Karriere verfolgt. Da sie aber immer nur auf befristeten Projektstellen arbeitet, die Kinderbetreuungssituation schlecht ist und ihr_e Partner_in dagegen den unbefristeten Vollzeitjob hat, bleibt sie länger als geplant zu Hause, findet in ihren alten Job nicht zurück und muss sich beruflich umorientieren. Und da wir hier in Deutschland sind: es mögen doch bitte nur Deutsche Kinder kriegen. Von „den Anderen“ gibts ja eh schon genug, die mögen sich bitte nicht auch noch vermehren (Sarkasmus off).

Drei Punkte, die ich für eine feministische Mutterschaft wichtig finde:

  1.  Sich kein X für ein U vormachen lassen! Man müsse nur genug wollen, so wie auch Frau Schröder gerne jeder weiß machen will, dann klappt das schon, ts. Wahlfreiheit? Das ich nicht lache! Ich kenne viele Mütter, und habe mich manchmal auch so gefühlt, die ihr Scheitern (an den ursprünglichen Plänen fest zu halten) als persönliches Scheitern erleben. Keine Frau oder Mutter scheitert am Wollen. Zwar stellt man manchmal fest, dass man plötzlich etwas anderes will – das ist in Ordnung. Aber in dieser Gesellschaft liegen zwischen dem Wollen und dem Können immer noch mehr strukturkonservative Menschen als man meint.
  2.  Naivität kann sich keine leisten. Denn die Milchmädchenrechnung bleibt eine Milchmädchenrechnung. Es kann ja jede gerne Hausfrau und Vollzeitmutter werden. Aber bitte – wenn möglich – an die eigene Absicherung denken. Vielleicht so, wie Rike das mit ihrem Mann getan hat.
  3.  Statt das eine Muttermodell über das andere zu stellen gemeinsam gegen die politischen und gesellschaftlichen Zustände stellen. Ob man sich dafür in einer Partei organisiert, oder bloß die Parteiprogramme genau durchliest und sein Kreuzchen dementsprechend an der richtigen Stelle macht. Oder einen Verein gründet (ich denke da grade drüber nach. Einen Namen habe ich schon – Wahlverwandtschaft e.V. Wenn ich ein paar ruhige Minuten finde, mehr dazu auf meinem Blog).

Hauptsache gemeinsam, statt gegeneinander!

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No Teams. Just Content.

also, stellt euch mal vor:

  • da stellen ein paar leute fest, dass es in diesem land mehrere parteien gibt! die wollen zwar alle das gleiche (dieses land regieren, es sogar gut regieren. es zu einem netten, tollen land machen und so), aber haben unterschiedliche ansichten wie das geht. unterschiedliche prioritäten, welches problem als erstes angegangen werden muss. die leute, denen mal aufgefallen ist, dass da mehrere parteien nicht das gleiche wollen sind ganz empört und sagen: „ey leute, schließt euch doch mal alle zu EINER partei zusammen und einigt euch auf den kleinsten gemeinsamen nenner! das verschwendet nich so viel energie und dann kommen wir auch mal voran. dann wirft man euch auch nicht mehr vor, dass ihr euch selbst zerfleischt“.
  • deine waschmaschine ist kaputt und du rufst einen handwerker. der sagt: „jo, ist kaputt. wie reparier ich die jetzt?“ oder auch: „jo, ist kaputt. reparieren sie mal selbst, ich mach mir doch nicht die hände schmutzig“

seltsam? merkwürdig? stimmt. jetzt stellen aber hinz und kunz fest, dass nicht alle feminist_innen einer meinung sind. also fordern hinz und kunz, dass sich doch alle feminist_innen auf das WESENTLICHE konzentrieren mögen, auf das ZIEL, den kleinsten gemeinsamen NENNER. die ganzen diskussionen über das WIE und welche verbündeten man wählt, wo die meisten probleme sind und wo man zuerst anfängt – das verschwendet doch nur energie! da sagen also feminist_innen, dass es da probleme gibt, überraschung! gleichberechtigung ist (noch) nicht überall erreicht. da sagen andere: jo, das stimmt. dann sagt mal, wie ihr das lösen wollt. aber lasst mich mit euren problemen in ruhe und wehe, ich muss was dafür tun.

feministinnen aller richtungen, vereinigt euch? hört auf zu streiten, MACHT doch mal endlich? nope. diskussionen sind wichtig, notwendig. über inhalte kann, muss man streiten. auch ich glaube gerne, dass ich DEN einzig richtigen weg habe. aber es ist mein weg, nicht der einzige weg. manchmal überkreuzen sich wege, manchmal gehen sie parallel, treffen sich aber nie. so what?

warum ich aber selber vermutlich nie in die politik gehen werde: ich hasse es, wenn nicht über inhalte gesprochen wird, nicht miteinander gesprochen wird. wenn bloß auf den schwächen und fehlern der anderen partei  rumgehackt wird. nicht mein stil. denn hinter den äußerungen stehen echte menschen. ich möchte auch nicht auf twitter, facebook, wordpress bloß gestellt werden (und im ‚real life‘ natürlich auch nicht). nicht als feministin, nicht als mutter, nicht als mensch. ich möchte nicht, dass jemand mich retweetet oder namentlich zitiert und dann sagt: „guckt mal, was die blödes sagt“.  ich möchte nicht, dass jemand mit dem finger auf mich zeigt und sagt: „boah ist die blöd“.   das ist aber in der politik und oft auch in der (feministischen) netzwelt alltag. darum gilt mein ‚gefällt mir‘ meine likes meine favs, retweets und meine zustimmung aussagen, inhalten. nicht personen oder bestimmten richtungen. no teams, just content.

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Qualifikation: kinderlos, Wünschenswert: totale Verfügbarkeit

so, der erste monat arbeitslosigkeit ist rum. ich hab es mir nicht einfach vorgestellt, als mutter auf dem arbeitsmarkt, aber ein paar knüller, mit denen ich nicht gerechnet habe, gab’s trotzdem. nachdem ich mich von der vorstellung, was nettes an der uni zu finden (also nett im sinne von: nicht perfekt, nicht in der nähe, schon gar nicht unbefristet oder vollzeit, aber immerhin) innerlich schon getrennt habe, schaue ich inzwischen auch wieder in den bereich, den ich in meinem ersten leben verfolgt habe: sozialpädagogik. da, sollte man meinen, gibt es sie bestimmt: die teilzeitstellen im pendelbereich.

erste stellenanzeige, bei der ich dachte: super, klingt toll. aus der lokalzeitung, darum wenig informationen, nur dass es eine – theoretisch – feministische einrichtung ist, 25 std. pro woche arbeitszeit, aufgabe – betreuung von kindern und jugendlichen. ich ruf also an, um – so das vorhaben – mich über inhalte, vertragsdauer, tarif und so zu informieren.

ich: guten tag, ich rufe an wegen der ausgeschriebenen stelle. da steht 25 std., wie verteilen die sich denn so?

antwort: auf montags bis freitags von 9 bis 17 uhr.

ich: (rechne) – das sind aber 40 stunden?

antwort: ja, das sei nicht immer so vorhersehbar. manchmal müsste man auch bis in die abendstunden bleiben.

ich: und dann an allen fünf tagen? ich frage weil ich einen kleinen sohn habe. kinderbetreuung sei nicht das problem (hust), ich würd nur gern wissen, an wievielen tagen und wie lange ich welche bräuchte.

antwort: ja, hm, also meine kollegin hat grade gekündigt, weil sie einen zwei jahre alten sohn hat. also das glaub ich nicht, dass das geht. die einrichtung ist ja auch ein bisschen außerhalb…

ich: ???

—–

stellenanzeige nr. 2, wohneinrichtung für menschen mit behinderung, 50- oder 80%stelle. auch hier wenige informationen, aber ich schicke eine schriftliche (ausgedruckt! mit mappe! ohne zu erwähnen, dass ich ein kind habe!) bewerbung hin, weil ich hoffe, direkt beim gespräch meine fragen loszuwerden. ich werde auch recht kurzfristig per mail gebeten, mich vereinbarung eines vorstellungsgesprächs telefonisch ans sekretariat zu wenden und mache einen termin aus. ich komme an, werde ins büro der heimleiterin gebeten und darf platz nehmen.

heiml: ja, fangen wir direkt an, wollen sie 50% oder 80%?

ich: (überrumpelt. dachte ich hör erst mal was zur einrichtung, oder werde nach meiner motivation und qualifikation gefragt). tja, theoretisch hätt ich gern die 80% (in der stellenanzeige stand genau genommen 50 BIS 80 %, was auch immer das hätte heißen sollen), aber aufgrund der tatsache, dass ich ein kleines kind habe und annehme, man wird hier schichtdienste machen (ging aus der anzeige nicht hervor) seien 50% besser.

heiml: (wühlt in meinen bewerbungsunterlagen) ah, kind. ja ist so, bei 50% wären das zwei bis drei spätdienste pro woche und ein wochenende im monat.

ich: ja, ok.

heiml: ja wissen sie, bei uns wollen alle mütter in den frühdienst, von acht bis eins. wenn da jemand ausfällt, wollen alle rein.

ich: …

heiml: ich suche schon jemanden der zuverlässig ist.

ich: jaja, ich habe schon damit gerechnet, dass man hier schichtdienst arbeitet.

heiml: hm, das hätte man telefonisch vielleicht schon gleich abklopfen können.

ich: ??? (das ganze gespräch war insgesamt 10 minuten lang. ich habe noch nach tarif gefragt, den sie mir nicht nennen konnte, aber zuschicken würde. ach ja, und nach meinem aufgabenfeld. ob die heimleitung noch fragen hätte – nein – und tschüss…)

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wow. das macht mich wütend. sowas von! ja, die stellen wären von der zeit her nicht optimal gewesen. aber welche stelle ist momentan für mich schon optimal? aber ich habe bis vor einem monat auch gearbeitet, und bin zwei bis dreimal die woche nach bochum gependelt, was bis zu 4 stunden fahrtzeit pro bürotag war. wie ihr an den diaologen fest stellen könnt, kam die frage zu meinen qualifikationen gar nicht erst auf – klar, man arbeitet ja nur mit menschen. hauptsache verfügbar. und ich kann noch so sehr betonen, dass ich das hinkriege. mein partner und ich haben uns die elternzeit 50/50 geteilt, würd ich auf einer halben stelle arbeiten, würden wir es weiterhin so halten, dass an meinen arbeitstagen er im falle des kinderkrankseins zu hause bleibt bzw. jemand organisiert der sich ums kind kümmert, ich an den anderen tagen. egal wie sehr wir also im 21. jahrhundert ankommen, auf die arbeitgeber trifft das nicht immer so zu.

ich kann deren perspektive sogar ein bisschen nachvollziehen: erstens sind es beides frauen gewesen, ob mütter weiß ich nicht. aber die wissen auch, das oft eben die realität ist, dass sich die mütter um die kinder kümmern, also ausfallen wenn kind krank oder kita zu (obwohl ich überzeugt bin, dass ausfälle derlei art seltener vorkommen als angenommen. schon weil man sich so viele plan bs bis zs überlegt für den fall des falles). und in sozialen (sic!) einrichtungen ist der personalschlüssel auch meistens eher mau. aber was denken die sich eigentlich, wer sich auf halbe stellen bewirbt?

die heimleiterin hatte sich dann in einer email noch fürs vorstellen bedankt und mir den haustarif zugeschickt. sie würde sich freuen, wenn ich hospitierte. mein bauchgefühl sagt nichts gutes. vor allem weil ich ihr nicht beweisen müsste, dass ich gut arbeite. sondern dass ich gut funktioniere. ich wünsche ihr die teilzeitkraft, die sie verdient.

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