Archiv der Kategorie: feminismus

Mein Minirock und ich

Der HöhlenmenschQuotenmann möchte wissen, ob man frauen trauen kann, die minirock tragen und behaupten, sie täten das nur für sich und um sich wohlzufühlen. denn:

„Wenns ums Wohlfühlen ginge, würden dann diese Damen nicht im Schlabberpulli und Trainerhosen in die Öffentlichkeit? Das ist bequem, da fühlt man sich wohl. Oder vielleicht noch in einem luftigen Kleidchen. Beim Minirock gehts um sexuelle Attraktivität – und daran ist auch nichts Anrüchiges“

lieber höh…quotenmann, es ist so: mode ist was feines. man kann damit unterschiedlichste sachen und stimmungen ausdrücken, sich verstecken oder inszenieren undundund. es ist ein bisschen wie täglicher karneval, maskerade. wer bin ich heute?

ich bin ja meist so die praktisch veranlagte: ich mag sachen, die bequem und praktisch sind, schuhe, in denen ich auch einem bus hinterherlaufen kann, ein paar popkulturelle andeutungen auf dem t-shirt, ein bisschen hippie, ein bisschen punk. es gibt aber auch tage (die sicher, wenn ich den quotenmann richtig verstehe, sehr nahe um den eisprung liegen, nackte haut und so – dann hätte ich etwa alle drei monate selbigen, aber lassen wir das. er lässt es dann ja auch) an denen ich lust habe, weiblichkeit zu inszenieren. das führt in meinem fall nicht zum tragen eines minirocks, eher zu einem tief dekollierten oberteil, roten lippenstift und absätzen, mit denen ich jedem gulli fern bleiben muss. oder ich trage ein kleid, dass auch nicht wirklich praktisch und alltagstauglich zu nennen ist. was wohlfühlen dann heißt, lieber quotenmann, ist folgendes:

an dem tag bin ich gut drauf. ich hab meine schwarze alltagskleidung satt, ich möchte mal ‚wer anders‘ sein, mich ‚verkleiden‘ (ohne nicht mehr ich zu sein), – alltagskarneval eben. die laune ist gut genug, um die zwei (oder 12, hängt grad so vom leben ab) überflüssigen kilo zu ignorieren, und auch eher die weniger anerkennenden blicke. wohlfühlen heißt in erster linie also: ich bin gut drauf. gut gelaunt genug um auch mit folgender argumentation klar zu kommen:

„…sie nerven sich über die männliche Aufmerksamkeit (ausser natürlich über die Aufmerksamkeit von charmanten, gutaussehenden Männern)“

tja, da haben siewir wohl ein weiteres definitonsproblem, wenn es um den begriff ‚aufmerksamkeit‘ geht. ich kann nur für mich sprechen: gegen kurze, anerkennende, verstohlene blicke habe ich sicherlich nichts einzuwenden. aber was viele typen unter ‚aufmerksamkeit‘ verstehen, verstehe ich eindeutig als belästigung: glotzen, hinterherpfeifen, ungefragte kommentare, eindeutige grapscher (huch, tut mir leid, der bus ist aber wieder voll) – die liste ist lang. ich mein, was für ne aufmerksamkeit soll das sein, wenn ich also in minirock oder mit tiefem ausschnitt durch die stadt latsche? dass mir jm. seine telefonnummer zusteckt? zu der unterwäsche (was der liebe quotenmann glücklicherweise gleich wieder unter den tisch fallen lässt, weil es ja müßig ist): was in ihrem kopfkino so vorgeht, kann ich nicht verhindern, aber ein minirock ist bestimmt nicht die aufforderung an typen, die antwort rauszufinden.

also nochmal: wenn ich mich mal so richtig aufbrezel, dann weil ich an dem tag so gut drauf bin, dass es mir mal egal ist, dass wildfremde menschen meinen körper bewerten und ungefragt kommentieren. weil ich spaß an der inszenierung habe. also TROTZ vermeintlicher aufmerksamkeit. ganz sicher nicht WEGEN einer aufmerksamkeit, die für mich übergriffig ist. an guten tagen kann ich diese übergriffigkeiten lediglich besser ignorieren.

was mich daran so aufregt, ist die vermutung einer absicht (sexuelle attraktivität – signalisieren einer verfügbarkeit für männer), die schnell zu einem umkehrschluss führen kann: wenn sie sich so anzieht, dann WILL sie doch auch: angeglotzt, angesprochen, angefasst werden. NEIN, willse nicht! was für ein frauenbild steckt denn dahinter? eine frau zieht sich einen minirock (oder ein anderes ‚aufreizendes‘) kleidungsstück an, weil sie aufmerksamkeit möchte, die sie nicht dadurch erzielen kann, die GEWÜNSCHTE person (sollte es da eine geben), nämlich genau die, die ihr vielleicht attraktiv erscheint, selber anzusprechen?

wenn ihr lieben, netten typen euch jetzt wieder über die eingeschränkten kommunikationsmöglichkeiten zu frauen aufregt, kann ich wieder mal nur auf diesen artikel verlinken: „Wie verhalte ich mich möglichst nicht wie ein Arsch“ – und auch auf danis großartige zusammenfassung „warum hallo nicht einfach hallo ist“

ich bin sogar so nett, und fasse noch mal – aus meiner sicht – zusammen:

1. wenn ich mich aufbrezel, dann weil ich gute laune habe und mich wohl fühle.

2. wenn ich mich aufbrezel, dann bestimmt nicht für dich .

3. wenn ich mich aufbrezel, ist mir deine meinung dazu egal.

4. wenn ich mich aufbrezel, und in meinem kopf ein film läuft, mit nicht jugendfreiem inhalt, dann bin ICH die regisseurin und ich warte ganz bestimmt nicht auf deinen einsatz.

5. wenn ich mich aufbrezel, dann nicht als einladung, damit du mich über die schultern packen und in deine höhle mitnehmen kannst.

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…to be continued…

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Gender Studies vs. Feminismus

hä? ist das nicht dasselbe? offensichtlich ist gender studies doch die theoretische beschäftigung mit feminismus? nöö, gender studies „analysieren das hierarchische Verhältnis der Geschlechter“(1) und betrachten das auf verschiedenen ebenen, wie der repräsentation in medien, der situation in bestimmten gesellschaften undundund. feminismus ist das eintreten für die gleichheit (als ausgangspunkt, also gleiche möglichkeiten) aller (aller? nein nur zweier – aber auch daran wird kritik geübt) geschlechter. „Als minimale gemeinsame Definition (verschiedener feministischer Strömungen, M.T.) kann das Aufbegehren von Frauen gegen ihre Unterdrückung, Marginalisierung, (soziale) Diskriminierung, (wirtschaftliche bzw. sexuelle) Ausbeutung gelten und ihr Bestreben nach einer Gleichstellung der Geschlechter in allen sozialen und kulturellen Bereichen“ (2).

natürlich gibt es zwischen gender studies und feminismus zahlreiche überschneidungen – ohne feminismus hätte es die gender studies nie gegeben und feministische aktivist_innen holen sich regelmäßig theoretischen input aus den gender studies. aber nicht alle feminist_innen studier/t/en gender studies und nicht alle menschen, die sich akademisch mit gender beschäftigen, sind feminist_innen. beispiele aus meiner erlebniswelt: die fachschaft gender studies wählt den einzigen männlichen* studenten zum fachschaftsratvorsitzenden. in meinem seminar sagt eine studentin zu einem frauen/lesben/wohnprojekt, sie fände das bedenklich, weil „die“ sich dadurch ja isolieren von „der gesellschaft“. wenige student_innen sind politisch aktiv.

ich habe 2005 angefangen gender studies zu studieren, seit 2009 unterrichte ich in diesem fach und forsche. und „leider“ hat das dazu geführt, dass ich viel mehr grund sehe, politisch aktiv zu werden als mir lieb ist. auch wenn das oft heißt, im gemütlichen nahraum zu sagen, was ich scheiße finde (was mir als harmoniesüchtigem menschen eigentlich echt.schwer.fällt). auch wenn das heißt, zeit, die auch bei mir rar ist, mit politischer arbeit (und damit mein ich nicht ausschließlich parteilich organisierte politik) zu verbringen.

und ich hoffe, dass die student_innen der gender studies, die die hochschulen verlassen, selbstbewusst als feminist_innen ins berufs- und familienleben ziehen und nicht meinen, mit ein bisschen gender mainstreaming oder an frauen gerichtete vereinbarkeitspolitik sei ihre aufgabe als gleichstellungsbeauftragte oder diversitymanagerin getan. dass dekonstruktion und performativität von geschlecht nicht heißt, dass alles egal ist und jede_r sich die welt und ihr geschlecht so basteln kann wie sieeres möchte. dass nicht alle frauen gleich und familie nicht vater-mutter-kind sind. dass soziale ungleichheit nach dem studium nicht aufhört.

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Mein Gendercamp 2012: Awareness, Privilegien und viele tolle Menschen

von donnerstag bis sonntag war ich auf dem gendercamp. ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, so viel hab ich gelernt, so viele neue eindrücke gewonnen und so viele tolle menschen kennen gelernt – ich hab die letzten zwei nächte im anschluss so wirr geträumt, und hätte eigentlich noch zwei tage urlaub hinten dran hängen müssen, denn ‚back to normal‘ fällt nach diesen erlebnissen echt schwer.
das gendercamp war ein barcamp, d.h. kurz, kein fertiges programm, nur ein zeitrahmen, der von den teilnehmenden thematisch gefüllt wird. ich war erstaunt, wie gut das klappte – so viele leute, die sich trauten workshops anzubieten oder vorträge zu halten fand ich sehr beeindruckend, ebenso wie die themenvielfalt. das ganze fand auf einem zur tagungsstätte umgebauten bauernhof in norddeutschland statt (mehr zum rahmen bei antje*).
minime hab ich mitgenommen, weil der herzensmensch beruflich verhindert war und ich trotzdem fahren wollte. die anreise (mit minime allein im auto, 6 stunden fahrt…) klappte erstaunlich gut, auch weil ich seine mittagsschlafenszeit mitgenutzt habe. ich kam dann später als der offizielle beginn gestartet hatte an, und habe deshalb u.a. verpasst, wer zum orga- und ‚awareness‘-team gehörte – kann aber nur sagen, dass beide für meinen eindruck einen tollen job gemacht haben!
was habe ich also mitgenommen? zum einen habe ich viel über awareness und meine eigene sprecherinnenposition gelernt. ich bin ja letztes jahr über diverse blogs damit konfrontiert worden, dass viele das gendercamp, bzw. menschen dort, sehr übergriffig empfanden. so war ich ein wenig, naja, vorbelastet, was das anging. und dass ich es als sehr ’sicheren‘ ort erlebt habe, hat vermutlich sehr mit meiner position zu tun. und ich weiss in einem fall sehr konkret, dass ich was echt dummes, unsensibles gesagt habe, was eben nicht sehr von awareness zeugt, und kann sonst nur hoffen, dass ich nicht in allzu viele fettnäpfchen getreten bin. ich werde mich auf jeden fall noch mehr mit machtvoller/m und diskriminierender/m sprache und verhalten beschäftigen. wie das zum beispiel ein ‚mann‘ erlebt hat, kann man bei simon nachlesen. am kommenden wochenende fahre ich zu einer gewerkschaftsveranstaltung und bin mal gespannt, wie ich das, mit dem was ich jetzt ‚gelernt hab‘, empfinde. und ich habe mir auch auf dem gendercamp vorgestellt, wie ich in den unigremien und -seminaren vorschlage, quotierte erstredner_innenlisten einzuführen…
minime hat die zeit sehr genossen, ich habe das camp auch als sehr aufgeschlossen gegenüber der anwesenheit von kindern erlebt. nachdem auch geregelt wurde, dass die kinderbetreuung mal von anderen, als den anwesenden eltern übernommen werden kann, mangelte es nie an bereitwilligen. es zeigte sich aber eine deutliche unsicherheit von leuten ohne kind, wie mit diesen – insgesamt – fünf noch sehr kleinen menschen umzugehen ist. das vergisst man schnell, wie das war, als plötzlich ein kleiner haufen mensch in meinen armen lag…
ABER es gab auch einwände, über die ich noch sehr viel nachdenken muss**, und deshalb fasse ich hier nur grob zusammen, wie meine interpretation bis jetzt aussieht: es wurde deutlich, dass die kleinen menschen – nicht als menschen selbst – ein (in ermangelung eines besseren wortes) politikum waren. mir wurde jedenfalls nochmal sehr klar, in welcher paradoxen gesellschaft wir leben. denn einerseits ist der aufruf da, (mehr) kinder zu bekommen, aber gleichzeitig richtet sich dieser aufruf nur an bestimmte menschen – menschen wie z.b. mich. gut situierte, gesunde, deutsche heterofrau (ich könnte alles in anführungszeichen setzen, auch im folgenden, aber ihr wisst schon) in fester partnerschaft. wieso?
– das mit dem kinder kriegen war relativ unkompliziert. selbst wenn nicht, hätten mir reproduktionsmedizin und adoptionsverfahren offen gestanden.
– die politik spricht manchen menschen das recht auf elternschaft, reproduktionsmedizin, adoptionsverfahren und co. ab. wer als krank/behindert, homosexuell oder sonst nicht ‚der norm entsprechend‘ definiert wird, hat kein ‚recht‘ auf familie.
– auch wer es sich schlichtweg nicht leisten kann, wird – wie bei hartz IV – bestraft. kinder sind ein luxus, den man sich leisten können muss.

– es besteht wenig akzeptanz, nicht-‚biologische‘ familienverbände zu gestalten und mit ‚biologische‘ familien gleichzustellen (wobei es der gesellschaft eigentlich egal ist, wer z.b. der biologische vater ist, jedenfalls wenn man a) verheiratet ist, dann ist der mann automatisch als vater anerkannt, ob er das kind nun gezeugt hat oder nicht, oder b) ein mann die vaterschaft anerkennt. ich hätt also auch den pförtner des jugendamtes mitnehmen können. aber nicht: meine lebensgefährtin. so viel zur ’natürlichen‘ verwandtschaft)

bestimmt habe ich noch einiges übersehen, aber ich denke noch nach und ergänze den post bei gelegenheit.

jedenfalls bin ich sehr froh darüber, tolle neue menschen kennengelernt zu haben und bedaure, nicht genug zeit gehabt zu haben, mit allen zu sprechen. aber vielleicht gibt es ja ein ’nächstes mal‘!
p.s.: entschuldigt all die anführungszeichen, klammern und schwurbelsätze, aber im kopf ist noch zu viel los…
—-
* wobei ich ihr gefühl, des ’nicht satt geworden sein‘ nicht teilen kann – die sessions und workshops fand ich zwar spannend und interessant und manchmal auch informativ, aber ‚gelernt‘ hab ich beim drumherum.

** bei medienelite und adrianlang mehr dazu

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Stammtisch(e)

ich mag das prinzip stammtisch. man trifft sich zu festgelegten zeiten an festgelegten orten und trifft nette leute. für diejenigen, die wie ich in köln (oder umland) wohnen daher zwei hinweise:

1.  es ist zwar albern zu glauben, dass, nur weil ihr leutemitkind (mütter, väter, wie auch immer) seid und meinen blog lest, wir uns im echten leben unglaublich gut verstehen würden. aber hey, vielleicht ja doch? wenn ihr also lust habt, an einem ’stammtisch für leute mit kind‘ teilzunehmen – schreibt mir in den kommentaren oder eine email an doktor.indie(at)gmail.com – ich organisier dann einen tisch in einem familienfreundlichen cafe und dann schaunmermal!

2. und wenn ihr feministisch interessiert seid, wendet euch doch an die mädchenmannschaft-regionalliga und bittet um aufnahme in den verteiler. regelmäßige treffen mit netten leuten aus dem raum bonn/köln/düsseldorf garantiert!

 

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Ich hasse Seminare…

…in denen ich den studierenden immer wieder grundlegendes beibringen soll. meine seminare haben immer einen bezug zu ‚gender studies‘, ohne grundlagen vermitteln zu können. offenbar ist es in unserem sowi-studiengang nun so, dass man ziemlich lange studieren kann, ohne mit dem thema geschlechterforschung in berührung zu kommen. das heißt, statt mich dem eigentlichen thema meines seminars zu widmen, muss ich irgendwie immer wieder bei adam und eva anfangen. das überwinden der zweigeschlechtlichen ordnung? albern! benachteiligung von frauen? das war ja im letzten  jahrhundert!

und dann sitzt da immer, in jedem semester, mindestens ein so n macker. aktuell einer, der die texte noch nichtmal liest, aber natürlich trotzdem zu  allem was sagen kann. selbst wenn er nichts sagt, den kopf schüttelt oder die augen verdreht. der die referentin löchert, wie viele menschen denn da befragt wurden – das sei doch nicht repräsentativ! genau, antworte ich, dass sei eine qualitative-explorative studie, da geht es weniger um verallgemeinerung, als darum, einen tieferen einblick in zusammenhänge zu bekommen. das lässt er nicht gelten und ich lege ihm nahe, ein seminar zur qualitativen forschung zu belegen, denn das jetzt auch noch zu unterrichten, dafür fehle uns im seminar die zeit.

es geht – unter anderem – um das thema ‚raumgreifen‘ und ich schlage den studierenden vor, ein kleines ‚experiment‘ zu machen. mal eine belebte straße lang zu gehen und zu gucken, wer ihnen ausweicht und wer nicht. wieder der macker: ich könne doch jetzt nicht von sowas darauf schließen, dass männer immer die bösen sind…da fühlt sich wohl jemand angegriffen. und ich mich provoziert. soll ich WIEDER erklären, dass es nicht darum geht, wer gut sei und schlecht, wer täter und opfer? so einfach sieht auch die geschlechterforschung die welt nicht. aber dass es strukturen gibt, die dafür sorgen, dass – viele – frauen immer noch diskriminiert werden. und dass auch männer, die zu der ’netten‘ sorte gehören, von der patriarchalen dividende (also davon, dass wir in einer gesellschaft leben, für die männlichkeit die norm, weiblichkeit das abweichende, untergeordnete ist) profitieren. und dass sich dies auch in den themenfeldern wohnen, stadtplanung, architektur, raum greifen, überhaupt sich öffentlichen raum aneignen zu können, safe spaces undundund nieder schlägt – dann wäre ich wieder bei einer einführung in die gender studies.

jedes mal wieder dieses öde gefühl, mich von diesen mackern provozieren zu lassen, statt schlagfertig und souverän rüber zu kommen. dafür fehlt mir aber wohl ein penis und ein doktortitel.

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„feminists don’t have a sense of humor, feminists and… vegetarians“

ich habe es zwar schon mal an anderer stelle gepostet, aber das video wurde eh vom ‚benutzer entfernt‘ und der song ist immer wieder toll… schönes wochenende!

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Haben Männer kein Geschlecht?

die frage stell ich mir immer, wenn ich aus meinem seminar komme. ich gebe referatsthemen selten vor, also thema ist natürlich das seminarthema, aber ich mache keine ‚textreferate‘, bei denen studierende einen text wiederkäuen, der eigentlich von allen gelesen werden sollte oder so. manche überfordert das verständlicherweise. was mich dennoch wundert: wenn es um ‚gender‘ geht kommen als vorschläge seitens der studierenden (überspitzt und zusammengefasst): „frauen in männerberufen“, „benachteiligung von frauen in der globalisierung“ oder so. männer (von anderen geschlechtern ganz zu schweigen) kommen nicht vor, auch das geschlechterverhältnis als thema gänzlich. dabei mache ich am anfang immer auch darauf aufmerksam, dass jeder mensch ein geschlecht hat, bzw. diesem zugeordnet wird – wieso kommt das bei studierenden nicht an?

darum betrachte ich gegenwärtige trends in der geschlechterpolitik und -forschung auch mit gemischten gefühlen: einerseits waren männer in der geschlechterforschung, die traditionell eben aus der frauenforschung kommt, lange untererforscht(also eigentlich ja nicht, sie galten als norm, aber dadurch wurden ergebnisse eben verallgemeinert). in den letzten jahren zeigt sich männerforschung dagegen als topthema. ich kann die konferenzen, vorträge und professuren zu der thematik gar nicht mehr zählen. finde ich generell in ordnung, ist ja auch ein thema, aber essentialisiert – ungewollt – auch wieder die geschlechtergruppen ‚frauen‘ und ‚männer‘, die durch den rhetorischen wechsel von ‚frauen-‚ zu ‚geschlechterforschung‘ aufgebrochen wurde. das zum einen. und die konservative politik macht aus dem komplexen feld ‚männerforschung‘ bestenfalls schlichte forderungen wie: männer in kitas und grundschulen, oder piraten und ritter in diktate. grauenhaft. männerförderung statt frauenförderung wo die ressourcen eh schon knapp sind. da stimmt was nicht, find ich.

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Natur. Wissenschaft. Und der ganze Rest…

(da einige berechtigte kommentare und anmerkungen zu diesem eintrag auch auf facebook (girls on web society) kamen, wollte ich kurz erläutern, welche situation, bzw. gespräche mich dazu inspirierten, mich diesen themas zu widmen: „Und, was machst Du so?“ „Och, ich arbeite an der Uni und unterrichte Studierende der Gender Studies“ „Ach…? (setze hier beliebige Phrasen ein die in etwa enden mit) aber es gibt doch biologische Unterschiede, was ist mit den Hormonen?“ Naja, ich wollte also keinen wissenschaftlichen Aufsatz schreiben, bzw. in solchen Situationen keinen Vortrag halten. Oder besser: Ich rufe einen Wettbewerb aus: Wie schafft man es mit wenigen Sätzen, der Populärliteratur zum Thema ’natürliche Geschlechtsunterschiede‘ zu begegnen? OHNE Quellenangaben und langatmiges Ausholen. Ist schwer, ich weiß. Darum.

Von daher nehm ich weiter Vorschläge für diese „Kaffee-/Partygespräche“ entgegen! Und lese die in den Kommentaren genanntenTexte für mich 🙂 )

da ich frisch berufstätige mami mir gleich mal ne erkältung eingefangen habe, habe ich immerhin etwas zeit und energie übrig, um einen etwas längeren post zu schreiben, der mir schon länger im kopf rumschwirrt. dabei geht es nicht um natur im zusammenhang mit schwangerschaft, geburt und mutterschaft (den hab ich im kopf aber auch schon fast fertig geschrieben und er folgt bald), sondern um die pseudonaturwissenschaftliche populärliteratur die sich mit geschlechterunterschieden beschäftigt. so hormone, hirnforschung und all das.

ich war nämlich immer etwas ‚überfordert‘, wenn mir jemand in diskussionen letztwortmäßig mit: „das ist rein biologisch/medizinisch so“ kam. schließlich habe ich ja nicht naturwissenschaften studiert (wie übrigens die wenigsten, die o.g. ‚argument‘ verwenden) und will darum nichts falsches sagen. aber ich hab in meiner eigenen handwerkskiste aus den zig semestern historisch-ethnologisch-genderstudies-soziologischen studiums gekramt um zu gucken, ob sich da nicht auch was findet. hier meine bahnbrechenden ergebnisse:

hot topics: es wird immer davon ausgegangen, dass die aktuellen ‚wissenschaftlichen‘ erkenntnisse das nonplusultra sind. dabei zeigt schon ein ganz oberflächlicher blick über die geschichte der ‚wissenschaft‘, dass das, was früher als ‚wahr‘ galt, es längst nicht mehr ist. die erde ist keine scheibe mehr, und schon gar nicht im mittelpunkt des universums. während man früher davon ausging, dass ein missverhältnis der körpersäfte uns krank macht oder einer frau nur die gebärmutter entfernt werden müsste, damit sie nicht mehr ‚hysterisch‘ ist, gilt das heute als medizinischer humbug. warum sollte es dann mit der gegenwärtigen wissenschaft anders sein? sprich: die aktuellen ergebnisse zu hormonen und hirnforschung (genauer: die ergebnisse, die es in die populärliteratur schaffen, denn auch in den bereichen ist man oft schon weiter) sind zwar aktuell, aber in wenigen jahren vielleicht schon völlig überholt. es geht auch immer ein bisschen damit einher, was man – z.b. durch technische geräte – ’sichtbar‘ machen kann, z.b. hirnströme messen und ähnliches.

die hormone sind schuld: wenn männer immer (sic!) sex wollen und eher karriere machen (konkurrenz und so), frauen mies drauf sind (premenstruelles syndrom und so), die kinder hüten usw. euch fallen da sicher noch mehr bereiche ein, in denen für irgendwas, was männer zu männern und frauen zu frauen macht, die hormone verantwortlich gemacht werden.

nun ist es in der medizin inzwischen – glaub ich – relativ unumstritten, dass es sowas wie psychosomatische krankheiten gibt. also dass nicht ein magengeschwür für stress auf der arbeit sorgt, sondern stress auf der arbeit unter umständen für ein magengeschwür. warum sollte es mit hormonen anders sein? hier ist doch ein bisschen das altbekannte henne-ei rätsel der fall oder? nicht die hormone bestimmen zwangsläufig unser wesen (oder das mann/frau sein). ich würde behaupten, es ist wie bei manchen (wohlbemerkt manchen – nicht alle krankheiten sind rein psychosomatisch…) krankheiten: manchmal hat meine erziehung, mein denken und mein handeln auswirkungen auf meinen hormonhaushalt. und vielleicht stellt die forschung in einigen jahren fest, dass das mit den hormonen genauso quatsch ist wie mit den körpersäften. und nicht mal mehr antifeministen würden behaupten, dass frauen ‚dumm‘ sind, weil ihr gehirn kleiner oder sonstwie missgestaltet ist.

(und wer es wagt, mir wegen kaiserschnitt und nichtstillens eine schlechtere mutterbindung zu diagnostizieren, dem hau ich aufs maul. ich würde gerne sagen, dass sei ganz wörtlich gemeint, aber meine gute kinderstube und die tatsache, dass mädchen nicht hauen würden das verhindern).

– „…aber die hirnforschung hat gezeigt“: auch hier gilt das oben gesagte: was war zuerst da – ein nach geschlechtern unterschiedlich aufgebautes hirn und dann der mann oder die frau, oder umgekehrt? wird inzwischen auch von großen bereichen der hirnforschung vertreten. jedenfalls läuft es auch hier wieder auf die henne-ei-frage hinaus.

– fazit: keine wissenschaft ist ‚objektiv‘. das heißt, hinter jedem forschungsergebnis steht ein forschungsinteresse. das gilt für natur- wie für geisteswissenschaften. ob es um das interesse der forscher_innen geht oder der manchmal notwendigen geldgeber.

alle aktuellen forschungsergebnisse sind irgendwann mal alt. mit etwas glück kann man drüber lachen. oft haben sie aber auch schreckliche folgen (z.b. wenn man bedenkt, was im dritten reich als ‚wissenschaftlich‘ richtig galt).

was dann einzug in die populärliteratur und -wissenschaft hält ist immer auch abhängig vom gesellschaftlichen klima. man liest halt, was man lesen will, und hört was man hören will. sonst könnt ich mir den erfolg von mario barth nicht wirklich erklären (der keine populärwissenschaft macht, aber damit auftritt). sowie die kirche lange zeit versucht hat, ergebnisse wie „die erde ist nicht der mittelpunkt des weltalls“ oder „der mensch stammt vom affen ab“ zu verbergen.

…to be continued…

zum weiterlesen empfehle ich den von mirja stöcker herausgegebenen band mit dem – wie ich finde doofen – titel: das f-wort. feminismus ist sexy.

und ich freue mich, falls ihr meine liste ergänzt oder mich auf denkfehler aufmerksam macht. meine nebenhöhlen sind halt zu und erschweren das denken (nicht die mamahormone)

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Arbeit

meine tage am wickeltisch sind fast gezählt. drei wochen noch, dann werden hier die rollen getauscht. ob ich mich freue? jaaaaaaaaaaa!!!! ich arbeite ja an einer uni (50% stelle, nicht wegen kind, sondern weil das da für leute ohne doktortitel so üblich ist) und promoviere ’nebenbei‘. was mich an der uniarbeit begeistert ist, dass man viel freiheit hat. eigentlich. natürlich gibts die ganz normalen ‚zwänge‘ auch. die arbeit erledigt sich nicht von alleine und studierende können mal cool, mal weniger cool sein. für die professor_innen, mit denen man zu tun hat, gilt das gleiche.

zwei tage die woche werde ich in der regel ins büro fahren. lange pendelstrecken inklusive. früher immer so: möööh, schon wieder zug fahren, könnte ja auch besseres tun… jetzt so: yeah, zug fahren! lesen, hörbücher hören, ausm fenster glotzen und NICHTS tun.

die anderen (wochen)tage mach ich mich auf in die bibliothek. morgens in ruhe kaffee trinken, mails checken und mich dann dem denken, lesen und schreiben widmen, so gut es geht. noch klingt es wie luxus.

was mir fehlen wird? nicht mehr jedes ‚erste mal‘ von minime zu erleben. kann schon sein, dass ich nach hause komme und der mann mir freudestrahlend erzählt, dass minime jetzt krabbeln kann. oder sein erstes wort gesagt hat, das dann eben ‚papa‘ lautet und nicht mama. länger zuhause bleiben möcht ich trotzdem nicht.

der einzige schale beigeschmack: das vertragsende in sicht. aber gut, neue herausforderungen, neue chancen. es bleibt spannend

***

gemeinsam spielen klappt noch nicht ganz…

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Liebe Alice (semiöffentlicher Brief)

liebe alice,

eigentlich hasse ich dieses „alice hat ja viel für die frauenbewegung und den feminismus getan, aber…“. aber genau das hab ich gedacht, als ich deinen offenen brief an charlotte roche gelesen habe. ich gesteh vorweg: noch habe ich roches neues buch nicht gelesen. aber ebenso wie bei feuchtgebiete erwarte ich keine autobiographie. auch wenn es ’nah an ihrem leben dran‘ ist, hat roche sicher noch genug fantasie, ein bisschen hinzuzudichten, abzuwandeln, – spielen mit identitäten halt. diese trennung scheint dir nicht möglich – aber du kennst charlotte ja auch persönlich, ich nicht.

charlotte schreibt davon, wie es ist, in zeiten von post- oder popfeminismus, oder wie du es nennst, ‚wellnes-feminismus‘ zu leben und zu lieben. nun liebe alice, die fronten sind heutzutage halt nicht mehr eindeutig, nicht schwarz oder weiß, gut oder böse. die frau (und den mann), egal welcher generation, die ihrem partner/ ihrer partnerin nicht gefallen möchte, will ich sehn! und wo sex in unserer gesellschaft einen platz hat, der absurd öffentlich und doch so tabuisiert ist, schreibt sie halt – wenn auch nur, wie du selbst noch betonst, auf 12 seiten – wie absurde ausmaße das ganze annehmen kann. über die restlichen 264 seiten geht es also noch um andere dinge. und nur weil an dem, was charlotte schreibt, deiner meinung nach nix neu ist, heißt das ja nicht, dass es nicht immer noch, schon wieder, aktuell ist. mehr dazu, wenn ich das buch gelesen habe…aber alice, ‚jungen feministinnen‘ zu sagen, dass das, was sie sagen, schreiben und tun, nicht feministisch ist, ist bevormundend und rückschrittlich. und hilft in diesem fall nicht dir und deinem anliegen, sondern den verkaufszahlen von schoßgebete. „Denn du hast nicht die Lösung, du hast das Problem“,

mit freundlichen grüßen, melanie – die sich nach einem outing als feministin noch nie im wellnessbereich wieder gefunden hat.

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